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Österreichisches Know-how im Weltall

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von Petra Spescha | 20.02.2012 | 03:32

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Österreichisches Know-how im Weltall

Interview. Franz Kerschbaum, Institut für Astronomie, spricht im über die Beteiligung am Weltraumteleskop Herschel und die Folgen für österreichische Wirtschaft.

Peroutka

Laut dem Astronomen Franz Kerschbaum arbeiten die österreichische Wirtschaft und Forschung eng zusammen - sie haben bereits wichtige Nischen erobert

WirtschaftsBlatt: Sie haben am Bau des größten Weltraumteleskops Herschel mitgearbeitet, das nach zehn Jahren Bauzeit 2009 ins All geschossen wurde. Wie kann man sich den österreichischen Beitrag an diesem europäischen Projekt vorstellen?

Franz Kerschbaum: Österreichische Firmen wie Siemens oder Ruag haben Komponenten für den Satelliten des Teleskops geliefert. Wir haben am Bau der Messinstrumente mitgewirkt: Es hat sich nämlich herausgestellt, dass wir nur ein Vierzigstel der wissenschaftlichen Messungen aus dem All auf die Erde hinunterschicken können. Das ist unser Beitrag, den wir gemeinsam mit der Technischen Universität Wien und der Joanneum Research in Graz zum Projekt beigesteuert haben. Wir haben ein Expertensystem entwickelt, das aus dem Datenkuchen sozusagen die Rosinen rauspickt. Also nur das auf die Erde sendet, was die Wissenschaft wirklich braucht.

Wie können diese wissenschaftlichen Ergebnisse kommerziell eingesetzt werden?

Wir haben immer leistungsfähigere Satelliten, die immer mehr Daten verarbeiten müssen. Alle zukünftigen Satelliten, nicht nur im Bereich der Wissenschaft, sondern auch in kommerziellen Anwendungen, haben das Problem, dass es einen sogenannten Datenflaschenhals gibt. Es werden oben mehr Daten produziert, als man runtersenden kann. Das heißt, es muss oben immer intelligenter aus diesen Datenmengen das Wichtige herausgesucht werden.

Wie profitiert die Wirtschaft davon?

Für diese Schlüsseltechnologien braucht man leistungsfähige Datenverarbeitungssysteme, sprich: Computer. Da sind österreichische Firmen sehr gut dabei. Und natürlich auch sehr gute Algorithmen. Da sind unsere Universitäten sehr gut. Das hat auch die ESA (Europäische Weltraumbehörde, Anm.) erkannt und im vergangenen Jahr zwei weitere Forschungsaufträge über mehrere 100.000 €nach Österreich vergeben. Da ist auch die Industrie beteiligt. Es gibt eine Reihe internationaler Weltraummissionen, bei denen wir unsere Technologie einsetzen werden. Wir haben es geschafft, eine Nische zu besetzen, die für viele Bereiche wichtig ist.

Und die Wissenschaft?

Von den Förderungen, die wir bekommen, bezahlen wir Doktoranden oder Postdocs. Man denkt oft, dass bei Herschel eine Milliarde €ins All geschossen worden ist. Das stimmt nicht. Der Großteil davon fließt in Dienstleistungen, die in Firmen erbracht worden sind, oder an Universitäten. Der österreichische Beitrag zum wissenschaftlichen Instrument Herschel hat 1,1 Millionen €gekostet, über zehn Jahre hinweg. Nur, dass wir das in einen Kontext stellen: Wenn ich einen Postdoc ein Jahr anstellen muss, kostet mich das 45.000 €. Und ein Doktorand kostet circa 30.000 €. Das heißt, ich kann um das Geld zwei Doktoranden und einen Postdoc anstellen. Die Leute bekommen eine super Ausbildung: Wenn ein Doktorand eine Software für ein Weltraumteleskop schreibt, bekommt er auch einen Job.

Bis etwa 2013 ist Herschel noch für die Wissenschaft nutzbar. Was haben Sie bisher herausgefunden?

Wir sehen uns sterbende Sterne an und was sie mit ihrer Umgebung anrichten. Wir haben herausgefunden, dass manche Sterne große Mengen Wasser produzieren. Wir haben gesehen, welche Wasserquellen es im Universum gibt. Wo kommt zum Beispiel unser Wasser her? Es kommt eigentlich von Sternen früherer Generationen. Und auch die anderen Materialien, die wir auf der Erde und in der Erdkruste finden. Wir schauen uns also an, wie diese erzeugt und in der Umgebung so verteilt werden, dass sie bei der nächsten Sternengeneration für den Einbau zur Verfügung stehen. Man stelle sich vor: Der Kohlenstoff, Stickstoff, Sauerstoff, den Sie atmen; das war einmal alles in einem Stern.

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