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Beobachtet: Notnägel statt Lösungen in der Energiepolitik

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von Elmar Hillebrand | 04.02.2010 | 17:53

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Beobachtet: Notnägel statt Lösungen in der Energiepolitik

Oleg Deripaska präsentiert sich überraschend als glühender Anhänger der Atomkraft, die großen Versorger setzen auf die Kohlenstoffabscheidung um ihre heutigen und künftigen Kraftwerkparks weiter betreiben zu können. Beide Ansätze greifen aber möglicherweise zu kurz.

WB/Hillebrand

Nicht schlecht gestaunt haben einige Leser des "Wall Street Journal" als sich Oleg Deripaska im Anschluss an das Weltwirtschafts Forum in Davos in einem Kommentar zu Wochenbeginn als unerschrockener Verfechter der Atomenergie geoutet hat. Er setzt dabei auf kleinere AKW einerseits und einen "Uran-Bank" bei der Internationalen Atomenergie-Behörde in Wien andererseits. Unbeantwortet lässt er allerdings Sicherheitsaspekte ebenso wie das Endlagerproblem. Von der Tatsache, dass Uran ein durchaus endlicher Rohstoff, Plutonium weiterhin sehr ungesund ist und man damit auch noch Bomben bauen kann, einmal ganz abgesehen. Dies macht die Technologie auch politisch wohl nicht attraktiver und langfristig höchstens zu einer so genannten Brückentechnologie bis alternative Energiequellen die Stromerzeugung weitgehend übernehmen.
CCS (Carbon Capture and Storage), die Abscheidung von CO2 aus den Abgasen von mit fossilen Brennstoffen betriebenen Kraftwerken und die unterirdische Speicherung desselben, wird von den meisten Energiekonzernen selbst als Übergangstechnologie gehandelt. Den Vorteilen, etwa dem weiteren Betrieb bzw. Laufzeitverlängerung existierender Kohlekraftwerke, stehen allerdings auch einige Nachteile gegenüber. Die Entwicklung der Technik ist relativ teuer. Alleine die EU fördert die Errichtung von 12 Demonstrationsanlagen bis 2015 mit einer guten Milliarde Euro. Auch der Betrieb dürfte nach derzeitigem Erkenntnisstand einiges Kosten, vor allem Effizienz im Kraftwerkspark. Hinzu kommt, dass der Abbau von Kohle heute in praktisch allen EU-Staaten mehr oder weniger stark gefördert wird um Arbeitsplätze zu erhalten. Da wäre die Förderung von Alternativenergien zur Schaffung von langfristigen Arbeitsplätzen wohl sinnvoller. Und sie wirkt.

Wind verbläst alle

Neben Wasserkraft sind die windbegünstigten Standorte etwa rund um die Nordsee drauf und dran einigen klassische Energiequellen auch in punkto Betriebswirtschaftlichkeit den Rang abzulaufen.
Im Jahr 2009 wurden trotz Krise 13 Milliarden Euro in die europäische Windenergie investiert. Damit wurden 39 Prozent der gesamten neu errichteten Stromkapazitäten in Europa durch Windkraft bestritten. Auf Rang zwei Gaskraftwerke mit 26 Prozent.
Die Erreichung der so genannten Netzparität bei den Erzeugungskosten lässt auch die großen Energiekonzerne zu Investoren in die Windkraft werden.

Ein Trend, der auch strategisch Sinn macht. Es ist nicht davon auszugehen, dass fossile Energiequellen, vom Klimagedanken ganz abgesehen, in den kommenden Jahren günstiger werden. Auch die Strompreise für die Abnehmer werden nach Meinung von Experten nicht zurückgehen. Parallel dazu werden mit jedem Jahr die Gestehungskosten von Strom aus alternativen Quellen durch den technischen Fortschritt günstiger werden. Auch wenn Strom aus Photovoltaik in unseren Breiten nicht bis zum Jahr 2015 konkurrenzfähig wird, wie das Optimisten wissen wollen, ab 2020 wird sich das Blatt wohl wenden.
Spätestens ab diesem Zeitpunkt, wenn der selbst produzierte Strom günstiger ist als jener, den mir ein Stromkonzern in die Steckdose liefern kann, werden neue Geschäftsstrategien in der Energiebranche Platz greifen müssen.
Ob die von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel herbei gesehnte Kernfusion, sie soll frühestens ab 2040 eine Rolle spielen, dann noch eine Chance hat, bleibt abzuwarten.

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