von Eva Konzett | 25.01.2012 | 00:32
Beobachtet: Revolution frisst vorerst keine Investoren
Eva Konzett. Der rumänische Unternehmerverband sieht keine negativen Effekte durch die Demonstrationen - noch nicht.
Eva Konzett
Die Revolution lasse sich nicht planen, meinte Rosa Luxemburg einst sinngemäß - und sie muss es als Revolutionärin gewusst haben. Ebenso wenig waren wohl auch die Demonstrationen in Rumänien vorauszusehen, die seit Mitte Jänner die Plätze der größeren Städte füllen. Was als Protest gegen die Privatisierung eines Rettungsdienstes begann (und nicht etwa, als 2010 die Gehälter im öffentlichen Dienst massiv gekürzt wurden), formierte sich zu einer umfassenden Bewegung gegen die Regierung und auch gegen deren rigiden Sparkurs.
Leidensfähigkeit. In den Bukarester Machtzirkeln ist die Aufregung groß: Kürzlich entließ Premier Emil Boc seinen Kollegen im Außenamt, Teodor Baconschi, nachdem dieser in seinem Blog die Demonstranten verunglimpft hatte. Zusätzlich bedankte sich der Premier in einer Rede explizit bei den Rumänen für ihre Geduld und ihre Leidensfähigkeit in der Krise, um im Anschluss eine Spitze gegen die Opposition zu setzen: Demnach wehrten sich die Menschen auf den Straßen nicht nur gegen die Sparmaßnahmen, sondern äußerten ihren Unmut über die politische Klasse insgesamt.
Eine elegante Volte, um den Spielraum der Opposition, die Proteste für sich zu nutzen, einzugrenzen. Schließlich wird - voraussichtlich - im November gewählt.
Schreck. Gegenwärtig wird unterdessen in der Hauptstadt auch das Bild der Demonstranten als Investorenschreck gezeichnet. Unternehmen klagen in den lokalen Medien über Auftragsstornierungen und über das schlechte Image, das Rumänien dadurch im Ausland erlange.
Dass das Land für Investoren nicht immer ein leichtes Pflaster darstellt, ist jedoch nicht erst seit Kurzem ein Faktum. Schwierige Finanzierungslage und mangelnde Infrastruktur drücken auf den Projekterfolg. Der rumänische Unternehmerverband sieht - noch - keine negativen Effekte durch die Demonstrationen. Vorgezogene Neuwahlen könnten jedoch die Gefahr der politischen Instabilität vervielfachen.
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