von Christian Kreuzer | 14.06.2011 | 10:30
Wüstenrot bereinigt die Beteiligungen in Osteuropa
Wüstenrot Österreich und Deutschland haben das OsteuropaPortfolio entflechtet. In Kroatien will die heimische Gesellschaft heuer das Versicherungsgeschäft starten.
Wüstenrot-Chefin Susanne Riess-Passer plant für heuer einen Gewinn von 49 Millionen €.
Zitiert
Susanne Riess-Passer, Wüstenrot-Chefin
Die Entflechtung der Beteiligungen war eine Frage der Effizienz
Die Wüstenrot-Gruppe hat gemeinsam mit ihrem Partner, der deutschen Wüstenrot, die Beteiligungen in Osteuropa entflechtet. Die österreichische Gesellschaft hat ihre Kernmärkte nun in Kroatien und der Slowakei, wie Wüstenrot- Chefin Susanne RiessPasser im Interview mit dem WirtschaftsBlatt erläutert. „Das war eine Frage der Effizienz", begründet sie diese Maßnahme. In der Tschechischen Republik übernimmt die deutsche Schwester das Versicherungsgeschäft.
In Kroatien hatte der Salzburger Finanzkonzern bisher knapp 70 Prozent der Anteile an dem gemeinsamen Unternehmen, in der Slowakei waren es 60 Prozent. In Kroatien hat die Wüstenrot-Chefin einiges vor: „Wir werden dort noch heuer eine Versicherung gründen."
Umstrukturierung
Ein Einstieg in andere Länder ist derzeit nicht geplant. Eine mögliche Expansion hänge im Bauspargeschäft von den rechtlichen Rahmenbedingungen ab, so Riess-Passer. Die Integration der Auslandstöchter sei abgeschlossen, betont sie. Auch in Österreich sind die Umstrukturierungen, die im Zuge der Finanzkrise eingeleitet wurden, beendet. Von den 150 Standorten wurde rund ein Drittel gestrichen. Der separate Vertrieb für Bausparkasse und Versicherung wurde zusammengelegt. Notwendig waren diese Maßnahmen, weil die Bausparkasse durch Investments in Lehman Brothers, Island und Washington Mutual in Schieflage geriet. Die Wertberichtigungen im Jahr 2008 führten zu einem Riesenverlust von 281 Millionen €. Auch ein Anzapfen des Bankenhilfspaketes stand im Raum. Durch das Zusammengehen der Bausparkasse mit der Versicherung konnte dies aber verhindert werden. Im Vorjahr machte der Salzburger Finanzkonzern einen Gewinn vor Steuern von 42 Millionen €. „Damit bin ich zufrieden", sagt Riess-Passer. Für heuer ist ein Gewinn von 49 Millionen € budgetiert. „Ich bin zuversichtlich, dass wir das erreichen, zumal das erste Quartal sehr gut gelaufen ist", so die WüstenrotChefin.
Kritisch sieht sie allerdings die vielen Maßnahmen für Banken und Versicherungen, Stichwort Basel III, Solvency II und Einlagensicherung, die in den kommenden Jahren anstehen „Wir als Finanzkonglomerat haben das Problem, dass uns diese Themen alle betreffen, die Gesetzgeber aber isoliert vorgehen." Von der Politik verlangt sie eine „integrierte Gesamtsicht" der unterschiedlichen Regelungen.
Allein für die Einlagensicherung, von der auch die Bausparkassen betroffen sind, muss Wüstenrot 66 Millionen € aufbringen. Zwar sind dafür voraussichtlich zehn Jahre Zeit dafür, aber „6,6 Millionen € pro Jahr müssen wir zusätzlich verdienen", so Riess-Passer.
An der Bankensteuer ist die Bausparkasse knapp vorbeigeschrammt. Für eine Ausweitung der Abgabe, wie es sich die SPÖ wünscht, sieht die ExPolitikerin dagegen keinen Anlass. „Sowohl die Banken als auch wir haben die Kostenpotenziale großteils ausgeschöpft."
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