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Cernko: „Zuerst möchte ich, dass gespart wird“

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von Christian Kreuzer | 13.02.2012 | 08:43

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Cernko: „Zuerst möchte ich, dass gespart wird“

Interview. Der Bank Austria-Chef Willibald Cernko über höhere Steuern für Spitzenverdiener, Griechenland und UniCredit-Pläne. Der BA-Boss verlangt mehr Respekt vor den Leistungsträgern. Die Bank muss indes die Griechenland-Papiere um weitere 100 Millionen € abschreiben. Gewinn gibt es trotzdem.

WB/Mayr

Zitiert

Wenn ich mehr leisten muss, dann will ich auch mit Respekt behandelt werden

Zitiert

Ich halte den Schuldenschnitt für Griechenland für einen Kardinalfehler

Zitiert

Die Bank Austria ist ein relevanter Teil der UniCredit und wird es auch in Zukunft bleiben

WirtschaftsBlatt: Das Sparpaket in Österreich ist fixiert. Darin enthalten ist auch eine Änderung der Gruppenbesteuerung, die auch die Bank Austria betreffen wird.
Willibald Cernko: Die Unternehmer wollen verlässliche Rahmenbedingungen, und die haben sie bisher auch in Österreich vorgefunden. Ich halte die Gruppenbesteuerung für ein wesentliches Element für die Attraktivität des Standortes. Da wird nichts geschenkt. Wir als Bank Austria nutzen das nicht, wir haben immer die Ergebnisse vor Ort steuerlich abgerechnet. Wir haben nur die in Österreich befindlichen Einheiten zu ­einer Steuergruppe zusammengefasst.

Dass Sie persönlich durch die Reichensteuer nun höhere Steuern zahlen müssen, ist für Sie kein Problem?
Was mir wichtig ist, ist, dass wir Leistung wieder akzeptieren. Was ich nicht schätze, ist, wenn man von der Kanzel zugerufen bekommt, „her mit dem Zaster". Dann fühle ich mich nicht gut angesprochen. Ich verstehe, dass ich mehr leisten muss, dann will ich aber mit Respekt behandelt werden. Zuerst möchte ich, dass gespart wird. Erst nach Reformen bei Pensionen und im Gesundheitsbereich wird es bei denen, die mehr beitragen müssen, Verständnis geben, dass sie künftig vielleicht temporär noch mehr leisten müssen. Man muss auch einmal ein Verständnis dafür schaffen, wofür die Mittel verwendet werden.

Sie sind auch von der höheren Besteuerung des 13. und 14. Gehalts betroffen.
Ich bin dafür, dass die Reformen in Angriff genommen werden. Wenn ich dann am Ende mehr leisten muss, werde ich es auch tun. Die Kreativität der Politik kann sich nicht im Erfinden neuer Steuern erschöpfen.

Kommen wir zum Problemfall Griechenland: Ist eine Pleite noch abwendbar oder werden die Märkte schon auf eine solche vorbereitet?
Diese Frage stellt sich nicht, weil Europa hier in der Pflicht steht, für Griechenland eine Lösung zu finden. Ein Land in die Insolvenz schlittern zu lassen, würde meinem Verständnis von der Europäischen Gemeinschaft nicht entsprechen. Hier trägt Europa gemeinsam mit den Griechen die Verantwortung, eine Lösung zu finden. Ich bin optimistisch, dass es eine solche geben wird, auch wenn es ein hartes Ringen wird. Die Lösung muss politisch erklärbar sein, sowohl den Bürgern in Griechenland als auch den Bürgern im übrigen Europa.

