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Über die Vorteile des starken Schweizer Frankens

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von Gerald Mann | 21.08.2011 | 19:46

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Über die Vorteile des starken Schweizer Frankens

Der Anstieg des Schweizer Franken macht der Schweizer Wirtschaft immer mehr zu schaffen. Ein Luxusproblem meint der Münchner VWL-Professor Gerald Mann, er hat einige Empfehlungen für die Eidgenossen parat.

Scheiblecker

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Gerald Mann
Professor Dr. Gerald Mann lehrt Volkswirtschaftslehre an der FOM Hochschule für Oekonomie und Management in München



Der Euro hat in den letzten vier Jahren gegenüber dem Schweizer Franken (CHF) mehr als ein Drittel seines Wertes verloren. Vor kurzem wäre fast die Parität erreicht worden. Doch Gegenmaßnahmen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) führten zu einer Korrektur. Politiker in Ländern wie Österreich oder Deutschland, die gegen den ablehnenden Mehrheitswillen für die „Eurorettung" eingegangenen Bürgschaften verteidigen, verweisen gerne auf die Schwierigkeiten der Schweizer Exportindustrie durch den starken CHF. Ohne den Euro bzw. bei einer Rückkehr zu Schilling oder D-Mark hätten wir die gleichen Probleme, wird gewarnt. 

Unbestreitbar wird es für exportorientierte Schweizer Unternehmen mit hoher inländischer Wertschöpfung schwieriger, ihre Produkte im Ausland mit Gewinn abzusetzen. Rückläufige Auftragseingänge und Exporte sind zu erwarten, einige Unternehmen verlangen unbezahlte Mehrarbeit, Gastronomie und Hotels bleiben ausländische Gäste weg. Allerdings sind bislang Massendemonstrationen vor dem Bundeshaus in Bern mit der Forderung nach Einführung des Euros ausgeblieben. Das zeigt, dass die überwältigende Mehrheit der Schweizer entweder intuitiv oder aus Sachverstand dieses Luxusproblem richtig einzuordnen weiß. Eine Währung, egal ob stark oder schwach, ist das Spiegelbild einer Volkswirtschaft! Also können sich die Schweizer an der Stärke und Solidität ihrer Wirtschaft und damit ihrer Währung so freuen, wie es die Deutschen an der D-Mark konnten. Freiwillig werden die Schweizer das aus guten Gründen nicht aufgeben.

Worin liegen die Vorteile des starken Frankens:

Erstens, weil Import- und Produzentenpreise durch den starken CHF sogar fallen, lag die Inflationsrate im Juli bei 0,5 Prozent, Tendenz weiter rückläufig. In Deutschland stieg das Preisniveau um 2,4 Prozent, in der Eurozone um 2,5 Prozent. Renditen zehnjähriger Staatsanleihen liegen in der Schweiz bei ca. 1,1 Prozent, in Deutschland bei ca. 2,1 Prozent. Dies bedeutet, dass ein Schweizer Sparer, der seinem Staat Geld leiht, immerhin noch eine Realverzinsung von 0,6 Prozent vor Steuern hat, während sein deutsches Pendant jetzt schon 0,3 Prozent (2,1 minus 2,4) realen Wertverlust einfährt, also qua „Inflationssteuer" enteignet wird.

Zweitens, die Kaufkraft der Schweizer im Ausland steigt. Für sie werden Urlaube und Vermögenswerte im Ausland sowie Waren von dort günstiger.

Drittens, der Kapitalzustrom in die Schweiz und die Geldpolitik der SNB führen zu einem niedrigen Zinsniveau, was für Unternehmen, Staat und Häuslebauer eine Entlastung darstellt.

Viertens, warum sollten die Schweizer sich freiwillig in eine faktische Transferunion zu Lasten erfolgreicher Volkswirtschaften begeben wie sie die Eurozone darstellt? Denn bereits die Bürgschaften aus den bisherigen „Rettungsschirmen" stellen einen ökonomischen Transfer dar, nämlich den von Kreditwürdigkeit, auch wenn (noch) kein Geld fließt. Bei Eurobonds wäre das noch offenkundiger.

