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Leitartikel: Klinik unter Palmen statt Club Med

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von Michael Laczynski | 03.02.2010 | 16:39

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Leitartikel: Klinik unter Palmen statt Club Med

Das grundsätzliche Problem von Euroland ist die Entkoppelung von Währungs- und Wirtschaftspolitik.

WB/Peroutka

Zitiert

Michael Laczynski

Die südlichen EU-Mitglieder werden in einen Topf geworfen

Seit Jahren schon macht in Brüssel der Terminus „Club Med“ die Runde. Dieser Leihbegriff, die Schöpfung eines (zweifellos geistreichen) Eurokraten, bezeichnet den südlichen Rand der Union, also die EU-Mitglieder Griechenland, ­Italien, Spanien und Portugal. Gemäß der gängigen Meinung sind ihre Gemeinsamkeiten neben dem ­mediterranen Lebensgefühl, den Stränden und dem guten Klima auch ein unterdurchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen, hohe Abhängigkeit von den Brüsseler Subventionstöpfen sowie lückenhafte Kon­trolle über den Staatshaushalt. So weit, so klischeehaft.

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Differenzen zwischen den einzelnen „Club Med“-Mitgliedern groß sind – und es womög­lich immer schon waren. Spanien etwa kann eine im europäischen Vergleich geringe Staatsverschuldung und ein gut aufgestelltes Bankensystem vorweisen, während die griechische Schuldenlast im dreistelligen BIP-Prozentbereich liegt. Auch in Italien ist die Verschuldung ähnlich hoch, doch das Land verfügt immerhin über eine einigermaßen diversifizierte (wenn auch international nicht sonderlich wettbewerbsfähige) Industriebasis.

Jetzt aber werden die südlichen Staaten erneut in einen Topf geworfen, und der Topf heißt diesmal „Klinik unter Palmen“. Mit Verweis auf die dramatische wirtschaftliche Entwicklung und einen immer höheren Schuldenberg der mediterranen Patienten spekulieren Schwarzmaler bereits über das Ende der Eurozone. Und in der Tat: Wenn ein arriviertes EU-Mitglied wie Griechenland unter die Brüsseler Kuratel gestellt werden muss, dann läuft etwas nicht rund.

Allzu schlimm dürfte es aber nicht kommen. Zum einen gehört Griechenland mit einem BIP-Beitrag im niedrigen einstelligen Prozentbereich zu den Fliegengewichten in der Eurozone, zum anderen tendieren Investoren in Zeiten wie diesen zu Übertreibungen. Erinnern wir uns: Auch ganz Osteuropa wurde vor einem Jahr in den Ruin geschrieben.

Das grundsätzliche Problem von Euroland ist die Entkoppelung von Währungs- und Wirtschaftspolitik. In guten Zeiten konnte man sich über dieses ­Dilemma drüberschwindeln, nun wird der Spagat zwischen nationalen Interessen und supranationaler Währung immer schwieriger. Bei Griechenland lässt sich das Problem notfalls mit Geld lösen. ­Sollte aber ein Land wie Spanien straucheln, dann ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Es bleibt zu hoffen, dass uns diese Situation erspart bleibt. Aber ein paar Gedanken über einen Plan B und über eine neue, ­stabilere Struktur der Union täten nicht schaden.

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1 Kommentar

Wer A sagt muss auch B sagen

Herrn Laczinskis Kommentare gehören zum Gescheitesten, das man in Österreichs Wirtschaftsblättern lesen kann. Diesmal ist er leider zu kurz gesprungen. Spannend wäre es seine Gedanken kennen zu lernen, was und wie Wirtschafts- und Währungspolitik in Europa besser koordiniert werden sollten/könnten.

Von Gast: teufel am 04.02.2010 um 08:16

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