Dienstag, 09. Februar 2010 a  
Dialog-backdrop
Artikel versenden

Kartellwächter ermitteln wegen Milch gegen Hofer, Rewe und Spar

Geben Sie hier die E-Mail-Adresse des Empfängers ein (z.B. m.mustermann@wb.com). Mehrere Empfänger werden durch Komma getrennt.

von Anna Neubauer/Esther Mitterstieler | 19.06.2008 | 17:29

A- A A+ Drucken Artikel weiterempfehlen zu den Kommentaren

Kartellwächter ermitteln wegen Milch gegen Hofer, Rewe und Spar

Die Bundes-Wettbewerbsbehörde wird Untersuchungen wegen des Verdachts auf Preisabsprachen bei der Milch gegen mehrere Lebensmittelketten einleiten.

APA

Der Griff ins Milch-Regal ist bei verschiedenen Supermärkten ähnlich teuer. Die Bundeswettbewerbsbehörde ermittelt

Der Milchpreis stößt den Kartellwächtern sauer auf. „Wir ermitteln in Sachen Milch-Preisabsprachen gegen Handel und Molkereien", bestätigt Theodor Thanner, Chef der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB), dem WirtschaftsBlatt. Der Verdachtsmoment: Beim so genannten „Milchgipfel" Anfang Juni sollen Preise ausverhandelt worden sein.

Beteiligte dementieren

Bei diesem Gipfel trafen sich wie berichtet Vertreter der Landwirtschaftskammer, des Handels (Hofer, Rewe und Spar) und der Molkereien, um einen Weg aus dem Milchboykott zu suchen. Die Beteiligten dementierten gestern jegliche Preisabsprache.
Dennoch: Seit etwa einer Woche ermittelt die Bundeswettbewerbsbehörde darüber, „wer sich beim Milchgipfel mit wem getroffen hat, um was zu besprechen", so Thanner. Es handle sich um ein so genanntes „Auskunftsverfahren". Dabei werden Fragen gestellt und Informationen gesammelt, von Online-Berichten wie auch aus Zeitungsartikeln.

Besonders die Arbeiterkammer hat in den vergangenen Wochen immer wieder auf Untersuchung der Preise gepocht. Ernst Halbmayr, Obmann der IG Milch, die rund 6000 der insgesamt 50.000 Bauern vertritt, stellt fest: „Bei den Eigenmarken sind die Milchpreise pro Packerl in den diversen Supermärkten gleich hoch." Trotzdem glaubt die IG Milch nicht an Preisabsprachen, sondern vielmehr an den Wettbewerb. „Senkt ein Supermarkt den Preis, zieht der andere nach", so Halbmayr.

Spar-Sprecherin Nicole Berkmann sagt: „Wir stehen den Ermittlungen gelassen gegenüber, denn wir haben nichts zu verbergen. Preisabsprachen gibt es nicht." Hofer-CEO Armin Burger wollte keinen Kommentar abgeben.

Corinna Tinkler, Sprecherin der Rewe Group Austria mit den Marken Billa, Penny und Merkur, bestätigt: „Es stimmt, es gibt ein Auskunftsverfahren der Behörde. Wir werden selbstverständlich die Fragen beantworten. Die Rewe Group Austria möchte aber betonen, dass die Preise am Markt und nicht bei Gipfeln gemacht werden. Es gibt keine Preisabsprachen, das lässt der Markt gar nicht zu." Auch Johann Költringer vom Verband der österreichischen Milchverarbeiter (VÖM) will von Absprachen nichts wissen.
Die Wettbewerbsbehörde wird auf jeden Fall weiter ermitteln, Thanner wollte sich aber nicht darauf festlegen, bis wann konkrete Ergebnisse vorliegen, unterstreicht aber: „Wir nehmen das Ganze sehr ernst."

Bauern regen sich auf

Zum Hintergrund: Indirekter Auslöser der Diskussion um den Milchpreis war der Aufschrei der Bauern. Ihre Argumentation: Trotz gestiegener Produktionskosten werde der Preis nicht angepasst. Laut eigenen Angaben fahren sie pro Liter einen Verlust von neun Cent ein. Der Handel gebe andererseits die Preissteigerungen nicht an die Lieferanten weiter.
Im Gegenteil: Mit billiger Milch wollen Supermärkte verstärkt Kunden locken. Indirekte Schützenhilfe bekommen die heimischen Bauern vom deutschen Agrarminister Horst Seehofer. Er hat sich gegen die Marktmacht der großen Handelsketten ausgesprochen und fordert ein strengeres Kartellrecht. Darin ist er sich mit dem Wifo einig, das gestern eine Aufwertung der Bundeswettbewerbsbehörde forderte.

Kommentare… Kommentar hinzufügen…

1 Kommentar

Marktmacht bezieht sich auf Lieferanten - nicht auf Konsumenten

Dass die großen drei des LEH eine gewaltige Marktmacht besitzen, die mit jedem Verschwinden einer Handelskette vom Markt (Konsum, Meinl, jetzt Adeg und Zielpunkt) größer wird, ist eine Tatsache. Doch nicht die Konsumenten leiden darunter, sondern die Produzenten. Mit der Drohung einer möglichen Beendigung der Listung lässt sich gewaltiger Druck ausüben. Denn ohne REWE, Spar und Hofer bleibt einem guten Teil der Lebensmittelerzeuger nur die Möglichkeit des Zusperrens.

Von Gast: Gast: BMK am 20.06.2008 um 08:47

Beleidigend? Anstößig? Kommentar meldenAntworten

mehr Branchen…

mehr Fotogalerien>

Fotogalerien 

  • Bilderbox
    BrandIndex Banken

    Die Details

    WB/Grafik
    Banken Image

    6 Banken im Vergleich

  • Colourbox
    KMU-Studie Ist

    Investitionen lassen hoffen

    Colourbox
    KMU-Erwartungen

    So schaut die Zukunft aus

mehr Fotogalerien>

Fotogalerien 

  • Mega-Shopping

    Österreichs größte Shopping-Center

    Einkaufen

    Wem Österreichs Konsumenten...

  • BEIG
    Teuer

    Die wertvollsten Marken Österreichs

    Bilderbox
    Lohn-Vergleich

    71 Städte im Vergleich: Wo die...

Dossiers auf Wirtschaftsblatt.at

>Europameister

Wo Österreichs Unternehmen in Europa führend sind