Besteht deswegen kein Handlungsbedarf seitens der Schweizer (Geld-)Politik? Doch, sicher. Denn der schnell steigende CHF gerade der letzten Monate erlaubt keine langsame Anpassung der Unternehmen an die Situation und kann zu unerwünschten Produktionsverlagerungen ins Ausland und damit Arbeitslosigkeit führen. Deshalb hat die SNB schon mehrfach interveniert, indem sie die CHF-Geldmenge erhöhte. Das konnte den Kursanstieg aber nur bremsen, nicht wirklich umkehren, obwohl sich die Devisenanlagen der SNB zwischen Jahresende 2008 allein bis Ende Mai 2011 von 47 auf 203 Mrd. CHF erhöht haben! Dieser Wert ist schon bereinigt um zweistellige Milliardenverluste, denn die Euro-Anlagen in der SNB-Bilanz mussten wegen des Euro-Verfalls wertberichtigt werden. Auch die äußerst lockere und damit für ein Starkwährungsland untypische Geldversorgung der Schweizer Banken zu Zinsen nahe Null ist nicht unproblematisch, weil dieses „Spielgeld" zwar die umlaufende CHF-Menge erhöht und den Außenwert schwächt, aber der Nutzen daraus letztlich den Eigentümern von Banken zugute kommt und eben nicht allen Eidgenossen.

Die bisherige Vorgehensweise ist also nicht wirklich befriedigend. Wie sieht eine bessere Lösung aus?

Die Schweizer Politik sollte einen Fonds auflegen, nennen wir ihn „Helvetischer Nationalfonds" (HNF). Dieser erhält eine Eigenkapitalausstattung, die anfänglich auch durch Staatsgarantien ersetzt und Zug um Zug durch Gewinne aufgefüllt werden kann. Der HNF hat die Aufgabe, in mittel- und langfristig werthaltige Vermögensanlagen im Ausland zu investieren, so wie z.B. der Öleinnahmen verwaltende Norwegische Staatsfonds. Den größten Teil der finanziellen Mittel dazu erhält der HNF als langfristigen CHF-Kredit von der SNB, wozu die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen wären, weil dies einen Eingriff in die geldpolitische Unabhängigkeit darstellt. Der HNF tauscht dieses Kapital dann in fremde Währungen, um z.B. im Euroraum Aktien oder Immobilien (natürlich keine Staatsanleihen!) zu erwerben, wodurch der CHF relativ an Wert verliert.

Worin liegen trotz der Anlagerisiken die Vorteile gegenüber dem bisherigen Vorgehen?

Erstens, statt Euro-Buchgeld erwirbt die Schweizer Volkswirtschaft reale Werte und dämpft gleichzeitig den CHF-Anstieg.

Zweitens kommen die sich über die Jahre im ENF ansammelnden Werte allen Schweizern zu Gute und (deren Erträge) können später z.B. zur Abfederung des demographischen Wandels im Rentensystem verwendet werden.

Drittens: Sollte sich irgendwann die Lage drehen, der CHF stark an Wert verlieren und die Inflationsgefahr ansteigen, wird der SNB erlaubt, ihre Kredite teilweise und mit gewissen Kündigungsfristen zurückzufordern. Dadurch wäre der HNF gezwungen (falls Eigenkapital und Rücklagen nicht ausreichen), Teile seines Vermögens im Ausland zu verkaufen, diese Erlöse in CHF zu einem dann günstigeren Kurs zurückzutransferieren, was einen dann schwachen Franken entsprechend stützten würde. Die SNB könnte die umlaufende Geldmenge durch die Tilgung entsprechend reduzieren. Auf diese Weise wäre auch die geldpolitische Autonomie der SNB durch die langfristigen Kredite nicht übermäßig beschnitten.

Fazit: Wenn also der CHF die Fluchtwährung für Nicht-Schweizer mit Inflationssorgen ist, dann hat das für die Schweiz mehr Vor- als Nachteile, wenn man nüchtern und sachgerecht damit umgeht. Während Norwegen zur Auffüllung seines Staatsfonds die endlichen Ressourcen Öl und Gas verkauft, können die Schweizer durch kostenlose (!) Schaffung von Buchgeld der eigenen Währung reale Vermögenswerte im Ausland erwerben und obendrein noch ihrer Exportwirtschaft helfen. Schweiz, du hast es besser - erfreue dich deines Luxusproblems! Übrigens, so hätte Österreich auch mit einem starken Schilling verfahren können...

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