von Erich Pöltner | 07.02.2010 | 16:28
Zaghafte Erholung am Alu-Markt
CFO Karin Exner-Wöhrer von der Salzburger Aluminium AG macht die jüngsten Preissteigerungen an Spekulationen fest. Nachfragegetrieben soll es erst ab 2011 aufwärts gehen.
Karin Exner-Wöhrer sieht eine Konsolidierungswelle auf die Mittelständler am Aluminiummarkt zurollen
WirtschaftsBlatt: Aluminium hat sich zwischen Oktober und Anfang Jänner um über 25 Prozent verteuert - ein Hinweis für eine steigende Nachfrage?
Karin Exner-Wöhrer: Man sagt zwar, dass Rohstoffe, und hier vor allem weiterverarbeitete Rohstoffprodukte wie gerollte und gewalzte Metalle, Vorboten für eine Konjunkturerholung wären. Ich glaube aber nicht, dass im Falle von Aluminium der Preisanstieg der letzten Monate mit einer ansteigenden Nachfrage zu erklären ist. Vielmehr ist das auf diverse Finanzierungsgeschäfte zurückzuführen.
Ist das Zwischentief im Jänner charttechnisch zu erklären?
Mit Blick auf den Dollarchart sieht es auf den ersten Blick so aus, als ob der Preis auf die untere Linie zurückgefallen ist. Nimmt man allerdings den Euro-Chart ins Visier, zeigt sich, dass sich aufgrund der Schwankung im Euro-Dollar-Verhältnis gar nicht so viel getan hat.
Wer steckt hinter den erwähnten Finanzierungsgeschäften?
Hierbei geht es um Millionen-Tonnen-Positionen, die von einigen wenigen einflussreichen Playern gehalten werden. Hierzu zählt sicherlich die Glencore, aber auch verschiedene russische Hersteller sind daran beteiligt.
Ist das preisgestaltende Moment von Angebot und Nachfrage dadurch ausgehebelt?
Ich gebe nicht mehr sehr viel auf Lagerstandsbewertungen und den darauf folgenden Rückschluss auf Angebot und Nachfrage.
Inwieweit hat Ihr Unternehmen von Konjunkturmaßnahmen wie der Schrottprämie profitiert?
Wir sind davon nur am Rande betroffen gewesen, weil wir das Segment Kleinwagen nicht beliefern. Obwohl wir diese Entwicklung mit Wohlwollen verfolgt haben, bin ich der Meinung, dass der positive Effekt schlussendlich nichts anderes war als ein Vorzieheffekt. Dieser hat die Verkaufszahlen zwar geglättet und einen tiefen Fall verhindert, dafür wird die Nachfrage heuer und im nächsten Jahr entsprechend niedriger ausfallen. Jetzt geht es darum, die Nachfrage generell zu beleben, um den Absatz hoch zu halten.
Welche Rolle messen Sie den Emerging Markets am Aluminiummarkt zu?
Von dort wird künftig das Wachstum kommen.
Sind die genannten Märkte auch für die SAG ein Thema?
Auf jeden Fall. Wir haben ja bereits kurz vor der Krise einen Standort in Mexiko übernommen.
China heizt aber nicht nur die Nachfrage an, sondern verschärft auch die Konkurrenz auf den Rohstoffmärkten, ist diese bereits spürbar?
Wir haben das vor einiger Zeit am Markt für Aluminiumschrott erlebt, wo das Material großteils nach China abgezogen wurde. Das hatte zur Folge, dass der Schrottmarkt hierzulande richtiggehend ausgetrocknet wurde. Es würde mich nicht überraschen, würde sich die Situation wiederholen.
Gab es im Zuge der Wirtschaftskrise einen verstärkten Trend zur Konsolidierung in Ihrer Branche?
Bei den ganz großen Unternehmen hat die Konsolidierung, unabhängig von der Krise, schon vorher stattgefunden - Stichwort Rio Tinto. Im mittelständischen Bereich hat diese begonnen, hier steht der Höhepunkt aber noch bevor. Denn einige Unternehmen konnten sich gerade eben über die Krise retten, was diese nun zu Übernahmekandidaten gemacht hat.
Erwarten Sie für 2010 eine Belebung des Marktes?
Wir gehen von einem unverändert schwachen Jahr 2010 aus, da die positiven Veränderungen noch auf sich warten lassen werden. Im Bereich Nutzfahrzeuge etwa gehen wir von einer Bodenbildung auf niedrigem Niveau aus, vielleicht mit einem ganz leichten Wachstum.
Wie wird sich das auf die Aluminiumpreise auswirken?
Ab der zweiten Jahreshälfte 2011 rechnen wir mit der Erholung des Marktes, nicht zuletzt aufgrund des Wachstums in den Emerging Markets. Da Rohstoffe auf eine konjunkturelle Erholung in der Regel bereits zwei bis drei Quartale vorher reagieren, würde es mich nicht verwundern, sollten die Preise nach dem Sommer wieder steigen.
Das Interview führte Erich Pöltner
Kommentare… Kommentar hinzufügen…