von Andre Ballin | 18.05.2010 | 16:38
Kiews Kuschelkurs mit Moskau
Größe ist relativ: So weist der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch bei einem Gewicht von über 110 Kilo eine Körpergröße von 1,95 Meter auf, gegenüber seinem weitaus schmächtigeren russischen Kollegen Dmitri Medwedew (1,58 Meter) schrumpft das politische Schwergewicht dieser Tage zu einem Schoßhündchen zusammen.
Es ist schon erstaunlich zu beobachten, wie Janukowitsch vor Moskau im übertragenen Sinne „Männchen“ macht.
Moskau. Russland drückt aufs Tempo: Nach der Verlängerung des Flottenvertrags, der der russischen Schwarzmeerflotte ein Bleiberecht auf der Krim bis 2042 einräumt, soll nun auch die ukrainische Wirtschaft fest an Moskau gekettet werden. Über ein Dutzend Kooperationsverträge unterzeichneten Medwedew und Janukowitsch in Kiew. Das russische Navigationssystem Glonass wird der Ukraine wohl bald ebenso übergestülpt wie Russlands Banken- und Finanzsystem. Zugleich streckt Moskau seine Finger nach der Öl- und Gasindustrie sowie dem Stahl- und Flugzeugbau seines Nachbarlandes aus.
Auch wenn Janukowitsch nach heftigen Protesten im Inland die unverfroren vorgetragene Forderung, den Gasmonopolisten Naftogas an Gazprom auszuhändigen, schließlich öffentlich zurückwies, heimlich bereitet das Kiewer Parlament bereits die Möglichkeit vor, Staatsbetriebe wie Naftogas zumindest teilweise zu verkaufen.
Medwedew hat dafür neben Billiggas auch versprochen, Kiews Interessen international zu vertreten. Günstig, dass Kiews Interesse derzeit allein darin zu bestehen scheint, Moskau zu gefallen.
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