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Scharinger: „Für Spekulanten sind wir die falsche Adresse“

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von Karl Leitner/Oberösterreich | 27.01.2010 | 16:57

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Scharinger: „Für Spekulanten sind wir die falsche Adresse“

Ludwig Scharinger, Generaldirektor der RLB OÖ, will die Spekulationsfrist auf zwei Jahre ausweiten. Dafür soll die geplante Bankensteuer fallen. Das Image der Banker macht ihn "traurig".

WB/Foltin

Ludwig Scharinger: "Was ein Banker nicht sein darf ist: Eitel, gierig und maßlos"

WirtschaftsBlatt: Die Bundes­regierung plant eine Bankensondersteuer nach US-Vorbild. Was halten Sie davon, und wie wären die Auswirkungen?
Ludwig Scharinger: Ich halte das für eine schlechte Idee. Man kann nicht US-Verhältnisse auf Österreich übertragen. Immer, wenn es Probleme gibt, muss man die Ursachen bekämpfen: das sind die Spekulanten. Eine Bankensondersteuer tut das nicht. Sie würde Kredite verteuern und wäre schlecht für die Konjunktur. Es würden über Banken einfache Sparer und Kreditnehmer belastet, was wir nicht wollen.

Das heißt, die Steuer wird von Banken automatisch weiter­gegeben?
Natürlich - eine Bank ist kein Geldesel.

Wie wollen Sie die Spekulanten treffen?
Einerseits kann ich mir eine Transaktionssteuer vorstellen, andererseits eine Ausweitung der Spekulationsfrist auf zwei Jahre.

Wäre das nicht schlecht für den Finanzplatz Österreich und ­damit für die Banken?
Es würde jene Banken treffen, die sich mit Spekulation beschäftigt haben - und das sind wir nicht. Für Spekulanten sind wir als RLB die falsche Adresse. Und was die Börse betrifft: Nicht die Börse ist das Problem, sondern Leerverkäufe, Immobilien-Scheingeschäfte, Carry Tradings und so weiter. Also ­Finanztransaktionen, denen keine realen Geschäfte gegen­überstehen.

Um wie viel würde eine Bankensteuer Kredite verteuern?
Wir haben das nicht im einzelnen ausgerechnet, weil es noch keine konkreten Zahlen gibt. Es wird aber bald einen Bankengipfel mit der Regierung geben, bei dem die Argumente vorgetragen werden.

Zur RLB: Was sind Ihre Pläne für heuer?
Wir wollen qualitativ wachsen und auch den Gewinn steigern. Auf der anderen Seite soll das Kostenmanagement verbessert werden und die Cost Income Ratio (Anm.: das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag) von zuletzt 43,6 auf ­unter 43 Prozent sinken.

Wo sehen Sie einen Wachstums­markt?
In Süddeutschland: Bayern und Baden-Württemberg. Es wird dort neue Filialen geben. Auch in Österreich gibt es noch genug Platz, wohin wir unsere Kunden begleiten ­können.

Findet bei der Begleitung im Inland eine Übergabe an den Ländergrenzen an die jeweiligen Bundesländer-Kollegen von Raiffeisen statt?
Nein. Das ist ja nicht wie bei einem Stafettenlauf. Man kann da nicht einfach übergeben. Das würden unsere Kunden auch nicht wollen.

Wird das Beteiligungsreich der RLB weiter wachsen?
Wir haben mit Stichtag 27. Jänner 535 Beteiligungen - vor zwei Wochen waren es 526. Beteiligungen sind ein permanenter Prozess. Wir machen das aber nicht aus Jux und Tollerei, sondern um den Firmen eigenkapitalähnliche Instrumente zur Verfügung zu stellen, damit sie nicht nur fremdkapitalfinanziert sind.

Sie haben zuletzt angekündigt, PPP-Finanzierungen stark ausweiten zu wollen. Wäre für Sie die Finanzierung des Linzer Westrings (Anm.: geschätztes Investitionsvolumen: ca. 530 Millionen €) interessant?
Ja. Aber zuerst müssen wir die Voraussetzungen kennen.

Abschließend eine persönliche Frage: Das Bild des Bankers hat sich seit Ausbruch der Krise grundlegend gewandelt - er wird jetzt vor allem in Nicht-Wirtschaftskreisen überwiegend negativ gesehen. Wie geht es Ihnen damit?
Es macht mich taurig. Denn was ein Banker nicht sein darf ist: Eitel, gierig und maßlos. Menschen mit solchen Eigen­schaften dürfen keine Bank leiten. Er muss wissen, dass ein Geschäft immer nur dann eines ist, wenn es für beide Seiten etwas bringt und die Kunden erfolgreich sind.

 

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8 Kommentare

Beide

Wo steht eigentlich geschrieben, dass nicht beides eingeführt werden kann? Grundsätzlich sollten aber ALLE Spekulationsgeschäfte verboten werden. Und warum müssen dies Kosten dann auf die Kunden weitergewählzt werden, es könnten ja auch einmal die Gewinnmargen gekürzt werden. Aber hier liegt das Problem im derzeitigen System, den die großen Konzernen müssen für Ihre Aktionäre immer höhere Gewinne erzielen um die Aktien nach oben zu treiben, dies passiert aber auf Kosten der Konsumenten und vielfach der Steuerzahler. Daraus folgt- wenige verdienen viel, alle anderen zahlen dafür. Alle Macht dem Volk

Von Gast: Gast: Kampfschrei am 28.01.2010 um 14:05

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Re: gar nichts!

