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Skizzenlieferanten ohne Finanzgespür

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von Kathrin Gulnerits | 25.01.2008 | 08:24

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Skizzenlieferanten ohne Finanzgespür

Wie gut geht es der Architektenbranche tatsächlich? Eine hitzige Diskussion brachte Details zu Auftragsflaute, fehlender Kooperationsbereitschaft, mageren Gagen und falschem Idealismus zutage.

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Wie bitter oder wie süss ist das Architektenleben? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine Diskussionsrunde in der Vorwoche im Architekturzentrum Wien. Den Hintergrund lieferte eine aktuelle Studie zum Thema, die - entgegen der weitläufig verbreiteten Meinung vom rosigen Architektenleben - eher ein tristes Bild der Branche zeichnet. Grundtenor: Die Auftragslage ist flau, die Durststrecken lang, die Gagen mickrig und der eigenen Kreativität sind jede Menge Grenzen gesetzt (das WirtschaftsBlatt berichtete).

Der erste Einwurf aus dem Publikum bringt die Situation vieler auf den Punkt: "Man müsste auch mal das Gehirn von Architekten untersuchen. Da gibt es viel neurotisches Verhalten. Wirtschaftlichkeit wird meistens vergessen", übt ein Architekt Selbstkritik. "Wir tun alles für einen Auftrag. Das spürt der Auftraggeber." Die Folge: Was nichts kostet, ist nichts wert. Sein - nicht ganz ernst gemeinter - Vorschlag: Wer viel zahlt, kriegt ein schönes Haus, wer wenig zahlt, ein schiaches.

Blauäugige Studenten. Walter Stelzhammer, Vorsitzender der Architekten, hat dem nichts hinzuzufügen. "Wir sind Künstler, aber sicher keine Betriebswirte. Das ist unser Blattschuss, hier müssen wir ansetzen." Stelzhammer appelliert vor allem an die Studenten und Absolventen, die nach wie vor in Scharen in den Beruf drängen. Derzeit sind bei der Bundeskammer für Architekten und Ingenieurkonsulenten 3880 Ziviltechniker für Architektur gemeldet. Obendrein drängen jährlich rund 570 Absolventen in den Markt. Im Gepäck haben sie ein Menge Idealismus. Stelzhammer: "Die Ausbildung ist auf Baukünstler mit rotem Porsche konzentriert. Aber sind wir ehrlich: Entwerfen tut in einem kleinen Büro nur der Chef."

Der Rest ist Kleinarbeit, die obendrein nicht gut bezahlt wird. Die Statistik zeigt, das ein Architekt im Durchschnitt mit einer Jahresgage von 18.000 bis 24.000 € nach Hause geht. Trotz geringem Einkommen und hoher Arbeitsbelastung sind zumindest die 220 im Zuge der Studie befragten Architekten dennoch mit ihrer Situation nicht unzufrieden. Utz Purr von der Plattform Architektur und Baukultur wundert das. "Vielleicht halten wir nur einfach mehr aus", vermutet er. "In England sagt die Hälfte der Architekten, dass sie lieber einen anderen Job hätten."

Keine Aufträge. Ein Architekt aus dem Publikum schiebt einen Teil der Schuld der öffentlichen Hand zu. Die geht immer mehr dazu über, die Architekten nur noch als Skizzenlieferant zu engagieren; die Aufträge selbst werden immer kleiner. Sein Sitznachbar gibt ihm recht. "In allen Bereichen ist man bemüht, die Besten zu engagieren. Nur bei den Architekten interessiert die Auftraggeber vor allem, wie viel Nachlass gewährt wird."

Christoph Thun-Hohenstein, Geschäftsführer von departure, vermisst in der Diskussion die inhaltliche Komponente. Seiner Meinung nach wird auch viel Potenzial verschenkt - etwa im Bereich der Innenarchitektur. "Man muss sich überlegen, ob man nicht neue Leistungen anbieten kann. Erst recht, wenn die Branche von umliegenden Berufen in die Zange genommen wird." Er empfiehlt, Trends zu verfolgen, sich Nischen zu suchen und Arbeitsgemeinschaften zu bilden. Doch gerade Letzteres scheuen viele kleine Büros. "Das führt dazu, dass gewisse Aufträge nicht an solche Büros vergeben werden."

Getraud Leimüller, Vorsitzende der Arge creativ wirtschaft, rät, sich besser zu verkaufen: "Die meisten halten sich für Künstler. Sie sollten sich aber stärker als Manager vermarkten und ihre Qualifikationen besser gegenüber potenziellen Auftraggebern herausstreichen." Walter Stelzhammer warnt Absolventen vor zu viel Blauäugigkeit beim Einstieg in den Beruf. "Das ist harte Arbeit. Von 100 Absolventen können maximal fünf bis zehn im harten Konkurrenzkampf ein eigenes Büro führen." Die Gründe dafür kennt Thun-Hohenstein: "Der Medienhype ist nicht begleitet von einem Auftragshype." Aufträge bleiben aus, weil Unternehmen noch kein Bewusstsein für Design haben.

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