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"Heuschrecken" kauften sich 2006 für 660 Milliarden Dollar ein

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27.02.2007 | 14:59

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"Heuschrecken" kauften sich 2006 für 660 Milliarden Dollar ein

So genannte Private Equity Fonds haben im vergangenen Jahr weltweit hunderte Milliarden Dollar in Beteiligungen gesteckt. Der Boom ist ungebrochen und erreicht nun auch den europäischen Mittelstand.

Ungeachtet der lauter werdenden Warnungen von Zentralbanken und wachsender Kritik von Gewerkschaften geben sich die großen Private-Equity-Fonds nach wie vor zuversichtlich für ihr Geschäft. "Unsere Renditen werden in der Region von 20 Prozent und mehr bleiben", sagt Blackstone-Chef Stephen Schwarzman. KKR-Manager Todd Fisher geht davon aus, dass die Banken auch weiterhin in großem Umfang Kredite vergeben werden. "Es ist momentan nichts am Horizont erkennbar, was das ändern könnte", sagte er. Allerdings äußerten sich einzelne Teilnehmer des alljährlichen Branchentreffens "Super Return" auch skeptisch.

Privates Beteiligungskapital schultert mittlerweile milliardenschweren Zukäufe - 2006 wurden alleine 660 Milliarden Dollar (502 Milliarden Euro) investiert.

Zum Großteil werden diese Übernahmen über Kredite finanziert. Dabei profitieren die Fonds von nach wie vor relativ niedrigen Zinsen sowie der Bereitschaft der Banken, fast unbegrenzt Kredite zur Verfügung zu stellen. Erst am Vortag hatten Texas Pacific Group und KKR den Kauf des texanischen Versorgers TXU für fast 45 Milliarden Dollar inklusive Schulden angekündigt. Es ist die größte Private-Equity-Transaktion, die jemals gestemmt wurde.

"Es wird Zyklen geben und wir werden durch schlechte Zeiten gehen", warnte Doughty-Hanson-Chef Nigel Doughty. "Dieses Geschäft kann eine grausame Geliebte sein." Scott Sperling von Thomas H. Lee Partners ergänzte, dank der liquiden Fremdkapitalmärkte seien die Übernahmen immer größer geworden. Zugleich habe sich der Verschuldungsgrad erhöht und die Preise für Firmen seien nach oben geklettert. Zwar reichten die Banken Kredite heute beispielsweise an Hedge-Fonds und andere Investoren weiter, so dass das Risiko breiter gestreut sei. "Aber wenn es zu Brüchen kommt, dann bin ich mir nicht sicher, ob wir wirklich verstehen, wie die Auswirkungen auf den Gesamtmarkt sind", sagte Doughty. Vorsicht sei deshalb nötig.

Die Europäische Zentralbank und die Deutsche Bundesbank hatten zuletzt vor Risiken für das Finanzsystem durch die zunehmende Fremdkapitalfinanzierung bei Private-Equity-Übernahmen gewarnt.

In Österreich kauft sich der kapitalstarke US-Fonds Cerberus gerade für 3,2 Milliarden Euro bei der BAWAG ein. In Deutschland bieten Cerberus und viele andere Finanzinvestoren um die zum Verkauf stehende Landesbank Berlin. Cerberus etwa verwahrt sich immer dagegen, als Hedge Fonds bezeichnet zu werden.

Im deutschen Sparkassenwesen und im wichtigen Maschinen- und Anlagenbau wird das Vordringen privater Beteiligungsgesellschaften (Private Equity) und Hedge-Fonds in den deutschen Mittelstand jedenfalls schon mit Sorge betrachtet. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Heinrich Haasis, sagte am Dienstag auf einem Mittelstandsforum, die Welt der Unternehmensfinanzierungen habe sich gewandelt. "Wir haben neue internationale Player auf dem Markt: Private-Equity-Gesellschaften, Hedge-Fonds." Haasis warnte vor negativen Veränderungen der Unternehmenskultur durch solche internationalen "Finanzjongleure". Auch der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Dieter Brucklacher, äußerte Vorbehalte gegen solche Investoren.

Nach Zahlen des DSGV werden bereits heute rund 5.700 Firmen in Deutschland von Finanzinvestoren dirigiert. Rund 800.000 Arbeitsplätze hingen daran und rund sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

"Immer stärker übernehmen rein auf Kapitalmehrung fixierte Institutionen die Rolle der Unternehmer", so Haasis. Zwar habe es auch positive Seiten, wenn die Unternehmen dadurch Kapital erhielten. Doch seien damit grundlegende Gefahren verbunden: eine immer schärfere Kapitalmarktorientierung und immer höhere kurzfristige Renditeziele. "Wir sind in einer Phase, wo häufig schon die Gier die angemessene Vorsicht besiegt", warnte Haasis. Es gehe weg von dem, was ein "ehrbarer, langfristig ausgerichteter Kaufmann" tun würde.

(APA)

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