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Dialog-backdrop Das große Zocken: Droht die nächste .com-Blase?Russia.com brachte 1,5 Millionen Dollar, America.com blieb ein Ladenhüter. Mit prestigeträchtigen Domainnamen lässt sich hervorragend spekulieren. Doch wie lange noch? Links zum ThemaLinks zum ThemaFactsSedoDas deutsche Unternehmen, das auch über Büros in London und den USA verfügt ist mit einem Jahresumsatz von rund 75 Millionen € (inkl. Domain Parking-Umsätzen)- laut Eigenangaben - die weltweit größte Domainhandelsplattform. 2009 wurden Domainnamen im Wert von 54,75 Millionen € über die Sedo-Plattform gehandelt. Sedo gehört zu Adlink, einem Online-Werbevermarkter, der wiederum dem börsenotierten deutschen Unternehmen United Internet gehört.
In den Schlagzeilen landen nur die teuren Deals: Sex.com: 12,5 Millionen Dollar, IRS.com: 12,5 Millionen, Fund.com: 9,9 Millionen, Porn.Com 9,5 Millionen Dollar, Diamond.com 7,5 Millionen, usw. Ob die Zahlen stimmen lässt sich in den seltensten Fällen überprüfen, denn meist wechseln solche .coms direkt zwischen den Besitzern hin und her. Und diese sind nicht wirklich darauf aus, dass die tatsächlichen Kaufsummen an die Öffentlichkeit gelangen. Kein Wunder: Der Handel mit Domains lebt von solchen Mythen, die den möglichen Preis für eine sogenannte Top Level Domain (TLD) in die Höhe treiben sollen. Die "Gläubigen der Generation 2.0", die nach dem Platzen der .com-Blase an den Börsen noch immer an das schnelle, und vor allem große Geld im Internet glauben, wollen schliesslich bei der Stange gehalten werden. Der Domainhandel boomt - boomt er wirklich? Die - etwa von der deutschen Domainhandelsplattform Sedo - veröffentlichten Verkaufspreise sind da schon weit ernüchternder. Der bislang teuerste über den sogenannten Sekundärmarkt bei Sedo abgewickelte Domainwechsel ist Vodka.com mit einem Verkaufspreis von 3 Millionen Dollar. Es war im Jahr 2006, als sich ein russischer Vodka-Exporteur die prestigeträchtige Domain angelte um seinen Export nach Amerika anzukurbeln. Der zweitteuerste über Sedo abgewickelte Deal fand im Vorjahr statt. Fly.com brachte seinem alten Besitzer 1,6 Millionen Dollar. Auf der Website von Fly.com läuft mittlerweile ein Programm mit dessen Hilfe der User bzw. die Userinnen Preisvergleiche zwischen einzelnen Flugreisenanbietern anstellen können und bei einer eventuellen Buchung direkt auf die Seite des Anbieters verlinkt werden. Anzeigenfriedhof Ganz anders die Situation auf der dritteuersten - via Sedo gehandelten - Seite. Russia.com, eine Domain die 2009 um stolze 1,5 Millionen Dollar den Besitzer wechselte, entpuppt sich bei einem Besuch als Anzeigenfriedhof. Von Russischkurs-Angeboten, über Reisen durch Russland bis zu Vermittlung von Frauen aus Russland reicht das Angebot, dass der oder die Userin wohl eher nicht gesucht hat. Domain Parking nennt man das im Fachjargon. Clickt ein User auf eine der Anzeigen klingelt's in der Kasse des Domainbesitzers. Allein das ein User klickt ist nicht sicher, denn die Seite gehört nicht unbedingt zu den attraktivsten Webpages die man sich vorstellen kann. Es wird also eine ganze Zeit dauern bis sich die 1,5 Millionen Dollar wieder einspielen. Doch das dürfte gar nicht das Ziel sein. In Wahrheit geht es wohl eher darum die Seite solange zu halten bis sich jemand anders findet der wieder ein wenig mehr für die Domain zahlt. Der Ladenhüter Ähnliches gilt auch für America.com. Eine Website die sich zuletzt als Ladenhüter erwiesen hat. Im Mai 2008 sollte die Website zu einem Mindestpreis von einer Million Dollar versteigert werden. Die Schweizer Firma Internet Media Consultants (IMC), mit dem Verkauf beauftragt, kündigte in einer Aussendung vollmundig an, dass "zahlreiche Unternehmen und Investoren aus der ganzen Welt bereits großes Interesse bekundet hätten". Und weiter: "Laut den Einschätzungen mehrerer internationaler Experten aus der Branche beläuft sich der Wert der Domain auf 3,5 bis 7,3 Millionen US-Dollar. Bei einem festgesetzten Mindestpreis von über 1.000.000 US-Dollar dürften den Erwartungen zufolge zahlreiche vorangegangene Verkaufsrekorde gebrochen werden. Branchenanalysten bezeichneten diesen hochrangigen Domain-Namen Viel dürfte daraus nicht geworden sein, denn America.com landete so wie Russia.com im Domain Parking System der US-Firma GoDaddy.com. Irgendwann wird schon irgendwer zugreifen, oder?
Ob sich allerdings der für America.com angepeilte Preis erzielen lässt steht in den Sternen. Die Preise für .com-Adressen sind jedenfalls nach einem Hype im Jahr 2007, als der Durchschnittspreis bei 3417 € lag wieder zurückgekommen. 2009 zahlte man im Schnitt lediglich 1849 €, zwei Euro mehr als im Jahr 2004 zu Beginn der Sedo-Aufzeichnungen. Für die deutsche Domainhandelsplattform ist die Verkaufsvermittlung in jedem Fall ein Geschäft. Lag die Summe der über Sedo abgewickelten Verkäufe im Jahr 2004 bei 7,59 Millionen €, so stieg sie bis 2009 auf 54,75 Millionen. Ein gutes Geschäft für die Deutschen, die bei jedem Verkauf an die 10 % mitverdienen. Ob der Domainhandel auch für die Domainhorter und -händler, wie sich jene bezeichen die sich gleich mehrere tausend Adressen gesichert haben, auch ein gutes Geschäft ist sei dahingestellt. Denn das der Handel mit Domains boomt, wie es kürzlich auf einer Pressekonferenz hieß, lässt sich angesichts des fallenden Durchschnittspreises - der noch dazu von einigen Top-Verkäufen extrem verzerrt wird - nur schwer nachvollziehen. Auch die Zahl der im Jahr 2009 abgewickelten Geschäft spricht eher dagegen. Laut Presseunterlagen warten in der Sedo-Datenbank 15 Millionen Domains auf einen Käufer. 2009 wechselten 38.727 Domains den Besitzer. In Prozent ausgedrückt waren es 0,258 Proezent der verfügbaren Ware, die an den Mann gebracht wurden. Ein Lagerumschlag, der bei einem realen Unternehmen nur schwer denkbar wäre. Doch wie heißt es so schön: Das Internet ist virtuell.
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