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Wirtschaftswunder: Das Comeback des Schwarzen Peters

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von Eva Konzett | 20.02.2012 | 03:34

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Wirtschaftswunder: Das Comeback des Schwarzen Peters

Eva Konzett. Nach dem Zusammenbruch von Bretton Woods muss der Währungsfonds seinen Aufgabenbereich neu strukturieren.

Mayr

Er ist das Liebkind der Globalisierungsgegner, Mitglied der sogenannten Troika, welche die Griechenland-Hilfe koordiniert und eine der großen Unbekannten im System der globalen Wirtschaft: Der Internationale Währungsfonds (IWF). Von den einen als Weltpolizei in Wirtschaftsfragen gelobt, von den anderen als destruktiver Sparmeister gescholten und einst als Hüter eines Währungssystems gegründet, steht der Fonds im Umgang mit den Auswirkungen der internationalen Wirtschaftskrise heute selbst in Europa wieder im Mittelpunkt.

Es ist alles Gold, was glänzt

Am Anfang stand die Goldparität: Ab 1870 einigten sich die Industriestaaten auf einen Goldstandard mit verbindlichem Wechselkurs. Zentralbanken entstanden aus der Notwendigkeit, die Währung zu sichern, indem sie Goldreserven hielten.

Die Goldparität ist letzten Endes aber nur eine von vielen Konstanten, welche die Neuordnung nach dem Ersten Weltkrieg nicht überstehen wird. Staaten verlassen den fixen Wechselkurs und stehen Ländern mit Goldparität gegenüber -erstere aber mit dem Nachteil, dass irgendwie niemand dem Papiergeld vertraut. Einige Regierungen versuchen, mit wettbewerbsbedingter Abwertung gegenüber den konkurrierenden Nachbarn zu punkten oder schränken die Konvertibilität der eigenen Währung ein. Das Verhältnis zwischen Geld und Gut ebenso wie das Verhältnis von einer Währung zur anderen kann unter diesen Bedingungen nicht mehr beschrieben werden. An eine florierende Wirtschaft ist in der Folge mehr zu denken -mit desaströsen Auswirkungen: Zwischen 1929 und 1932 brechen die Warenpreise weltweit um fast die Hälfte ein, der internationale Handel sinkt im selben Zeitraum um 63 Prozent. Ohne funktionierendes Finanzsystem kein Handel, kein Wohlstand, so die Erkenntnis. Internationale Experten brüten auf mehreren internationalen Konferenzen über einer Lösung-einzig die Rückkehr zum Goldstandard ist als Gedankenspiel verboten.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, 1944, wird in der US-amerikanischen Kleinstadt Bretton Woods ein entscheidendes Abkommen unterschrieben: Mit der Gründung des Internationalen Währungsfonds (und seiner Schwesterinstitution, der Weltbank) wird erstmals in der Wirtschaftsgeschichte ein Vertrag in die Obhut einer internationalen Organisation gestellt -der Bretton-Woods-Vertrag. Dem IWF kommt vorerst die Aufgabe zu, die beiden Hauptprinzipien zu überwachen: Zum einen das Prinzip der festen Wechselkurse basierend auf der Golddeckungspflicht des US-Dollars (was die Vormachtstellung der USA zementiert), zum anderen die freie Konvertibilität der Währungen, um jede Beschränkung des internationalen Zahlungsverkehrs auszuschließen.

Mangelerscheinungen

Doch das System Bretton Woods zeigt Mangelerscheinungen. Das Zahlungsbilanzdefizit der dominierenden USA wird in Gold nach Europa abgeführt, die Ausweitung des internationalen Handels und eine steigende Geldnachfrage im öffentlichen und privaten Bereich gestalten die Golddeckung des Dollars immer schwieriger und schließlich schwindet das Vertrauen in die Golddeckungskapazität der USA. Ende der 60er-Jahre führt der IWF in Washington die sogenannten Sonderziehungsrechte als künstliche Reservewährung ein, um die Liquidität zu sichern. Sie sind bis heute die Rechnungseinheiten des Währungsfonds, Bretton Woods allerdings ist seit Präsident Richard Nixon Geschichte. 1971 beläuft sich das US-amerikanische Zahlungsbilanzdefizit auf knapp 30 Milliarden US-$-es hat sich innerhalb eines Jahres verdreifacht. Nixon sieht sich gezwungen, die Golddeckung des Dollars aufzuheben. 1973 schließlich wird das Bretton-Woods-System ganz aufgegeben -die wichtigen Währungen der Welt floaten ab März 1973.

Zur selben Zeit konkretisiert sich in Europa die Idee einer gemeinsamen Währung innerhalb der Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft im sogenannten "Werner-Plan". 1979 wird das Europäische Währungssystem mit der Korbwährung ECU eingerichtet, womit gleichzeitig die Schienen für den späteren Euro gelegt werden.

Neuaufstellung

Der Währungsfonds indes muss seinen Aufgabenbereich nach dem Zusammenbruch von Bretton Woods neu strukturieren. Sein neues Hoheitsgebiet wird die Wirtschaftspolitik der Mitglieder (heute sind es 187 Staaten) insgesamt mit dem Ziel, Ungleichgewichte zu vermeiden. Schließlich beeinflussen Wohl und Wehe der Volkswirtschaften jetzt-im freien Wechselkurs -die Entwicklung der Währungen. Wenn ein Land aus der Balance gerät, kann der IWF Liquidität zur Verfügung stellen, die er selbst aus den Quoten aller Mitglieder bezieht (diese betrugen im Dezember 2011 umgerechnet 367 Milliarden US-$, zudem hält der Fonds 3000 Tonnen Gold und kann für Kredite auf weitere Töpfe zugreifen). Jedes Mitgliedsland zahlt entsprechend seinem Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung eine Quote ein. Diese bestimmt gleichzeitig die Stimmrechte des einzelnen Landes bei Entscheidungen des Fonds. Im Bedarfsfall vergibt der IWF infolge Kredite an seine Mitgliedsländer und fordert im Gegenzug Reformen ein. Diese sollen in der Theorie die Ungleichgewichte, die zu Finanzierungsengpässen geführt haben, abbauen. Der Fortgang der Reformen wird evaluiert, und je nach Resultat werden die einzelnen Kredittranchen ausbezahlt.

Ein Leben nach Strauss-Kahn. Eine Strategie, die der Fonds gegenwärtig auch in Europa anwendet. Dabei kommt ihm laut Experten die Rolle des Durchsetzers oder -überspitzt -die des Schwarzen Peters zu. So würde wohl kein politisches Gremium Sparpläne, wie Griechenland sie gegenwärtig erlebt, überstehen. Neben seiner Unabhängigkeit (obwohl Kritiker den Fonds gerne in die Nähe der USA rücken) empfiehlt sich der IWF durch die hauseigene Expertise sowie die oben genannte Liquidität. Damit macht der Fonds nicht nur aufgrund der Affäre um seinen ehemaligen Chef, Dominique Strauss-Kahn, wieder von sich reden. Durch das Wirken in Athen spielt eine Institution, die im Zuge der Boomjahre des neuen Jahrtausends in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden drohte, heute erneut in der ersten Liga der globalen Wirtschaftspolitik.

 

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1 Kommentar

Der Goldstandard wurde zurecht abgeschafft

Auch Gold hat keinen Wert wenn ihm nicht der Gegenwert von handelbaren Gütern und Leistungen gegenübersteht.

Von Gast: csag8074 am 20.02.2012 um 12:38

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