Donnerstag, 11. März 2010 a  
Dialog-backdrop
Artikel versenden

Leitartikel: Auf dem Weg zur Selbstbedienungs-Republik

Geben Sie hier die E-Mail-Adresse des Empfängers ein (z.B. m.mustermann@wb.com). Mehrere Empfänger werden durch Komma getrennt.

von Robert Lechner | 05.02.2010 | 17:09

A- A A+ Drucken Artikel weiterempfehlen zu den Kommentaren

Leitartikel: Auf dem Weg zur Selbstbedienungs-Republik

Auch die schärfste Wirtschafts­krise seit den 30er-Jahren kann in den wenigsten Fällen als ­Entschuldigung für offensichtlich falsches Verhalten dienen.

WB/Peroutka

Zitiert

Robert Lechner

Ehrliche Unternehmer fühlen sich zunehmend gefrotzelt

Fehlende Entscheidungen im Fall Libro; bisher keine sichtbaren Konsequenzen für unerklärliche Machenschaften rund um Immofinanz alt; Bankmanager, die ganze Institute versenkt haben und nun seelenruhig Rennpferde züchten; Unternehmenschefs, die auf einem riesigen Bauskandal sitzen und simple Rechercheanfragen mit Klagsdrohungen beantworten; ein ehemaliger Finanzminister, der trotz Buwog-Desaster weiterhin in jede auf ihn gerichtete Kamera grinst; 300 versenkte Millionen bei Spekulationsgeschäften der ÖBB, und keinerlei substanzielle Neuigkeiten darüber, wie es mit den Anlegerverfahren rund um frühere Meinl-Gesellschaften weitergehen soll – in Österreich steigt das Empfinden, dass in Sachen ­Gerechtigkeit Stillstand herrscht.

Selbst wenn bei vielen sogenannten Affären keine strafrechtlichen Konsequenzen übrig bleiben, die moralische Komponente des Wirt­schaftens bleibt derzeit arg auf der Strecke. Es geht in Richtung Selbstbedienungs-Republik.

Mit Gutmenschen-Getue hat das alles nichts zu tun. Das wäre ein allzu einfaches Argument, um ein Innehalten und Reflektieren darüber zu verhindern, was sich in den Köpfen einst hoch angesehener Entscheidungsträger abspielt beziehungsweise abgespielt hat. Auch die schärfste Wirtschafts­krise seit den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts kann
in den wenigsten Fällen als ­Entschuldigung für offensichtlich falsches Verhalten dienen.
Warnungen, ein Teil der rund 400.000 Arbeitssuchenden könnte demnächst ausrasten , werden ignoriert. Wenn Ökonomen wie Stephan Schulmeister auf steigenden Druck innerhalb des gesellschaftlichen Gefüges aufmerksam machen, ducken sich Entscheidungsträger und selbst berufene moralische Instanzen gerne weg,  oder sie investieren noch rasch in ein Projekt von Investmentmanager Tilo Berlin.

Wirklich unangenehm ist das sozioökonomische Klima derzeit auch für das Rückgrat jeder Volkswirtschaft, die klein- und mittelständischen Unternehmen. Wenn wieder einmal eine Bank einen Kreditantrag mit dem Vermerk „Leider nicht“ retourniert, beschleicht so manchen Betriebseigentümer ein seltsames Gefühl: Offensichtlich ist das Rad, an dem ich drehe, nicht groß genug, das Risiko zu überschaubar, das Vorhaben nicht dreist genug.
Das Gefühl, dass in letzter Zeit die Falschen für ökonomische Hoppalas haften, ist nicht nur ein Problem für die Verlierer am Arbeitsmarkt. Auch immer mehr ehrliche Wirtschaftstreibende fühlen sich langsam über die Maßen gefrotzelt.

Kommentare… Kommentar hinzufügen…

3 Kommentare

Partei, Kammer und Kirchenfilz

wenn die 'Justiz' nur bei ausgestreckten Haenden aktiv wird dann weiss man wieviel die Uhr geschlagen hat

Von Gast: Gast: Heinz Geyer am 08.02.2010 um 09:27

Beleidigend? Anstößig? Kommentar meldenAntworten

Stimmt!

Bemerkenswert ist, dass sich alles im Dunstkreis der Parteien abspielte und noch immer abspielt. Die Parteien haben eben eine Haufen degenerierter Superbonzen über Dekaden herangezogen und kennen es gar nicht mehr anders.

Von Gast: Gast: ET am 08.02.2010 um 07:12

Beleidigend? Anstößig? Kommentar meldenAntworten

Re: Nicht zu vergessen...

...eine vollkommen außer Rand und Band geratene Justiz, die offensichtlich Großbetrüger solange deckt, bis alles verjährt ist, die jeden Staatsanwalt, wenn er nun auch nur in die Nähe einer Anklage kommt, sofort vom Fall abzieht, damit wieder bei Null angefangen werden muss und die mutmaßlichen Täter möglichst lange Zeit haben, alle Spuren zu verwischen.
Dazu noch die völlige Verseuchung der Gerichte mit Personen, denen der Schutz der Täter weit wichtiger ist, als Schutz und Entschädigung der Opfer, unabhängig von der Art der Verbrechen.
Eine straff geführte und unbestechliche, unparteiische Justiz ist die Grundlage eines funktionierenden Staates.
In Österreich haben wir diese Grundlage längst abgeschafft...

Von Gast: Gast: pest am 08.02.2010 um 09:24

Beleidigend? Anstößig? Kommentar meldenAntworten

mehr Kommentare…

Umfrage

Soll das Land Kärnten auch weiterhin im Hypo Aufsichtsrat vertreten sein?
  • >> Zum Zwischenergebnis
mehr Fotogalerien>

Fotogalerien Diashows

  • Aktien-Charts

    Die meistgesuchten Aktien bei...

    Markenwert

    Die teuersten Marken der Welt

  • colourbox
    Flops der Bosse

    Ein Blick in die Aktiendepots...

    Bilderbox
    Lohn_Vergleich

    71 Städte im Vergleich: Wo die...