von Thomas Pressberger | 01.02.2012 | 10:22
Beobachtet: Zögern hinterlässt Bremsspuren
Thomas Pressberger. Seit das Unwort "Sparpaket" in aller Munde ist, ist den Konsumenten die Kauflust vergangen.
Mit den Zahlen ist das immer so eine Sache. Der doch deutliche reale Umsatzrückgang im Handel von 1,7 Prozent klingt zunächst nach einer schallenden Ohrfeige für die Branche und die viel gerühmte Insel der Seligen. Umsomehr auch dadurch, dass Österreich in den Jahren zuvor im internationalen Vergleich sehr gut abgeschnitten hat, was 2011 nicht so war. Dass die Krise nun endgültig in Österreich oder im Handel angekommen ist, wäre wohl trotzdem der falsche Schluss, denn die Krise hat mit der Jahresbilanz nicht viel oder nur indirekt zu tun.
Gutes Zeichen. Vielmehr können rückläufige Ausgaben im Einzelhandel als Zeichen für eine hoch entwickelte Volkswirtschaft gewertet werden. Denn je weniger Geld in den Geschäften über den Ladentisch wandert, umso mehr wird in anderen Bereichen wie in Restaurants, in Urlaub, in Freizeit oder Telekommunikation investiert. Die Entwicklung der Kaufkraft ist ja bekanntlich in den vergangenen Jahren leicht über der Inflation gelegen, die Sparquote ist nicht sprunghaft angestiegen, also lässt es sich der Österreicher offenbar nach wie vor gut gehen. Die Umsatzentwicklung im Einzelhandel übers Gesamtjahr betrachtet stellt jedoch der Politik ein schlechtes Zeugnis aus, und diese Zahlen sind unmissverständlich. Die ersten beiden Quartale entwickelten sich ganz im Sinne der Handelsbranche und brachten beachtliche Zuwächse. Seit das Unwort "Sparpaket" in aller Munde ist, ist den Konsumenten die Kauflust vergangen. Im Quartal drei und vier waren die Zahlen im Keller. Das lange Zögern der Regierungsparteien beim Schnüren des Sparpakets macht die Sache noch schlimmer, denn die Ungewissheit ist die größte Bremse für die Kauflaune. Hätten die Konsumenten Gewissheit über die kommenden Einsparungen und Erhöhungen, würde trotz Mehrbelastungen das Geld wieder lockerer sitzen. Im Handel hat das Zögern der Politik somit bereits Bremsspuren hinterlassen.
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