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Leitartikel: Die gefährliche Sehnsucht nach dem Ende

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von Hans Weitmayr | 24.01.2012 | 11:25

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Leitartikel: Die gefährliche Sehnsucht nach dem Ende

Hans Weitmayr. Die Reiter der Apokalypse scheinen vor ­Davos ­angekommen zu sein.

WB/Mayr

Endzeitfantasien, das Spiel mit der Dystopie - also dem Gegenentwurf zur Utopie -, all das ist wohl zumindest so alt wie die Schrift selbst. 2012 sind Gedanken an das Ende der Dinge, den - bereits untergegangenen - Maya sei Dank, besonders en vogue: Verlage bringen ganze Magazinreihen heraus, die sich einzig dem Ende der Welt widmen, dieser Tage scheinen die Reiter der Apokalypse sogar kurz vor den Toren Davos' zu stehen.

Das prominenteste Risikoszenario des aktuellen WEF-Risikoreports trägt nämlich den wohlig-gruseligen Titel „Seeds of Dystopia". Darin ist vom möglichen Fall von „einst reichen Ländern" - vulgo Westeuropa - die Rede, die angesichts demografischer Risiken und erdrückender Schulden schlicht in „Rechtlosigkeit und Unruhe" versinken könnten. WEF-Präsident Klaus Schwab spricht von einem „globalen Burn-out-Syndrom". Er meint damit wohl die handelnden Politiker - die Verfasser des Reports könnte er aber gleich mit einbeziehen.

Wunsch und Hoffnung.

Denn die Romantik der Endzeit und die klammheimliche Sehnsucht nach derselben sind tatsächlich ein Zeichen von Erschöpfung. Es schwingt die heimliche Hoffnung mit, dass ein Kahlschlag alles zum Besseren wendet. Ein solcher Wunsch kann sich aber erst dann manifestieren, wenn man zuvor in Wirklichkeit schon einigermaßen aufgegeben hat. Es fehlt die Energie, die Kraft, gegen den Niedergang anzukämpfen, man gibt sich dem Abstieg hin und geht davon aus, dass mit dem radikalen Ende des jeweiligen Systems auch dessen Probleme beseitigt sind.

So weit, so richtig. An sich. Nur leider stellen sich die Probleme für die von einer Endzeit Betroffenen in der Regel schlimmer dar als unmittelbar davor. Denn wenn an einem Ort ein Ende einsetzt, beginnt regelmäßig an anderer Stelle eine neue, eine bessere Zeit. Der Schlüsselgedanke ist: „An anderer Stelle".
Für Europa würde der Niedergang - politisch, wirtschaftlich, kulturell, sozial - keine Katharsis auslösen, an deren Schlusspunkt ein frischer, erstarkter Kontinent steht, sondern ein ausgelaugter, ausgebluteter Flecken Erde, der für Generationen im Schatten anderer, dynamischerer Regionen stehen würde.

Das heißt nicht, dass man Dingen, die falsch laufen, nicht tatsächlich ein Ende setzen soll. Ein solches für Griechenlands Schuldendienst ist nach der Bankenrettung durch die EZB durchaus anzudenken. Man darf nur nicht das gesamte Projekt der EU - und somit wohl auch das des Euro - zu Grabe tragen. Europa hat seine Defekte - ohne Frage. Aber es geht uns allen mit Europa besser als ohne. Dafür lohnt es sich, zu kämpfen. An ihrer Endzeit können andere arbeiten.

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3 Kommentare

Selten so ein Unfug gelesen...

Schon mal daran gedacht, dass "die Romantik der Endzeit" etwas mit Science Fiction zu tun hat? Schließlich lieben auch die verdammt viele Menschen Star Wars und trotzdem wünscht sich keiner einen interstellaren Krieg.

Von Gast: Gast: Thompsen am 25.01.2012 um 09:39

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Re: Sie haben die Aussage, vielleicht wegen der Überzeichnung, nicht verstanden!

Der Wunsch nach Änderungen / Korrekturen ist sehr groß. Es scheint so zu sein, dass diese Änderungen / Korrekturen im bestehenden System nicht möglich sind und einen Neuanfang bedürfen. Nur durch den Wunsch nach einem Neuanfang, also einer Romantik es besser machen zu können, entsteht der Bedarf des Zusammenbruchs.

Der Autor hat auch klar darauf hingewiesen, dass dieser Wunsch mit Schmerzen verbunden sein wird. Der Preis für die Möglichkeit eines Neuanfangs ist sehr hoch.

Von Gast: Gast: ET am 25.01.2012 um 12:28

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Wegen Reformunfähigkeit muss es zur Zerstörung kommen, also noch schlimmer werden!

Wie schlecht es um Europa schon bestellt ist, das zeigte doch die Drohung der Türkei gegen die Grande Nation deutlich auf. Dazu noch die exzessive Geldschöpfung der EZB und die Projekte EFSF und ESM zur Finanzierung des Versagens.

Das Alles so kommen konnte, das ist wohl den Planwirtschaftler in Europa zu verdanken, welche in allen Farben schillern. Geschützte Bereiche wohin man schaut, Förderwahnsinn und Pensionswahnsinn sind dafür genauso ursächlich gewesen wie der kranke Posterl- und Amterlschacher.

Ganz oben steht die EU, welche zu einem korrupten, und beamteten, Umverteilungsmisthaufen degeneriert ist, das passt doch herrlich dazu.

Diese Planwirtschaftler, welche einen ganz komischen Kommunismus in Europa etabliert haben, die sind einfach nicht mehr fähig die richtigen Schritte zu setzen. Und, weil das so ist, so wird es schlimmer werden.

Hoffentlich können die Menschen die Chance beim Neuanfang besser nutzen!

Von Gast: Gast: ET am 24.01.2012 um 15:11

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