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Dialog-backdrop Leitartikel: Der Kult der Zockerei und seine FolgenKein Bereich ist vor Betrügern sicher. Wie kann man unter diesen Bedingungen jemals wieder unbesorgt einen Toto-Schein ausfüllen? Erinnern Sie sich noch an den Film „Der Clou“? Paul Newman und Robert Redford spielen darin zwei smarte Ganoven in den USA der Zwischenkriegszeit, die einen Unterweltboss mit einer getürkten Wette um sein ganzes Vermögen bringen. Bei dem Wettskandal, der die Fußballwelt dieser Tage erschüttert, dürften hoffentlich keine Existenzen ruiniert worden sein, doch gegen die kriminelle Energie der europäischen Betrüger sind die Eskapaden der eingangs genannten Herren ein Lercherl: Neun Länder, mehr als 200 Spiele, 17 Verhaftungen und ein Schaden von mindestens zehn Millionen € – und das ist nach Ansicht der Ermittler erst der Anfang. Der Umfang der Affäre ist in der Tat beachtlich – denn sollten sich alle Befürchtungen bewahrheiten, dann würde es bedeuten, dass kein Bereich vor den Betrügern sicher ist, weder die Champions League noch die Regionalliga Ost. Wie kann man unter diesen Bedingungen jemals wieder unbesorgt einen Toto-Schein ausfüllen? Dabei ist dieses Problem keinesfalls auf den Fußball beschränkt. Manipulationsvorwürfe gibt es immer wieder beim Boxen, Hightech-Anzüge machen so manch einen Schwimmer um Zehntelsekunden schneller, und die Tour de France ist mittlerweile zu einer live im TV übertragenen Drogenrazzia verkommen, wie ein Kenner der Materie treffend anmerkte. Das liegt wohl in der menschlichen Natur: je höher die Einsätze, desto größer die kriminelle Versuchung. Diese Eigenschaft hat der Sport übrigens mit der Wirtschaft gemein. Denn die Ereignisse der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Kombination aus viel Geld, wenig Aufsicht und einer naiven Hoffnung auf die segensreiche Wirkung der Selbstregulierung nichts anderes ist als eine Einladung zum Betrug – man denke etwa an den Enron-Skandal, die Subprime-Hypotheken oder an Bernie Madoffs milliardenschweres Pyramidenspiel. Kein Wunder, wenn an der Wall Street ein regelrechter Kult der Zockerei vorherrscht. Und es überrascht nicht, dass amerikanische Broker-Häuser ihre Trader verstärkt aus dem Milieu der Online-Pokerspieler rekrutieren. Die aktuelle Krise hat uns zwei Dinge gelehrt. Erstens darf sich die staatliche Aufsicht nicht in der Sicherheit wiegen, die unsichtbare Hand des Marktes werde es schon richten. Und das System kann zweitens nicht funktionieren, wenn ein Teil der Akteure als „too big to fail“ gilt – es ist die Angst vor der Pleite und dem Verlust des eigenen Kapitals, die einen Investor dazu zwingt, Risken zu evaluieren. Auf den Fußball umgesetzt kann das nur eines bedeuten: Jene Vereine, die massiv betrogen haben, müssen vom Erdboden verschwinden. Die Alternative dazu heißt „Der Clou, Teil zwei“ – ohne den Charme von Robert Redford, dafür mit noch höheren Wetteinsätzen. mehr Kommentare…
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