Dienstag, 22. Mai 2012 a  
Dialog-backdrop
Artikel versenden

Manager, bewegt euch! Warum Mut belohnt wird

Geben Sie hier die E-Mail-Adresse des Empfängers ein (z.B. m.mustermann@wb.com). Mehrere Empfänger werden durch Komma getrennt.

von Sonja Kerschbaum | 19.01.2012 | 00:34

A- A A+ Drucken Artikel weiterempfehlen zu den Kommentaren

Manager, bewegt euch! Warum Mut belohnt wird

Sonja Kerschbaum Die Unternehmensführung braucht Mut zur Entscheidung und den Mut Chancen zu ergreifen.

beigestellt

Sonja Kerschbaum, Partnerin bei Kerschbaum Rechtsanwälte

Manager werden in letzter Zeit sehr oft für jede Pleite verantwortlich gemacht und rechtlich wie medial verfolgt. In Krisenzeiten trotz der Fehlerquoten der Manager auch noch hohe Gehälter auszahlen - das grenzt an Verachtung des gesunden Menschenverstands, lautet die öffentliche Meinung.

Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere: Unternehmensführung braucht Risikobereitschaft. Denn jede Entscheidung birgt Risiken, die vorab nicht immer abgeschätzt werden können. Darin liegt selbstverständlich auch eine große Herausforderung, der auch nicht alle gewachsen sind, denn nicht jeder ist zum Unternehmer geeignet.

Geschäftsführer und Vorstände unterliegen der Sorgfaltspflicht, und es steht außer Zweifel, dass die Verletzung der Pflichten nicht ohne Konsequenzen bleiben darf. Doch wird gerne vergessen, dass die Mehrheit der Führungskräfte tatsächlich im besten Wissen und Gewissen handelt und keineswegs eine Erfolgshaftung existiert. Der OGH hat in mehreren Urteilen bereits in den 80er-Jahren festgelegt: "Der Vorstand hat die Gesellschaft in eigener Verantwortung zu leiten und die Geschäfte zu führen."

Zum Erfolg verpflichtet. Von einer gesetzlichen Pflicht zur lukrativen Geschäftsführung ist weit und breit keine Rede. Das würde auch keinen Sinn machen. Viel zu groß wäre die Angst der Manager vor dem Risiko und würde dafür sorgen, dass viele gewinnbringende Chancen für das Unternehmen vertan werden.

Die Unternehmensführung braucht Mut zur Entscheidung, und dieser Mut sollte nicht durch Angst vor möglichen Haftungen gehemmt werden. Erfolgreich wirtschaften bedeutet jederzeit flexibel und den Umständen angepasst zu agieren und zu reagieren.

Klar festzuhalten gilt, dass unternehmerisches Handeln im Regelfall nicht sorgfaltswidrig ist. Soweit eine Entscheidung nicht gegen Gesetz, Satzung oder bindende Organbeschlüsse verstößt und auf angemessener Information beruht, haftet ein Manager nur bei Überschreitung seines Ermessensspielraums. Dieser endet bei unvertretbaren Handlungen wie bei unvertretbarer Risikoübernahme oder bei deutlicher Überschreitung der aus dem Unternehmenswohl ableitbaren Grenzen. Privatinteressen haben in der Unternehmensführung selbstverständlich nichts zu suchen. Fest steht, dass das übernommene Risiko und die Entscheidungsgrundlagen auch sorgfältig dokumentiert werden müssen, aber wirtschaftlicher Erfolg ist keine Pflicht.

Pflicht ist jedoch das Handeln an sich. Wegsehen oder zögerliches Kalkül, sich dem Problem zu stellen, wird im Gegensatz zu Fehlentscheidungen geahndet. Nur wer gerade jetzt zur Tat schreitet, wird aus den wirtschaftlich angespannten Zeiten unbeschadet, ja sogar gestärkt hervorgehen und sich über Haftungsthemen wenig Gedanken machen müssen.

Angst und Panik helfen nicht und sind unprofessionell. So darf sich kein Manager seiner Verantwortung entziehen -Haftung hin oder her. Die Sorgfaltspflicht ist keinesfalls eine Entschuldigung für angespanntes Nichtstun. Und die Nichtexistenz einer Erfolgshaftung rechtfertigt die Forderung nach mehr Elan in den Führungsetagen. Gerne suchen wir einen Sündenbock für die Krise -den Manager per se. Er scheint korrupt, gierig und verantwortungslos.

Schwarze Schafe. Die öffentliche Diskussion blickt gerne auf personalisierte schwarze Schafe. Doch es ist an der Zeit, der Hetze ein Ende zu bereiten und die gewissenhaften Geschäftsführer und Vorstände ihrer Arbeit nachgehen zu lassen. Denn sie stellen einen wichtigen Motor für die Gesamtwirtschaft dar. Dies sollte wieder stärker anerkannt werden.

