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Dialog-backdrop Leitartikel: Molterers Bekenntnis hat zu wenig InhaltDie 140.000 Mitarbeiter der französischen Axa-Versicherung bekamen vor einigen Wochen ungewöhnliche Post von ihrem Arbeitgeber: Ein Gutschein über 50 Aktien des eigenen Unternehmens. Mit der bemerkenswerten Aktion schüttet der Versicherungsriese rund ein Zehntel seines Gewinnes an die Belegschaft aus. Axa ist schon dort, wo Österreichs Regierung noch hin will: zu einer stärkeren Beteiligung der Mitarbeiter an den Erfolgen der Unternehmen. Vizekanzler Wilhelm Molterer und Wirtschaftsminister Martin Bartenstein haben dazu vorgestern einen neuen Vorstoss unternommen - genauer gesagt ein "Vorstösschen". Denn viel Konkretes war nicht zu hören, ausser der Ankündigung Molterers, die Mitarbeiterbeteiligung frühestens 2010 steuerlich zu fördern. Mit der Initiative beweisen die ÖVP-Minister immerhin ein gewisses Sensorium für gesellschaftliche Stimmungen, was in der Volkspartei entgegen ihrem Namen keine Selbstverständlichkeit ist. Denn dass die wirtschaftlichen Erfolge der vergangenen Jahre ziemlich ungleich verteilt worden sind, ist offensichtlich: Lohn- und Gewinnquote driften deutlich auseinander. Warum Österreich dennoch im internationalen Vergleich bei der Mitarbeiterbeteiligung hinterherhinkt, lässt sich am Beispiel der Axa verdeutlichen. Börse- notierte Aktiengesellschaften tun sich leicht, ihrer Belegschaft Aktien zukommen zu lassen. Aber mittelständische Familienbetriebe? Stille Beteiligungen sind kompliziert zu managen, zudem gibt es für sie weder einen tagesaktuellen Wert noch einen Markt, auf dem sie verkauft werden können. Bleibt die Beteiligung am Gewinn. Diese ist eigentlich unkompliziert, setzt aber voraus, dass auch bilanziell ein Gewinn erwirtschaftet wird, was Legionen von Steuerberatern zu vermeiden versuchen. Zudem muss, wer am Gewinn beteiligt ist, Einblick in die Bücher erhalten, was viele Unternehmer scheuen. Daher gehen sie nicht an die Börse, daher haben sie Probleme mit einer echten Mitarbeiterbeteiligung. Dazu kommt, dass die Gewerkschaften bremsen. Sie befürchten, dass erfolgsabhängige Zahlungen in der Tendenz die Kollektivvertragslöhne drücken. Ausserdem: Wer bestreikt schon ein Unternehmen, von dessen Gewinn er direkt profitiert? Eine höhere Identifikation der Belegschaft, mehr Motivation, eine grössere Bindung ans Unternehmen - die Beteiligung der Mitarbeiter bringt der Wirtschaft viele Vorteile. Das weiss auch der Finanz- minister, weshalb man von ihm mehr hätte erwarten können als ein rein verbales Bekenntnis. |
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