Dienstag, 22. Mai 2012 a  
Dialog-backdrop
Artikel versenden

Beobachtet: Die Festspielführung als Panikorchester

Geben Sie hier die E-Mail-Adresse des Empfängers ein (z.B. m.mustermann@wb.com). Mehrere Empfänger werden durch Komma getrennt.

von Michael J. Mayr | 20.01.2012 | 00:33

A- A A+ Drucken Artikel weiterempfehlen zu den Kommentaren

Beobachtet: Die Festspielführung als Panikorchester

Michael J. Mayr. Ein Rechnungshof-Bericht kritisiert die Salzburger Festspiele. Die wenig professionelle Reaktion zeigt, es ist Gefahr in Verzug.

WB

Der Rechnungshof-Bericht über die Salzburger Festspiele war noch gar nicht fertig, da tat ihn Präsidentin Helga Rabl-Stadler schon herab als "einfach falsch, praxisfern, böswillig und auch rufschädigend". Das freilich rief den anderen Präsidenten, Josef Moser vom Rechnungshof, erst recht auf den Plan. Dienstagfrüh eilte er in die Mozartstadt um -noch ungewöhnlicher -den Festspielprüfbericht per Pressekonferenz öffentlich zu machen.

Normalerweise gehen die RH-Berichte ohne große Show per Knopfdruck raus. Der Konter hat gesessen. Salzburgs Festspielführung gibt seither das Bild eines Panikorchesters ab. Lehnte Helga Rabl-Stadler eine Stellungnahme zu Mosers Darstellung der Salzburger Festspielpraktiken zunächst brüsk ab, telefonierte sie Stunden später die Redaktionen durch, um zu erklären, dass sie die Kritikpunkte des Rechnungshofs längst eifrig behebe. Was war das vorher alles? Böswillig? Praxisfern? Einfach falsch?

Das Theater geht noch weiter. Rabl-Stadler beruft ebenfalls eine Pressekonferenz ein. Der Termin ist noch kaum im Journalistenkalender vermerkt, ist wieder alles anders: neuer Termin, neues Podium. Auch die Festspielaufseher Wilfried Haslauer und Heinz Schaden drängt es, den RH-Bericht zu kommentieren. Rundherum geben sie dazu Interviews.

Gefahr in Verzug

Die wenig professionelle Reaktion auf die RH-Kritik bestätigt Josef Mosers Warnung, bei den Festspielen sei Gefahr in Verzug. Und zwar nicht nur wegen der althergebrachten kameralistischen Strukturen, bei denen, so Moser, "Menschen mit krimineller Energie leichtes Spiel" hätten, sondern auch in Bezug auf die Führungsqualitäten. Dass Österreichs Wirtschaft durch die Festspiele jährlich einen Umsatz von 300 Millionen €einspielt, mag stimmen.

Ebenso stimmt, dass die Festspiele 26 Millionen €an kreditfinanzierten (!) Subventionen bei der Bank veranlagt haben, dass sie jährlich Karten im Wert von zwei Millionen € verschenken (an Leute mit Vermögen und Einfluss) und dass es einen Festspiel-Betrugsskandal gibt. Bessert sich die Festspielleitung nicht, steht in der Tat ein Weltruf auf dem Spiel.

 

Kommentare… Kommentar hinzufügen…

mehr Kommentare…

Umfrage

Die Krise in Griechenland schreckt Urlauber ab. Gegenüber dem Vorjahr sind die Buchungen bereits um 30 Prozent zurückgegangen. Würden Sie Ihren Sommerurlaub in Griechenland verbringen?
  • >> Zum Zwischenergebnis