
|
Dialog-backdrop Leitartikel: Skifahren - Nur für Exoten, wenn wir zuschauen!Hans Pleininger. Haben Sie noch Ski? Oder lieber schon ihr zweites iPhone? Schladming, Kitzbühel, tralala ... Auch ohne Ski-WM oder Olympische Spiele feiert Österreich seinen Nationalstolz: Unsere (!) Ski-Siege. Dass wir den Skiweltcup seit Jahren nicht mehr gewonnen haben, tut nichts zur Sache. Skifahren ist in unserer DNA, mit dieser Ansage hat schon ein verflossener Kanzler um die Vergabe der Olympischen Winterspiele geworben. Geholfen hat es nichts. Die Spiele sind an Österreich und Salzburg zum wiederholten Mal vorbeigefahren. So weit, so schlecht. In der Welt sind wir, die Skifahrernation, eine Micky-Maus-Nummer. Skifahren ist global eine Exotensportart, die sich gerade einmal intensiver in fünf, sechs Ländern abspielt. Drei Millionen Paar Ski werden im Jahr verkauft - sieben Milliarden Menschen leben auf der Erde. Somit müssen wir uns um die wenigen Schneehungrigen aus dem In- und Ausland kümmern, die nicht nur gern in Österreich Skiurlaub machen wollen, sondern sich das Vergnügen auch leisten können und wollen. Ein paar Tausend € pro Familie für Unterkunft und Skifahren sind da in einer Woche schnell verpulvert. Ist Skifahren zu teuer? Auch wenn die Skigebiete derzeit vor Schnee übergehen und die Gästebetten gut gefüllt sind, lautet die Antwort zweifelsfrei Ja. Für den Moment können sich Touristiker und Skiregionen noch drüberschwindeln. Doch ohne neue nachhaltige Konzepte wird in Zukunft keine Skispitze zu gewinnen sein. Es geht nicht mehr um den Skifahrer von heute, sondern um den Nachwuchs, den Skifahrer von morgen. Ehrlich: Haben Ihre Kinder noch eigene Ski? Oder haben sie lieber schon ihr zweites iPhone im Sack und die neueste Play Station? Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Wer also in jungen Jahren nicht zum Berg gebracht wird, wird als Erwachsener nur schwer die Skiabfahrt wagen. Wenn die Skiurlauber als Kunden ausgehen, dann gute Nacht: Mehr als zehn Milliarden € erwirtschaftet der heimische Wintertourismus laut Österreich Werbung, fast vier Prozent des BIP. 300.000 Jobs hängen am Tourismus. Schöne Siegerbilder unserer Skiasse aus dem verschneiten Schladming und Kitz sind zu wenig, um die Jugend auf die Bretter zu bringen. Warum lässt man nicht alle schulpflichtigen Kinder einfach gratis die Seilbahnen benutzen, wie der Österreichische Skiverband schon einmal angeregt hat? Weil leider jeder auf kurzfristigen Gewinn schaut, anstatt langfristig zu investieren. Dabei, Herr Präsident Schröcksnadel, hindert Sie ja niemand, Vorreiter und Trendsetter zu sein bei Ihren eigenen Seilbahnen am Patscherkofel, in Hinterstoder, am Hochficht und am Ötscher. Nur Mut! Die Wirtschaft dankt es Ihnen.
Kommentare… Kommentar hinzufügen…mehr Kommentare…
|
UmfrageDie Krise in Griechenland schreckt Urlauber ab. Gegenüber dem Vorjahr sind die Buchungen bereits um 30 Prozent zurückgegangen. Würden Sie Ihren Sommerurlaub in Griechenland verbringen?MEINUNG: Meistgelesen
Scheitern wird salonfähigAnke Van Beekhuis: Scheitern ist nicht das Ende, wie Niki Lauda nach seinem... |
2 Kommentare
Ganzjahrestourismus
Es gilt für Österreichs Alpen und ihre Infrastruktur Produkte für den Ganzjahrestourismus zu entwickeln. Innovative Packages mit Wandern im Winter oder Sommer, Langlauf oder Nordic Walking, Mountainbiken, Naturführungen, sanfte Mobilität ettc. - an diese touristischen Angebote müssen Kinder, Jugend und weitere potentielle Zielgruppen herangeführt werden. Nur dann haben österreichische Beherbergungsbetriebe, Seilbahngesellschaften & Co eine langfristige Erfolgschance.
Von Gast: Yvona Asbäck am 31.01.2012 um 12:33
Beleidigend? Anstößig? Kommentar meldenAntworten
Treffende Analyse
Lieber Hans,
du bringst es auf den Punkt - Schifahren ist mittlerweile ein echter Luxus geworden, hier gibt es dringenden Bedarf der Touristiker, wenn man den Mittelstand weiterhin als Kunden haben möchte. Vor allem fehlen echte Alternativen für Gäste, die zwar gerne in den Bergen sind, aber nicht Schifahren o.ä. möchten. Ganz klar ist: Wenn in die Gäste der Zukunft nicht investiert wird, dann werden die sich als Erwachsene anderen Urlauben zuwenden und im Winter eher 2 Wochen nach Ägypten fahren als in die Alpen.
LG aus Graz
Christian
Von Gast: Gast: CT am 30.01.2012 um 10:33
Beleidigend? Anstößig? Kommentar meldenAntworten