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Dialog-backdrop Die Erfindung der Herren Dow und JonesHerbert Geyer. Wer 1896 den ganzen Dow Jones gekauft hat, hat jetzt nur noch General Electric. vergrößernGrafik
Die Familien, die 1602 beschlossen, ihre Gesellschaften zur Vereenigde Oostindische Compagnie zusammenzulegen, der ersten modernen Aktiengesellschaft, hatten wohl kein Interesse, ihre Besitzanteile zu verkaufen: Sie waren Basis des Reichtums der Familien - und warfen regelmäßig schöne Dividenden ab, von denen die Familien gut leben konnten. Dass dieser Besitz in Aktien aufgesplittet war, hatte vor allem die Bedeutung, Mitsprache und Gewinnverteilung unter den Eigentümern zu regeln. Die Aktionäre dieser „Wagnisgesellschaft" (wir berichteten vor einer Woche an dieser Stelle) dachten nicht ans Verkaufen. Bei den meisten Kernaktionären traditionsreicher Gesellschaften ist das auch heute noch so: Sie halten ihre Aktien, beziehen Dividenden und kaufen höchstens manchmal etwas zu. Der jeweils aktuelle Kurs einer Aktie verliert da an Bedeutung. Wer bei einem Unternehmen in Generationen denkt, legt sein Hauptaugenmerk auf nachhaltige Existenz- und Ertragssicherung, auch wenn man dafür kurzfristig auf Ausschüttungen oder Kursrallys verzichten muss. Anders bei jenen Marktteilnehmern, die ihr Vermögen dadurch zu vermehren versuchen, dass sie Aktien günstig einkaufen und später mit Gewinn verkaufen: Sie bestehen auf Shareholder Value, also hohe Gewinnausschüttungen oder maximale (auch kurzfristige) Gewinn- und damit Kurssteigerungen. Für sie ist die Frage entscheidend, wann eine Aktie günstig und wann sie so teuer ist, dass man sie besser verkaufen sollte. Was ist schon billig? Der Preis der Aktie - der jeweils aktuelle Aktienkurs - gibt darüber ja keine Auskunft: Wenn Raiffeisen bei 20 € notiert und die Erste bei 13,60, dann heißt das ja noch nicht, dass die Erste billiger ist als Raiffeisen. Ganz abgesehen davon, dass eine Erste-Aktie nur eine von 386,7 Millionen ist, während von Raiffeisen nur 195 Millionen Aktien im Umlauf sind, sagt auch der daraus errechenbare Unternehmenswert - knapp vier Milliarden bei Raiffeisen, mehr als fünf bei der Erste - nichts darüber aus, ob die Aktie ein Schnäppchen ist oder nicht. Da letztlich das Erzielen von Gewinnen der Endzweck wirtschaftlichen Handelns ist, liegt es nahe, die Gewinnausschüttung - im Fall von Aktien also deren Dividenden - als Maß zu nehmen: Berechnet man die Dividende in Prozent des Kaufkurses (die Dividendenrendite), dann ergibt sich eine Verhältniszahl, die geeignet ist, zwei Aktien zu vergleichen. Auch aus diesem Grund hat sich als die wichtigste Kennzahl für den Vergleich von Aktien das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) herausgebildet, bei dem der ausgewiesene Gewinn (egal ob ausgeschüttet oder reinvestiert) in Relation zum aktuellen Kurs gesetzt wird. Gerne werden auch - eine Aktie kauft man ja nicht für ihre historische Performance, sondern im Hinblick auf künftige Gewinne - Gewinnschätzungen für das laufende oder das nächste Jahr als Basis für den Vergleich genommen. So lassen sich Aktien räumlich oder zeitlich gut vergleichen - sofern sie einen Gewinn ausweisen, was in unserem Beispiel die Erste zuletzt nicht getan hat. Da müssen also andere Hilfsmittel her - etwa das Verhältnis zwischen Kurs und Buchwert (also dem Grundkapital) des Unternehmens. Dow und Jones waren Journalisten. Ein Bewertungsinstrument ist auch die Performance im Vergleich zu einer Peer Group - zum Beispiel zum Aktienindex der jeweiligen Börse. Solche Indizes wurden eigentlich von Journalisten erfunden, die damit ihren Börseberichten eine klarere Richtung geben wollten, wenn sich die einzelnen Werte unterschiedlich entwickelten. So ist der Dow Jones Index der New Yorker Börse ein Werk der Herren Charles Dow und Edward Jones, der