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Dialog-backdrop Gans ein guter HirteSiegfried Marth sieht zwar aus wie Jesus, doch zu Martini kennt der Züchter von Weidegänsen kein Erbarmen -zumindest fast keines. FactsZur PersonDer Hirte. Siegfried Marth betreibt im burgenländischen Ort Strem den "Masihof". In diesem Jahr hat er 500 Gänse großgezogen, die aber alle bereits verkauft sind. Er ist der südburgenländische Obmann der Interessengemeinschaft "Weidegans". Sein weißes Gewand und sein Strohhut entwickelten sich zu seinem Markenzeichen.
ZitiertSiegfried Marth, Züchter von WeidegänsenDie Ganz "Masi" hat gewußt, wie man sich als Fernsehstar das Leben rettet. Wenn man die Geschichte vom heiligen Martin im Schnelldurchlauf erzählt, klingt das ungefähr so: Einen römischen Soldaten aus Ungarn plagen Gewissensbisse. Er hängt den Beruf an den Nagel, zieht nach Frankreich und wird Mönch. Dort will man ihn zum Bischof machen, aber er sträubt sich. Er versteckt sich vor der Meute im Gänsestall, doch die Viecher verpetzen ihn und seine Fans kühren ihn zum Oberhirten von Tours. Am 8.11.397 stirbt er. Am 11.11.397 wird er unter großem Tamtam beerdigt. Später wird er heiliggesprochen und muss den Burgenländern fortan als Landespatron dienen. Jedes Jahr am 11.11. geht es den Nachkommen der "Verräter" an den Kragen. Heute ist es wieder einmal soweit. Killen und Grillen. Siegfried Marth ist heute so etwas Ähnliches wie der Oberhirte von Strem, einem kleinen Ort im Südburgenland, in dem der regionale Obmann der Interessengemeinschaft "Weidegans" heuer 500 Gänse großgezogen hat. Bis auf drei Tiere sind am heutigen Tag bereits alle in einer besseren Welt. Bereits bei unserem Gespräch vor einer Woche waren alle Tiere vergeben und mehr als die Hälfte geschlachtet. Los geht das Geschäft am Nationalfeiertag (26.10.), eine Woche nach Martini ist alles vorbei. "Ich bin in einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen, da sind Hausschlachtungen ganz normal. So normal, wie wenn man in den Garten geht und Tomaten pflückt", entgegnet er auf die Frage, ob ihm die Sache nicht nahegeht. Ins Jenseits befördert werden die Gänse mit der sogenannten "Holzhammer-Methode": Zur Betäubung bekommt die Gans mit einem Holzscheit einen Schlag auf den Hinterkopf, danach wird sie in den Schlacht-Trichter gesteckt, um nach einem gekonnten Messerschnitt auszubluten. Begonnen hatte die Sache mit den Gänsen im Jahr 2002, als Marth den Hof auf Bio umgestellt hat und plötzlich viele Grünfutterflächen vorhanden waren. Damals wurde das Projekt "Weidegans" gestartet, an dem sich österreichweit engagierte Gänsehalter beteiligen, um die Tiere nach strengen Richtlinien aufzuziehen. "Ich bin da irgendwie hineingeschlittert und das Ganze bis heute nicht losgeworden", sagt er. Doch nicht jeder hatte so viel Ausdauer wie er. Einige Mitglieder haben im Laufe der Jahre der Vereinigung wieder den Rücken gekehrt, weil ihnen die Vorschriften zu müßig waren. "Die haben gesagt, wir haben auch so unsere Kunden und machen das so, wie wir es immer gemacht haben", erzählt Marth. Fußball-Gansschaft. Er selbst ist über die Jahre konsequent geblieben und stellt jeder einzelnen Gans im Laufe ihres Lebens 100 m² Weide zur Verfügung. Diese wird aber gekoppelt, das heißt, die Gänse bekommen regelmäßig neue Weideflächen, während die abgeweidete Fläche weggezäunt wird, damit