Lieber Kampfschrei,
haben Sie einmal über die Folgen nachgedacht wenn man Spekulation an der Börse verbietet. Wahrscheinlich nicht, sonst hätten Sie sich diesen überflüssigen Kommentar sparen können.
Wird in der Börse nicht mehr spekuliert, geht die Liquidität schnell zurück und die Börse stagniert. Stagniert die Börse, kommt kein frisches Kapital zu den Unternehmen, sind die Unternehmen nicht liquid, gehen investitionen zurück usw.
Wenn wirklich die Spekulation an der Börse verboten wird, sind die Aktien in den Händen der braven sparer für über 1 Jahr und keiner kann mehr Aktien kaufen bzw verkaufen weil kein Markt mehr da ist....

Von Gast: Gast: wok am 28.01.2010 um 15:06

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Quellensteuer für Spekulationsgewinne muss her!

Wenn die Spekulationsfrist auf zwei Jahre ausgeweitet werden würde, wäre der Steuereffekt für den Finanzminister praktisch Null, weil laut renommierten Steuerberatern maximal 10 bis 20 % der Spekulationsgewinne überhaupt der Finanz gemeldet und damit auch versteuert werden. Der überwiegende Teil der Spekulationsgewinne wird nicht gemeldet und dank dem Bankgeheimnis hat die Finanz praktisch keine Möglichkeit Steuern auf Spekulationsgewinne einzutreiben. Diese Tatsache ist natürlich auch dem Finanzamt seit Jahren bekannt, aber es wird nichts dagegen gemacht. In der Branche wird das als „ganz heißes Eisen“ bezeichnet.

Frage an den Finanzminister: Warum wird nicht einfach eine Quellensteuer auf Spekulationsgewinne eingeführt, ähnlich wie seinerzeit bei der KESt? Nicht um eine neue Steuer einzuführen, sondern um die bestehende Steuerpflicht exekutieren zu können!

Von Gast: Gast: ReelBox am 28.01.2010 um 11:20

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oberösterreichisches Schlitzohr :)

So kann man ungeschoren davonkommen : es soll andere treffen - nicht das die Geschäftsmodelle überlegenswert wären " wir tragen unsere Schuldner durch die Krise " oder finanzieren Projekte " die 1000te Therme " ..... so sollen alle leiden , der Steuerzahler am Besten 2 mal !

Von Gast: Gast: iloveit am 28.01.2010 um 08:28

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Aha - Leerverkäufe

sind also wieder schuld. Dann schon lieber dicke fette Blasen, nicht wahr Herr Scharinger?

Von Gast: Gast: Leerverkaufsjosef am 27.01.2010 um 20:44

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Re: .... unglaublich ...

...klar kein thema, denn das tut die RZB / RLB ja selber; was für ein witz; unglaublich, wie man sich selbst und den 'braven sparern (sparbuch 0,125 % verzinsung) so etwas vorgaukeln kann. ist an selbstherrlichkeit kaum zu übertreffen ... was haben die denn im osten spareinlagen der 'getäuschten' kunden verzockt.. viel spaß weiterhin .../ hat er doch mit grasser/petrugowitsch und plech ... 'buwoggedeelt'... skandal der übelsten sorte; aber halt mächtig ... mit system halt !

Von Gast: Gast: alteweinstrasse am 28.01.2010 um 00:49

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Politik - ein untermotorisierter Öltanker (1)


Auf Steuerbewegungen folgt erst einmal gar nichts, bei Gegenwind kommt es zum Stillstand - erst wenn die Politik den Rückenwind der Wirtschaft bekommt geht es flott voran.

Die Wirtschaft ist kreativ, hat ein Gespür für Profite und vor allem, kann schneller reagieren, wenn der erwartete Erfolg ausbleibt.

Politik braucht nicht Advokat der Wirtschaft zu sein, denn wenn sich eine Produktion nicht rechnet, kauft man nur Zeit - zu einem hohen Preis.

Der angerichtete Schaden der weltweiten Bankenkrise ist zu groß, um ihn mit einer einzigen Super-Maßnahme zu sanieren.

Von Gast: PickaBall am 27.01.2010 um 17:36

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Politik - ein untermotorisierter Öltanker (2)


Diese Fehlentwicklung entstand durch eine „Serie falscher politischer Entscheidungen“ der letzten Jahrzehnte.

Um eine wirtschaftliche Entgleisung zu vermeiden, braucht es eine „Vielzahl kleiner Korrekturen“, um die „Vermögens-Ungleichverteilung“ wieder abzubauen. (Abbau von Steuerbegünstigungen,…)

Die Lehren aus dieser Krise - Risiko steigt mit der Größe, da Systemkrisen zwar selten sind, aber nicht ausgeschlossen werden können.

Höhere Renditen gibt es nicht gratis, die damit in Kauf genommenen Risiken müssen auch höher unterlegt werden.

Der Interbankenmarkt, durch den konservative Sparer in diese Geldvernichtungsmaschine kamen, braucht eine Schutzvorrichtung.

Von Gast: PickaBall am 27.01.2010 um 17:36

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