Gründer des Wall Street Journal. Ihr Dow Jones Industrial Average wird seit 1896 an jedem Handelstag berechnet und ergibt die weltweit längste Zeitreihe eines Aktienindex. Vor allem aber signalisiert ein so lange bestehender Index eine Kontinuität, die seine Aktien nicht einlösen können: Von den zwölf Aktien, mit denen der Index 1896 startete, gehört eine einzige - General Electric - auch noch dem heutigen, aus 30 Aktien bestehenden Index an. Alle übrigen sind seither in der Bedeutungslosigkeit versunken und aus dem Index gerutscht, wurden wegfusioniert - oder sind pleite. Bessere Benchmark. Modernere Indizes wie der deutsche DAX oder der österreichische ATX werden übrigens nicht so simpel berechnet wie der reine Durchschnittsindex Dow Jones (in dem daher die Kursbewegungen von Aktien mit einem höheren Stückpreis stärkeren Ausschlag finden als die von billigeren): Da wird nach Aktien oder auch nach Marktkapitalisierung gewichtet, um ein realistischeres Bild wiederzugeben. Der DAX als Performanceindex berücksichtigt zudem auch die ausgeschütteten Dividenden - und entwickelt sich schon allein deswegen systematisch besser als der ATX, der die reine Aktienperformance widerspiegelt. Da nur wenige Aktienkäufer die Absicht haben, ihre Unternehmen für die nächsten 113 Jahre zu halten, ist ein Performancevergleich ihrer Aktie mit dem jeweiligen Index aber jedenfalls eine gute Methode, zu sehen, wie sie sich hält. Außerdem gibt es ja auch noch spezielle Indizes für bestimmte Branchen, die einen noch präziseren Vergleich erlauben. Risikokapital für F&E. Wie wichtig ist eigentlich ein funktionierender Aktienmarkt für die Volkswirtschaft? Das IHS hat diese Frage einmal untersucht und einen nicht allzu kräftigen, aber doch messbaren Zusammenhang festgestellt - vor allem weil ein florierender Aktienmarkt es Unternehmen erleichtert, durch Ausgabe neuer Aktien an frisches Kapital für Investitionen heranzukommen. Und Investitionen sind eine ganz wesentliche Voraussetzung für weiteres Wachstum.
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2 Kommentare
Toller Kommentar!
Vielleicht wäre noch zu bemerken, dass bei nicht börsennotierten AGs meist eine Verantwortungsübernahme der Eigentümer gegenüber dem Unternehmen, damit auch den Mitarbeiter und der Gesellschaft, kommt.
Bei den Zockern an den Börsen, da stellen sich die Zocker (Investoren) dieser Verantwortung überhaupt nicht.
Vielleicht sollte man die Entwicklung und die Vorgänge der Telekom mit der Entwicklung von eigentümergeführten Unternehmen vergleichen. Nicht nur die Kennzahlen, sondern auch die Wirkung auf die gesamte Gesellschaft!
Von Gast: Gast: ET am 16.01.2012 um 10:48
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Re: Unterschiede zwischen staatsdominierten ATX Unternehmen und eigentümergeführten AGs (auch Börse!)
Auch wenn es nicht 100%ig korrekt ist, so kann man doch die Unterschiede an der Entwicklung des Eigenkapitals festmachen. Ausgeblendet bleiben dabei die stillen Vermögenswerte und auch die Dividendenpolitik.
Telekom, Eigenkapitalentwicklung:
2007: 2.565 Mio.
2008: 2.155 Mio.
2009: 1.614 Mio.
2010: 1.477 Mio. (= -42%!)
Palfinger Eigenkapitalentwicklung:
2007: 295 Mio.
2008: 309 Mio.
2009: 291 Mio.
2010: 331 Mio. (= +12%)
Noch ein anderer Vergleich.
Post, Eigenkapitalentwicklung:
2007: 874 Mio.
2008: 741 Mio.
2009: 674 Mio.
2010: 691 Mio. (= -20%)
Rosenbauer Eigenkapitalentwicklung:
2007: 72 Mio.
2008: 92 Mio.
2009: 99 Mio.
2010: 129 Mio. (+79%)
Ich will damit sagen, dass sich die Vermögenden mehr der Verantwortung selber stellen sollten. Parteibonzenmanagement und Showmanagement gehören endlich weg. Das vorhandene Vermögen muss endlich einen Nutzen für die Gesellschaft bekommen, gilt für Staaten, Banken und Unternehmen!
Von Gast: Gast: ET am 16.01.2012 um 11:07
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