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Das brasilianische Österreich

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von Edith Lackner | 17.02.2012 | 11:52

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Das brasilianische Österreich

Interview. Georgia Creimer schätzte von Anfang an das künstlerische Arbeiten in Österreich. An die Mentalität musste sie sich aber erst gewöhnen.

WB/Eizinger

Facts

Zur Person
Georgia Creimer, Künstlerin

Sie wuchs in Sao Paulo auf und kam mit 23 Jahren nach Österreich. Sie führt in Wien das Atelier Creimer in der Neubaugasse. www.georgiacreimer.com

Brasilianer stellen in Österreich die größte Einwanderergruppe aus Lateinamerika. Wie es ist, als Brasilianerin nach Österreich zu kommen, erzählte uns die in Brasilien geborene Künstlerin Georgia Creimer.

WirtschaftsBlatt: Frau Creimer, Sie sind in Brasilien aufgewachsen, haben aber familiäre Wurzeln in Österreich. Hat Ihre Familie Kontakt zu Österreich gehalten?

Georgia Creimer: Nein, dass ich nach Österreich gekommen bin, war Zufall. Mein Vater ist aus Rumänien nach Brasilien ausgewandert, meine Urgroßmutter war eine in Deutschland lebende Holländerin und mein Urgroßvater Österreicher, aber woher, das weiß ich nicht. Ich selbst habe in Brasilien einfach einen Österreicher kennengelernt. Aber Europa hat mich aufgrund meiner Familiengeschichte immer interessiert. All die alten Fotoalben haben mich neugierig gemacht. Europa war für mich nie fremd.

Hat das Europa auf den Fotos dann mit der Realität übereingestimmt?

Die Fotoalben waren ja aus dem Deutschland der 30er-Jahre, da konnte ich nichts mehr wiedererkennen. Ich bin 1986 nach Wien gekommen. Mein erster Eindruck war, dass Wien eine sehr dunkle Stadt war. Es war Winter und kalt, als ich ankam. Aber die Kälte und der Schnee waren auch manchmal romantisch, zum Beispiel im Stadtpark. Wien hat eine schöne Architektur, aber die wirkte damals, als noch nicht so viel renoviert war, auch depressiv und dunkel. Es war ein starker Eindruck, wo man Geschichte spürte, das Gefühl von etwas, das alt geworden ist.

Wo sehen Sie die Unterschiede zwischen Brasilianern und Österreichern?

Eigentlich kann ich das nur in Bezug auf früher beurteilen. Ich lebe länger in Österreich als in Brasilien, einmal im Jahr fliege ich heim. Am Anfang war es aber schon so, dass die Menschen sehr defensiv waren. Ängstlich, was Kontakt betrifft, auch Körperkontakt. Das hat sich aber auch geändert. In Brasilien küsst man sich, wenn man sich trifft. Ich hab am Anfang immer den Fauxpas begangen, dass ich alle küssen wollte, das hat nicht so gut funktioniert (lacht). Andererseits hab ich nie Vorurteile gespürt, weil ich aus einem anderen Land komme. Ich hab ja noch in Brasilien Kunst fertigstudiert. Als Künstlerin war es toll, wie selbstverständlich ich hier arbeiten konnte, zum Beispiel auch, was Einreichungen für Stipendien betrifft.

Sie haben unter anderem über Landschaften gearbeitet. Sehen Sie Ähnlichkeiten zwischen Österreich und Brasilien?

Es gibt die Arbeit "Geliehene Landschaft", wo ich zuerst in Lunz am See Häuser, Wald, See, Berge und anderes fotografiert und dann in Brasilien nach dem Gleichen gesucht habe. Diese Bilder aus den zwei Ländern habe ich dann gegenübergestellt. Ich vergleiche etwas, was eigentlich nicht zu vergleichen ist. Das ist eine Arbeit, die meinen Zustand als Lebende in zwei Ländern gut darstellt. Die Dinge sind verwandt, aber nicht vergleichbar, es gibt keine Wertigkeit, alles hat seine Berechtigung.

Wenn Sie die alte Heimat vermissen, wo finden Sie dann in Österreich brasilianisches Leben?

Das ganz typische ist hier einfach nicht zu finden (lacht). Solche Angebote deprimieren einen nur mehr. Ich bin einmal zu so etwas gegangen mit Musik und Brasilianern. Alle hatten Heimweh und sagten, "dort ist es besser". Ich suche lieber nach den Qualitäten, die hier sind.

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