Gratisprogramme für 100 €, Autokäufe mit ungedeckten Schecks und sichtbare, aber doch gut versteckte Hinweise auf die Kosten einer Anmeldung: Abzocker im Internet werden nicht nur dreister, sondern auch immer professioneller. Die Zahl der Fälle steigt ständig.
E-Mails die mit hohen Gewinnsummen locken, geistern seit Jahren durch das Internet. Meist handelt es sich dabei um Benachrichtigungen über Geld oder Sachwertgewinne, die den User dann auffordern seine persönlichen Daten für die Überweisung des Gewinns bekanntzugeben und/oder eine Gebühr zu entrichten um den Preis in Empfang nehmen zu können. Teils sind derartige Mails mit Übersetzungsprogrammen in holpriges Deutsch übersetzt und daher eigentlich leicht zu entlarven. Leider fallen immer noch viele Menschen auf diese Betrügereien herein.
Eine andere Form der Abzocker E-Mails sind jene, die mit einer todsicheren Geschäftsidee locken, wo viel Geld für praktisch keinen Aufwand zu verdienen sei und den User auffordern, sich doch daran zu beteiligen. Egal auf welche Masche man nun hereinfallt der Effekt bleibt immer derselbe: Man ist sein Geld im Nachhinein los.
Ihre Maschen sind seit Jahren dieselben, dennoch kassieren Betrüger im Internet mehr ab denn je. "Allein wir haben 8000 Abzockerfälle pro Jahr. Tendenz stark steigend", sagt Franz Haslinger vom österreichischen Internet Ombudsmann. Seien es nun die ominösen "Sie haben gewonnen"-Emails (siehe Factbox) oder Downloadportale, die mit vermeintlich kostenfreien Programmen locken, die Zahl der Geschädigten wächst weiter an. Die Kosten für den User liegen pro Fall zwischen 60 und 130 €. "40 bis 50 Prozent der User, die sich bei uns gemeldet haben, bezahlten die Betrüger", so Haslinger.
Die Tricks der Abzocker mögen zwar dieselben sein, auf der faulen Haut liegen die Täter aber nicht. Denn sie operieren längst nicht mehr so geheim und undurchsichtig wie früher. "Viele gefährliche Portale geben schon relativ sichtbar auf der Website an, was ihr "Service" kostet, haben aber trotzdem Erfolg damit", so Haslinger. Sie könnten sich das leisten, da die User auch so auf ihre Tricks hereinfallen. "Die Leute nehmen diesen Teil auf der Homepage gar nicht wahr", meint Haslinger. Der Grund: Die unseriösen Internetfirmen würden eigene Studien mit Testpersonen durchführen, um herauszufinden, wo ein User auf einer Website am wenigsten hinsieht. Genau dort würde dann Infos über Kosten publiziert.
Während das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) und die Finanzaufsicht BaFin derzeit gegen Geldwäscher im Internet kämpfen, die die Bankkonten von unwissenden Online-Shoppern für ihre Zwecke benutzen (siehe Link), ist in Österreich laut Haslinger eine abgewandelte Variante dieses Tricks der Geldwäscher ein viel größeres Problem. So stünden vor allem Privatpersonen, die ein hochpreisiges Produkt übers Web verkaufen wollen im Visier von gewieften Betrügern. "Vor allem im Automobilbereich finden sich derartige Fälle sehr oft", meint Haslinger.
5000 statt 1000 € - am Ende bleibt nichts
Der Coup läuft so ab: Eine Person aus Österreich möchte seinen Gebrauchtwagen verkaufen und bietet das Auto auf einer Inserateplattform für den Betrag von 1000 € an. Daraufhin meldet sich ein Interessent zum Beispiel aus England. Dieser will den Wagen zum vorgeschlagenen Preis kaufen, möchte dem Käufer aber nicht 1000, sondern gleich 5000 € per Scheck bezahlen. Die Begründung: Er bittet den Verkäufer, die übrigen 4000 € an eine Transportfirma zu überweisen, die das Fahrzeug für ihn nach England überstellen soll. Der Verkäufer schickt das Geld an die Firma weiter. Bald darauf stellt er jedoch fest, dass der Scheck des englischen Käufers nicht gedeckt war. "Somit ist er um 4000 € ärmer und sein Auto ist er auch nicht los", erklärt Haslinger. Die besagte Transportfirma gibt es natürlich nicht, genausowenig sind die Daten des Käufers korrekt. Den Betrüger auszuforschen ist schwierig. "Er macht das hundert bis tausend Mal, dann ist er weg, das Geld längst irgendwo anders deponiert", so Haslinger.
Was kann man tun?
Egal auf welche Online-Betrügerei man hereinfällt, ist der geforderte Betrag einmal bezahlt, sind die Chancen, das Geld zurück zu bekommen gleich null. "Wichtig ist sich im Vorhinein schon zu informieren, ob das Angebot seriös ist oder nicht", rät Haslinger. Und schickt eine Warnung hinterher: "Generell wollen alle Portale im Netz, auf denen ich als User AGBs zustimmen muss, Geld von mir. Das muss jedem User endlich einmal in Fleisch und Blut übergehen".
Der Grund warum Betrügereien im Internet erfolgreicher denn je sind, ist immer noch die Unwissenheit vieler Nutzer. Holt man Informationen über die Vertrauenswürdigkeit eines Angebotes im Internet schon ein, bevor man darauf klickt ist man auf einer relativ sicheren Seite. "Wir schicken den Usern, die sich bei uns erkundigen, einen Musterbrief, den sie dann an den betreffenden Service schicken und damit ist die Sache meist erledigt". Denn: Klagen würden diese Firmen niemals. "Sie würden sich damit ja ihr eigenes Geschäftsmodell ruinieren, da sie ja selbst im rechtlichen Graubereich arbeiten", sagt Haslinger.
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