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Kältewelle: Wem es warm ums Herz wird

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von Thomas Pressberger, Petra Spescha | 07.02.2012 | 17:26

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Kältewelle: Wem es warm ums Herz wird

Die eisigen Temperaturen laden nicht unbedingt zum Shoppen ein. Einige Branchen profitieren dennoch. Vor allem bei Reparaturdiensten aller Art klingeln die Kassen.

dpa

Der anhaltende Frost der vergangenen Tage bringt einigen Branchen viel Arbeit

Die Pannendienste des ÖAMTC und des ARBÖ sind ob der klirrenden Kälte derzeit im Großeinsatz. „In Wien fahren wir täglich durchschnittlich 500 Einsätze. In den vergangenen Tagen waren es zwischen 1400 und 1700. Die Pannen haben sich also mehr als verdreifacht“, sagt Gerhard Samek, Leiter der ÖAMTC-Pannenhilfe. Am häufigsten müssen Batterien gewechselt werden: „Da hat sich der Umsatz schlagartig verbessert. In den vergangenen sechs Tagen haben wir mehr Batterien verkauft als im gesamten Jänner.“ Auch bei den Mitgliedschaften läuft das Geschäft. Wer sich vom ÖAMTC aus der Patsche helfen lässt und noch nicht beim Club ist, wird direkt angeworben. Das kostet zusätzlich 111,20 €. Samek rechnet durch die Kältewelle mit 1000 bis 1500 zusätzlichen Neubeitritten.

Thomas Woitsch, Sprecher des Autofahrerclubs ARBÖ, bestätigt: „Der Winter ist für die Autofahrerclubs ein lukratives Geschäft.“ Die Pannenhilfseinsätze hätten sich in den vergangenen Tagen  verfünffacht. Häufig frieren Dieselfahrzeuge ein. Dann helfen sogenannte Additive, die dem Diesel beigemengt werden. Das Geschäft mit dem Zusatz brummt, sagt Woitsch: „Teilweise hat es sogar schon Engpässe gegeben.“

Unter Druck

Auch die Installateure arbeiten in Zeiten wie diesen unter Hochdruck. „Die Heizungen streiken. Die Leute lassen sie nie warten und im Ernstfall steht dann alles“, sagt Innungsmeister Michael Mattes. Meist geht es um kaputte Zündungen, Luft in der Heizung oder defekte Pumpen.

Die bei den Versicherungsgesellschaften bisher gemeldeten Schäden betreffen vor allem eingefrorene und geplatzte Leitungen und ausgefallene Heizungen in Altbauten im Stadtgebiet. „Erfahrungsgemäß langen Schadensmeldungen erst nach und nach ein, viele Wochenendhausbesitzer bemerken Frostschäden sogar erst zu Beginn der warmen Jahreszeit und melden sie dann der Versicherung“, sagt Natascha A. Janezic, Sprecherin der Wiener Städtischen Versicherung. Bei Tauwetter seien Schäden durch Schneedruck und Dachlawinen zu erwarten. Im Kfz-Bereich gebe es bislang keine Auffälligkeiten.

Tatsächlich machen die Kfz-Werkstätten durch die Kältewelle kaum zusätzliches Geschäft. „Der Hauptteil der Kunden muss auf Winterreifen wechseln oder braucht neue Batterien“, sagt Profi Reifen-Chef Karl-Heinz Wörle.

Heißes Bad

Von der Kältewelle profitiert auch der Tourismus. „Gewinner sind vor allem einige Thermenhotels, die kurzfristig und unerwartet bis zu sieben Prozent höhere Nächtigungszahlen realisieren, weil es Skifahrern im letzten Augenblick dann doch zu kalt war“, sagt Wellness-Experte und Relax Guide-Herausgeber Christian Werner.

Besonders nachgefragt werden dann Hotels mit warmen Außenpools. Gerade diese können höhere Umsätze gebrauchen, kostet doch die Heizung eines einzigen solchen Beckens bis zu 1500 € pro Tag zusätzlich.

Die Seilbahnbetreiber behalten einen kühlen Kopf: „Temperaturen deutlich unter Null sind nicht abnormal. Wichtiger ist, dass es Sonnenschein und nicht Nebel und Wind gibt“, sagt Erik Wolf, Geschäftsführer des Fachverbands der Seilbahnen.

Versalzen

Den Salinen hat die Kälte die Suppe ordentlich versalzen. „In einem guten Monat setzen wir 150.000 Tonnen Salz ab. Im Dezember waren es nur 50.000 Tonnen, im Jänner 70.000 und auch der Februar hat wegen der trockenen Kälte schwach begonnen“, sagt Stefan Maix, Vorstandschef der Salinen Austria.

Ähnlich geht es den heimischen ­Gasversorgern. Die EVN verkauft im Februar zwar um rund 25 Prozent mehr Gas, kann dadurch aber kaum den schwachen Herbst ausgleichen: „Insgesamt ist der Verbrauch noch geringer als im Vorjahr“, sagt EVN-Sprecher Michael Kovarik.

Der Einzelhandel hat Glück: Die Kältewelle fällt fast punktgenau auf die Semesterferien, in denen die meisten Konsumenten ohnehin auf Urlaub sind. Zu den Gewinnern zählen jetzt Textil-, Schuh- und Sportartikelhändler, die im Weihnachtsgeschäft ob der warmen Temperaturen durch die Finger geschaut haben. Zurück gehen in diesen Tagen die Spontankäufe. Spuren in den Bilanzen hinterlässt eine zweiwöchige Kältewelle laut Roman Seeliger, stellvertretender Geschäftsführer der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer, aber nicht.

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