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Leitartikel: Die Ethik im Dienste der Zocker

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von Wolfgang Unterhuber | 31.01.2010 | 16:00

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Leitartikel: Die Ethik im Dienste der Zocker

Es ist die Pflicht von Politik und der Wirtschaft, den Menschen wieder Hoffnung zu schenken.

WB/Mayr

Zitiert

Wolfgang Unterhuber

Die Verursacher der Krise hielten sich an geltende Normen

An dieser Stelle die Frage nach der optimalen Ethik zu beantworten, würde wohl Zeit und Raum sprengen. Zunächst ist festzuhalten, dass jede Zeit und jede Gesellschaft ihre eigenen ethischen Vorstellungen hat. Für den westlichen Kulturkreis mit seinen unterschiedlichen kapitalistischen Wirtschaftsformen wollen wir die Definition von Ulrich Thielemann vom Institut für Wirtschaftsethik St. Gallen ­heranziehen. Ethisch wirtschaften bedeutet für ihn, einen Ausgleich zu finden. Einen Ausgleich zwischen den Interessen der Share­holder, Manager, Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter.

Es ist kein Geheimnis, dass dieser Interessenausgleich längst nicht mehr funktioniert. „Profit über ­alles“ lautete das Motto der vergangenen Jahre. Ein Motto, das uns die größte Wirtschaftskrise seit den 30er-Jahren beschert hat. Das Dumme dabei ist nur, dass die großen Zocker innerhalb der gesetzlichen Spielregeln ­gehandelt haben. Die aktuelle Diskusssion über die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken zeigt das deutlich. Im Rahmen des Gramm Leach-Bliley-Acts aus dem Jahre 1999 fielen alle bisherigen Trennungsregeln. Seither ist den Banken hemmungsloses Zocken im Dienste der ­Super-Rendite erlaubt.

Wer also die Verursacher der Krise hinter Gittern sehen will, tut sich schwer – es sei denn, sie haben kriminell gehandelt.

Das Wesen einer einwand­freien ethischen Gesellschaft besteht auch darin, dass die geltenden ­juristischen Spielregeln eingehalten und bei Vergehen tatsächlich exekutiert werden. Wer schadhaftes Spekulantentum verhindern will, muss für die Zukunft also neue juristische Grundprinzipien umsetzen. Es spricht nicht wirklich für die westliche Gesellschaft, dass die Verursacher der Krise zwar hinlänglich verbal an den Pranger gestellt werden, dass aber noch immer nichts unternommen wurde, um ihnen das Handwerk zu ­legen. Das ist ein schweres moralisches Defizit. In der Konsequenz leidet darunter nicht nur der ­Glaube an die freie Marktwirtschaft, sondern auch der ­Glaube an die freie, offene, demokratische Gesellschaft.

Dieser fehlende Glaube geht vor allem von denen aus, die durch die aktuelle Krise zu Schaden gekommen sind. Das sind die Millionen Arbeitnehmer, die ihre Jobs verloren haben und hunderttausende Unternehmen, die an den Rand des Abgrunds getrieben werden. Es ist die Pflicht der Politik und der Wirtschaft, diesen Menschen wieder Hoffnung zu schenken. Höchste Zeit für neue, saubere Spielregeln in der Wirtschaft.

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2 Kommentare

Ethik ist keine Ausrede für Versagen konkreter Amtsträger

Über Ethik gäbe es wahrlich viel zu sagen, das ist aber bei weitem nicht das Problem.

Das Problem ist, dass die "White Collar"-Verbrechen gerade in Österreich kaum bzw. nicht verfolgt werden (außer beim armen Elsner).

Weiters ist es natürlich ein Unglück, dass sich die Banken unter der Leitung der Nationalbank zu einem Kartell zusammengeschlossen haben und damit den natürlichen Abgang (Bankrott) von marginalen, d.h. schlecht geführten, Banken verhindern.

Wenn man sich um diese zwei konkreten Probleme kümmern würde, gäbe es schon ein große Verbesserung.

Bis dahin könnte die Presse ja vom faktischen Versagen konkreter Amtsträger berichten .....

Von Gast: Gast: Amerigo Sella am 31.01.2010 um 21:22

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Im Prinzip ja

nur unterschätzt der Autor die Dauer des Prozesses.

Wird circa zwei Generationen dauern, vergleichbar der Wende im Osten.

Realiter sitzen in den Vorstandsetagen und Beraterstäben Soziopathen - erzogen so zu denken und handeln wie sie eben denken und handeln, darin ähneln sie den korrupten Kaderfunktionären der Kommunismus.
Deswegen wird der Wandel auch zwei Generationen dauern.

Der fehlende Glaube geht übrigens von den Besten und Fähigsten aus, diese arbeiten nicht mehr in Großbetrieben oder Konzernen sondern als Freelancer, EPU, ICH-AG für sie.

Jüngstes erhellendes Beispiel - Rückruf Toyota, Geld ist alles, Qualität ist nichts, vermutlich als Kostenfaktor explizit unerwünscht.



Von Gast: Gast: Open Source Banking Now! am 31.01.2010 um 19:48

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