von Manfred Mader | 16.01.2010 | 16:40
Zizala Lichtsysteme baut Werk in China
Während in der Produktion rund 300 Mitarbeiter abgebaut wurden, sucht der Wieselburger Autozulieferer in der Entwicklung händeringend hundert Fachkräfte.
Zizala-CEO Hubert Schuhleitner
Zitiert
„Flexiblere Arbeitszeiten im KV verankert hätte viele Jobs gerettet.“
WirtschaftsBlatt: Auf ihrer Homepage gibt es massenhaft Stellenausschreibungen. Höchst ungewöhnlich für einen Autozulieferer heutzutage.
Hubert Schuhleitner: Es stimmt, wir suchen bis zu hundert Leute, hauptsächlich in der Entwicklung. Auch uns hat die Krise Ende 2008 mit Produktionsrückgängen von 25 bis 30 Prozent kalt erwischt. Aber wir haben rasch reagiert und unsere Kapazitäten und Kosten angepasst. Als Gegenstrategie haben wir den Markt intensiv bearbeitet und eine Reihe von schönen Aufträgen von unseren Stammkunden erhalten. Pro Auftrag stecken da bis zu 40.000 Entwicklungsstunden drinnen. Das sprengt derzeit unsere Entwicklungsabteilung.
In der Produktion mussten sie jedoch Mitarbeiter abbauen?
Ja, rund 300 Mitarbeitern mussten wir leider freisetzen, etwa die Hälfte davon Leiharbeiter.
Kurzarbeit war keine Alternative?
Nein, Kurzarbeit ist absolut nicht brauchbar, wir müssen flexibel auf geänderte Abrufungen von unseren Kunden reagieren können. Mangelnde Flexibilität bei der Arbeitszeit ist insgesamt der größte Standortnachteil in Österreich. Bei den letzten KV-Verhandlungen wurde da eine große Chance vertan. Das ist schlecht für die Arbeitgeber, aber noch schlechter für die Arbeitnehmer. Eine Menge Jobs hätten so gerettet werden können, auch bei uns.
Sie investieren viel in Entwicklungsarbeit, auf der anderen Seite stockt die laufende Produktion. Tut sich da nicht ein Finanzierungsproblem auf?
Sie haben recht, das ist in der Tat die Herausforderung, die wir lösen müssen. Ein Entwicklungsprojekt kostet uns zwischen fünf und zehn Millionen €. Entwicklungskosten werden in der Regel von Kunden erst bei Produktionsstart bezahlt. Viele Autozulieferer bekommen dabei Probleme. Uns hilft ein ordentlicher Polster aus einer Reihe von sehr guten Geschäftsjahren in der Vergangenheit.
Denken Sie auch daran, schlingernde Konkurrenten zu übernehmen?
Nein, danke. Marode Einheiten an Bord zu holen, würde Kapazitäten binden, die wir lieber andersweitig einsetzen.
Die österreichische Autoindustrie wird kritisiert, zu sehr von den deutschen Autobauern abhängig zu sein und die Wachstumsmärkte wie Indien und China links liegen zu lassen. Ihre Kunden sind auch hauptsächlich die deutschen Premiummarken.
Die Kritik stimmt für Massenanbieter. Wenn die wachsen wollen, wird es in Europa schwierig. Wir sind auf das Premiumsegment spezialisiert, da spielt die Musik noch immer in Europa. Außerdem sind wir auch in Indien mit einem Joint Venture vertreten und suchen gerade einen Standort in China.
Sie bauen in China ein eigenes Werk?
Wir folgen, wohin unsere Kunden gehen. Wir haben einen Auftrag von BMW für ein Modell, das in China produziert wird. Importieren ist in China schwierig, daher werden wir dort ein Werk bauen mit der Kapazität, mit 150 Mitarbeiter 600.000 Scheinwerfer pro Jahr zu produzieren.
Welche Zukunft hat Europa als Produktionsstandort?
Dass es einen starken Trend gibt, außerhalb Europas - insbesondere in Asien - zu produzieren, ist ganz unbestritten. Europa kann den Standort sichern, indem es schafft, auch in Zukunft technologisch in der Vorreiterrolle zu bleiben.
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