von Evelyn Holley-Spieß | 09.09.2009 | 17:14
Lebensmittelhandel hat Einstieg in Nachbarmärkte verschlafen
Die Big Player der heimischen Lebensmittelbranche, Rewe und Spar, setzen zunehmend auf das Auslandsgeschäft. Die Top-Positionen sind dort aber in festen Händen.
Die Top-Lebensmittelhändler in den Ost-Nachbarländern
Spar hat im vergangenen Jahr 47 Prozent seines Lebensmittelumsatzes im Ausland erwirtschaftet. 2010 will man die 50 Prozent-Marke durchbrechen. Den Fokus hat Spar-Chef Gerhard Drexel dabei stets auf den südosteuropäischen Gürtel rund um Österreich gelegt. Der deutsche Handelriese Rewe lässt sein Osteuropageschäft ebenfalls über die Österreich-Tochter steuern. Und auch hier sieht man sich auf Erfolgskurs. 2008 stieg der Umsatz um 15,6 Prozent auf 2,31 Milliarden €.
Doch allen Jubelmeldungen zum Trotz: Geht es um die Top-Platzierungen jenseits der Grenzen, spielen die heimischen Player defakto keine Rolle, wie eine aktuelle Marktanalyse des Consulters RegioPlan zeigt.
In den osteuropäischen Nachbarländern „sind große Handelskonzerne mit ihren Hypermärkten einfach vorn", sagt Michael Oberweger. „Tesco, Kaufland und Real haben beispielsweise Tschechien und Ungarn deutlich früher beackert", spricht er die Vormachtstellung der Briten und Deutschen an. Diese seien bereits Mitte der 90er Jahre groß eingestiegen.
Möglicherweise war den heimischen Händlern die damalige Expansionswelle „eine Nummer zu groß. Zumal sie mit einem extremen Verdrängungswettbewerb bei den ganz großen Flächen verbunden war", blickt Oberweger zurück.
Die Ausnahme zur Regel liefert bei der jüngsten Studie Spar/Interspar, die es nach Gesamtumsätzen gerankt in Slowenien auf Rang zwei schafft. Oberweger: „Spar spielt dort schon eine Rolle." Diese Entwicklung zeichne sich auch in Kroatien und Serbien ab.
Auslands-Engagement
Diese Märkte sind es, die neben Rumänien, Bulgarien und der Ukraine das Auslandsgeschäft in Zukunft prägen werden, ist der Experte überzeugt. Zumal Rewe wie Spar in Österreich an Grenzen stoßen. Denkbar sind bei der Erschließung oder dem verstärkten Engagement in diesen Ländern mehrere Varianten. Zum einen gebe es etwa in der Ukraine oder Rumänien bevölkerungsarme Regionen, wo das Format der Hypermärkte nicht passt. „Da gehören Supermärkte hin", sagt Oberweger. Zum anderen hält er Kooperationen für sinnvoll.
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