Bei der privaten Beteiligung der Banken an der Rettung Griechenlands gibt es bis dato noch kein Ergebnis. Wie es derzeit aussieht, wird es einen Haircut von 70 Prozent geben. Wie stark wäre die Bank Austria bei einem solchen Schnitt zusätzlich belastet?
Ich halte das sowieso für ­einen Kapitalfehler, weil hier eine Vereinbarung gebrochen wurde, dass kein Land in der Eurozone pleitegehen kann. So sehr das politisch verständlich ist, dass Private an der Rettung beteiligt sind, so sehr wurde hier die Vertrauensbasis nachhaltig gestört, ich würde sogar sagen, zerstört. Das lässt alle, die die Defizite der Staaten finanzieren, hellhörig werden. Langfristig zahlen das die Bürger selbst. Wir haben in Europa ein Modell, das sich jahrelang etabliert hatte, dass nämlich die Banken 30 Prozent der Staatshaushalte der Euroländer finanzieren. 70 Prozent entfallen auf Versicherungen und Private etc. Der Vertrauensverlust in die Zahlungsfähigkeit der Euroländer wird sich jetzt bei den Geldgebern niederschlagen. Jeder wird sich überlegen, ob er sich langfristig engagieren möchte. Ich gehe eher davon aus, dass sich Banken nur kurzfristig engagieren werden und es wird sich auch auf die Preise auswirken, zu denen sich die Länder finanzieren.

Wie hoch sind die zusätzlichen Belastungen bei einem solchen Schnitt für die Bank Austria?
Wir werden das zum Jahresabschluss 2011 abbilden. Wir haben bereits 60 Prozent abgeschrieben. Wir werden auf insgesamt 80 Prozent abschreiben, das heißt, dass wir nochmals in einer Größenordnung von 100 Millionen € wertberichtigen werden. Nachdem wir mark to market bewerten, kann es durchaus sein, dass wir zum ersten Quartal 2012 wieder eine ­gegenläufige Entwicklung ­sehen.

Sowohl die Aktienmärkte als auch die Anleihenmärkte signalisierten zuletzt eine Entspannung in der Schuldenkrise. Sehen Sie das auch so optimistisch?
Die Top-Priorität in Europa ist die gemeinsame Wirtschafts- und Fiskalpolitik. Das ist die Grundlage für alles Weitere. Wenn wir diese Spielregeln haben, dann sind auch andere Instrumente wie zum Beispiel Eurobonds möglich. Wir sind durchaus vorsichtig optimistisch, auch was Österreich betrifft.

In Ungarn hat sich die Situation zuletzt dramatisch verschlechtert. Die faulen Kredite stiegen allein im Vorjahr von acht auf 14 Prozent. Wie dramatisch ist die Lage aus Ihrer Sicht?
Wir sind, gemessen an der Bilanzsumme, die Nummer sieben in Ungarn, wir werden das Jahr 2011 beim Ergebnis aber unter den Top Drei positiv abschließen. Unser Fokus liegt auf dem Firmenkundengeschäft. Angesichts der Entwicklung haben wir unsere Expansionspläne in Ungarn auf Eis gelegt. Wichtig ist, dass sich Ungarn innerhalb der europäischen Rechtsnormen bewegen muss, um wieder Investitionen aus dem Ausland anzulocken.

Laut aktuellen Zahlen haben 160.000 Ungarn die Möglichkeit genutzt, um günstig ihren Fremdwährungskredit in Forint zu wandeln. Gibt es da schon Zahlen, wie viele Kunden das bei der Bank Austria waren?
Wir sind in diesem Bereich nicht so exponiert, waren aber vorsichtig unterwegs und haben 60 Millionen € zurückgestellt. Wir sind dennoch positiv und zählen zu den profitabelsten Banken des Landes.

Kommen wir zur UniCredit, die ja ihre Kapitalerhöhung vor Kurzem durchgeführt hat. Steht nach dieser nun der große Umbau an? Vor Tagen gab es die Spekulation, dass die HVB verkauft werden würde. Ähnliche Gerüchte gab es auch schon über einen Bank Austria-Verkauf.
Das sind alles völlig halt- und grundlose Gerüchte - nicht mehr und nicht weniger...