sich die Grasnarbe wieder erholen kann. 100 Gänse dürfen während ihres 20-wöchigen Aufenthalts im Freien also ungefähr die Fläche eines Fußballfeldes abgrasen. Bevor die Tiere auf die Weide dürfen, verbringen sie, je nach Witterung, rund sechs Wochen im Stall. Eine Zeit, die Marth als die schwierigste bezeichnet. Vor allem in den ersten zwei bis drei Wochen müssen die Akteure vom "Masihof" rund drei-bis fünfmal am Tag in den Stall, um nach dem Rechten zu sehen, ob es den Gänsen nicht zu heiß oder zu kalt ist. "Wenn man in der Zeit nicht dahinter ist, kann man das Gänsejahr vergessen", sagt Marth, der den Hof in Betriebskooperation mit seiner Schwester führt. Vollautomatisch klimatisierte Stallungen wie Großbetriebe haben sie keine. Ein Küken um 5,50 €. "Derzeit sind die Weidegänse noch ein größeres Hobby", antwortet Marth auf die Frage, was denn der Betrieb so abwerfe. Im Moment liegt der Schwerpunkt noch auf Ackerbau und Schweine-Zucht. Der Einkaufspreis pro Küken mutet für den Zuhöhrer mit 5,20 bis 5,50 € je Stück recht stolz an. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Gössel nur einen Tag alt sind, wenn sie von der steirischen Brüterei angeliefert werden. Die Frage nach dem Verkaufspreis für die Gänse quittiert er mit einem Lächeln und schweigt. Er kann sich das sich leisten. In diesem Jahr ist das Geschäft ohnehin schon gelaufen, denn pro Jahr wird nur eine Generation großgezogen: "Gänse sind ein saisonales Produkt, die lassen sich nicht wie Hühner zwingen, ganzjährig Eier zu legen." Heuer waren die Gänse schnell weg. Fünf Gastwirte, die nicht vorbestellt hatten, mussten mit ihren Gänse-Wünschen abgewiesen werden. Eine Firma wollte gar 2000 Stück auf einmal haben. Seit heuer läuft auch eine Kooperation mit dem Wiener Pastetenhersteller Hink. Die Geschäfte sind aber nicht immer so gut gelaufen. Im Vogelgrippejahr 2005 waren Gänse schlagartig unverkäuflich. "Damals habe ich jeden Donnerstag Gans gegessen-und zwar in allen Variationen." Binnen eines Jahres haben er und seine Frau 25 Stück verputzt. Fernsehstar "Masi". Der Appetit auf Gänse ist Marth bis heute nicht vergangen. Ein Rezept hat er aber auch keines parat: "Ich kann nicht kochen, nur essen", sagt er. Dafür aber seine Frau. Die probiert jedes Rezept aus, das sie in die Hände bekommt. Insgesamt hat sie ihm 30 bis 50 Varianten aufgetischt. Es gibt aber drei Gänse am Hof, die seine Frau niemals in den Ofen schieben wird. Mit ihnen hat Marth eine Art Wettrennen gestartet, wer länger lebt. Gänse können nämlich angeblich so lange leben wie ein Mensch. "Fünf waren es, zwei habe ich schon überlebt", sagt er und erzählt die Vorgeschichte. Begonnen hatte alles mit der Gans Masi, zu der er einst eine emotionale Bindung aufgebaut hatte. Es war die Zeit, als dem meist mit Strohhut und weißem Gewand bekleideten Mann das extrem kluge und zutrauliche Tier vor laufenden Fernsehkamers in die Arme gelaufen kam und zum Star mutierte. "So ein Tier darf man einfach nicht schlachten", dachte sich Marth und markierte es mit einem Fußring. Weil eine Gans ein Gesellschaftstier ist, wurden vier weitere Artgenossen begnadigt. Doch "Masi" und eine weitere Gans haben die Wette mit ihrem Hirten verloren. Eines Tages war sie einfach tot. Womöglich hat sie eine Schraube oder einen Nagel verschluckt. mehr Branchen…
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