Die Manager ihrerseits müssen wieder Mut beweisen, Chancen ergreifen, Entscheidungen treffen. Denn eine Entscheidung, selbst wenn sie sich nachträglich als weniger erfolgreich oder gar falsch herausstellt, ist immer noch besser als phlegmatisches Nichtstun. Das gilt sowohl für die Manager und ihre Haftung als auch für das Unternehmen.

Kommentare… Kommentar hinzufügen…

3 Kommentare

Gehalt ja, Boni nein

Keiner wird den Managern ihr hohes Gehalt neiden, sie haben ja auch entsprechend viel Verantwortung. Was aber sehr wohl auf Unverständnis stößt, ist die Tatasache, dass viele Manager dazu auch noch erfolgsbezogen Boni lukrieren, auch wenn die betreffenden Unternehmen in diesem Jahr gar keinen Geschäftserfolg hatten (oder wie bei diversen Banken sich nur mit staatlicher Unterstützung über Wasser halten konnten). Oder dass viele Manager, die wegen mangelnder Erfolge den Hut nehmen müssen, trotzdem noch millionenschwere Abfindungen bekommen.

Von Gast: Gast: The Seaotter am 19.01.2012 um 11:56

Beleidigend? Anstößig? Kommentar meldenAntworten

Der Mut darf nicht soweit gehen, dass die Existenz des Unternehmens gefährdert wird!

Es geht also weniger um Angst und Panik, es geht um eine Unternehmensentwicklung, welche dem Unternehmen auch entspricht.

Unternehmer, welche auch Eigentümer des Unternehmens sind, die handeln auch meist nach diesem Grundprinzip und sind langfristig auch erfolgreich, wenn die Substanz gepasst hat.

Unglaubliches Versagen kann aber besonders bei den vielen Parteibonzenmanagements beobachtet werden. Die zeigten doch "Mut" wie der Verbund (Poweo), die Telekom oder auch der Flughafen Wien deutlich gemacht haben.

Der "Mut" schaute dann am Beispiel der Telekom so aus:

Eigenkapitalentwicklung (Substanz) der Telekom:
2007: 2.565 Mio.
2008: 2.155 Mio.
2009: 1.614 Mio.
2010: 1.477 Mio. (= -42%!)

Unter Berücksichtigung der Teuerungsrate haben die etwa 50% des Eigenkapitals dieses Unternehmens ausgeraubt!

Leider ist es so, dass die Staatlichkeit, welche bis über 50% der Wertschöpfung aus den Unternehmen zieht, deren Entwicklung kaputt macht.

Kein Unternehmerproblem!

Von Gast: Gast: ET am 19.01.2012 um 11:16

Beleidigend? Anstößig? Kommentar meldenAntworten

Re: Wir haben ein Problem mit der Staatlichkeit und den "Managern"!

Wenn man sich die KMU Studie der Creditreform genauer anschaut, dann wird auch erkennbar, dass Unternehmer in Österreich kaum eine brauchbare Chance haben. Die Eigenkapitalquoten sind sehr schwach (ca. 200.000 KMU unter 30%, also kaum Handlungsspielraum) und auch die Ertragslage ist sehr bescheiden.

Die BA hat doch erst vor einigen Monaten die Meldung veröffentlicht, dass 43% der KMU permanent in der Verlustzone operieren.

Die Unternehmer sind in Österreich doch schon ausgeraubt und haben keine Chance zum Mut. Da geht es doch in den meisten Fällen nur noch ums Überleben. Mutig sind doch alle, welche sich der Herausforderung stellen.

Die Manger, heute oft nur noch power point Experten mit exzessiver Selbstbeweihräucherung, die bringen das Land (auch die Unternehmen) meist nicht wirklich vorwärts. Die verstehen vielleicht das Leveragen, nicht aber welche Arbeit und Schritte notwendig sind, dass das Unternehmen in eine gute Zukunft geführt wird.

Von Gast: Gast: ET am 19.01.2012 um 11:21

Beleidigend? Anstößig? Kommentar meldenAntworten

mehr Gastkommentare…

Umfrage

Die Krise in Griechenland schreckt Urlauber ab. Gegenüber dem Vorjahr sind die Buchungen bereits um 30 Prozent zurückgegangen. Würden Sie Ihren Sommerurlaub in Griechenland verbringen?
  • >> Zum Zwischenergebnis

Gastkommentare: Meistgelesen

/images/uploads/c/0/d/519181/APA3F7.tmp20120522061846.jpg
Scheitern wird salonfähig

Anke Van Beekhuis: Scheitern ist nicht das Ende, wie Niki Lauda nach seinem...

mehr Fotogalerien>

Fotogalerien 

  • HZI/Manfred Rhode
    Lebensmittel-Skandal

    Die größten Epidemien Europas

    APA
    Banküberfälle

    Die größten der letzten 20 Jahre

  • EPA
    Blond

    Blond - ein Erfolgsmodell

    EPA
    Super-Gau

    Die teuersten Naturkatastrophen...