...das heißt, es wird keinen Umbau geben. Die UniCredit wird in zwei Jahren noch genauso aussehen?
Die Bank Austria ist ein ­relevanter Teil der Gruppe - das waren wir bislang und das werden wir auch in Zukunft bleiben.

Wird es für die Bank Austria trotz der Wertberichtigungen wegen Griechenland ein positives Ergebnis 2011 geben?
Ja.

Wird es auch erstmals nach drei Jahren eine Dividende für UniCredit geben?
Was wir mit dem Ergebnis 2011 machen, werden wir dann entscheiden, wenn es vorliegt, dem kann ich nicht vorgreifen.

Rechnen Sie auch für das ­laufende Jahr mit Gewinnen?
Wir gehen davon aus, dass wir eine positive Entwicklung sehen werden. Wir werden auch weiterhin keine Staatshilfe in Anspruch nehmen müssen.

Viele Experten gehen von einer steigenden Anzahl fauler Kredite aus. Was erwarten Sie?
Ich sehe das nicht so dramatisch. In Österreich ist die Insolvenzprognose bei Unternehmen positiv, bei Privaten wird mit einer leichten Steigerung gerechnet. Auch in Osteuropa ist nicht mit einer Steigerung zu rechnen. Wir sehen das an den Risikokosten, die das dritte Jahr in Folge zurückgehen. Ich zähle mich hier nicht zu den Pessimisten.

 

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5 Kommentare

Leistung

so viel mehr Leisten, sodass deren Bezüge gerechtfertigt sind, können diese selbsternannten Leistungsträger der Nation doch gar nicht...

da brauchts eher mehr Fairness und mehr Einsicht vorallem in den oberen Etagen!!! und dass die Bevölkerung langsam stinksauer wird ist nur eine logische aber sichere Konsequenz

Von Gast: Gast: Gast1 am 14.02.2012 um 10:08

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gut, ...

... dann gehen sie mit gutem beispiel voran und fangen sie bei sich selbst an ....

Von Gast: Gast: 0815 am 13.02.2012 um 15:53

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Mit der Verwendung hat er recht.

Bei der Gruppenbesteuerung wird dennoch ichts zu holen sein. es gibt genug andere Umgehungsmethoden. keine Bank oder int. Konzern zahlt effektiv über 5% Steuern. Hier hinkt das ganze system. Würden die Schluplöcher geschlossen, könnten Steuern sogar gesenkt weren. Nur Arbeiter und Angestellte sowie kleine brave naive Unternehmer zahlen den vollen Satz. Banken ganz sicher nicht. Die umgehen alles über Steueroasen. Warum sonst sind sie in allen Steueroasen verteten? Wegen dem Klima?

Von Gast: Gast: RRR am 13.02.2012 um 11:46

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sg hr cernko,...

...so von oben herab zu dekretieren, habe ich gerade von ihnen nicht erwartet.
sie müssen doch zugeben, die einkommen von chefs von banken (auch der bank austria) den ruf "her mit dem zaster" direkt herausfordern, weil diese einkommen, v.a. in relation zu denen ihrer mitarbeiter, mit "leistung" - auch mit "ergebnis" - nicht zu rechtfertigen sind.
und dass staaten finanziell nicht "untergehen" können, als grundkonsens der eu zu erklären, ist wohl etwas zu billig. dann hätten banken ihre staatskredite nicht mit zinsforderungen ausstatten dürfen, bestenfalls mit einer jährlichen verwaltungspauschale.
dass die bank austria gruppe innerhalb der unicredit gruppe einer der wichtigsten gewinnträger (noch immer) ist, erklärt auch ihre sonderstellung innerhalb der gruppe, aber nicht diese ihre kritik am sparplan der regierung.

Von Gast: Gast: Gast am 13.02.2012 um 09:44

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Re: Respektlosigkeit

Das "Her mit dem Zaster …" jedenfalls war proletenhaftes Pöbeln mit dem diese Dame das ihr zuordenbare Niveau hervorgekehrt hat.

Von Gast: fsammer am 13.02.2012 um 14:47

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