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ÖBB senden erstmals Friedenssignale ins Gasteinertal

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von Michael J. Mayr | 16.12.2009 | 18:26

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ÖBB senden erstmals Friedenssignale ins Gasteinertal

Bahnkonzern stellt Ausbaupläne für Cargo-Transversale weit zurück – Gegner sprechen von „Mogelpackung“

Hans Wehr (WB/Foltin)

ÖBB-Bauprojektechef Hans Wehr versucht die Gasteiner Gemüter in der heißen UVP-Phase zu kühlen: „Bis 2025 bauen wir nicht weiter“

Facts

21 Jahre Tauziehen
Das erbitterte Tauziehen um den Bahnausbau im Gasteinertal währt seit 21 Jahren. Das vor der Entscheidung stehende UVP-Verfahren um eine neue zweigleisige Angerschluchtbrücke ist der vorläufige Höhepunkt. Die Bürgerinitiative Lebenswertes Gastein von Hotelierin Kerstin Baur und 2700 Mitstreitern erkämpfte Östereichs ersten Bahn-Mediationsvertrag (2001) und im Vorjahr den ersten Stopp eines ÖBB-Bauabschnitts. Die Anrainer verteidigen die 80 Jahre alte Angerschluchtbrücke als zentrales Nadelöhr. Solange die Züge über das denkmalgeschützte eingleisige Eisenbauwerk rollen müssen, ist die Tauernstrecke für den internationalen Cargo-Verkehr uninteressant. Der Bahnlärm bleibt damit auf Kurregions-Pegel.

Bad Gastein/Wien. Die ÖBB bewegen sich im Streit um die Hochleistungsstrecke durch Gastein auf die Gegner zu. „Bis mindestens 2025 lassen wir die Strecke, wie sie ist. Für Ausbaupläne gibt's bis dahin keine Finanzierung", sagt ÖBB-Bauprojektleiter Hans Wehr dem WirtschaftsBlatt. Die Sprecherin der Gasteiner Bürgerinitiative gegen weiteren Bahnlärm, die Hotelierin Kerstin Baur, traut den Friedens­signalen nicht. „Das eine Mogel­packung. Der Doktor Wehr will die Lizenz zum wirtschaftlichen Overkill unseres Tals haben. Alles andere ist scheinheilig", kontert Baur.

Wie berichtet, legt sich die Ga-steiner Kurhotellerie mit allen Mitteln gegen die Pläne für eine hochrangige Güterverkehrstransversale quer Der Streit ist so heiß wie noch nie: Ein Umweltsenat im Verkehrsministerium brütet über der UVP für die neue Angerschluchtbrücke. Erhalten die ÖBB dort grünes Licht, sehen die zähen Gasteiner Eisenbahnbremser den Zug für sich endgültig abgefahren (siehe Kasten).

Balkanverkehr lahmt
ÖBB-Infrastruktur-Papst Wehr versucht, die Gasteiner in der Phase zu beruhigen. Ein baldiger positiver UVP-Bescheid für die neue Angerschluchtstrecke bedeute nicht, dass er sofort die Bagger auffahren lasse, um die letzten eingleisigen Tauernbahnabschnitte zweispurig hochzurüsten. „Seit Ausbruch des Balkankriegs vor 18 Jahren haben wir's am Tauern nicht mehr dringend. Bis auf den Verkehr nach Slowenien und Kroatien hat sich seither alles auf die Westbahn verlagert", erläutert Wehr. Analysen des Verkehrsministeriums gingen bis 2050 von höchstens 200 Zügen pro Tag auf der Strecke aus. Die Kapazität dafür sei gegeben. Die Gasteiner befürchten bis zu 500 Züge pro Tag. „Der Lärm würde den letzten Kurgast vertreiben. Salzburgs wichtigste Tourismusdestination könnte nach 700 Jahren zusperren", meint Wetzlgut-Betreiberin Baur.

Lärmschutztunnels im Plan
Wehr fordert die Gegner - darunter auch die Landesumweltanwaltschaft Salzburg (LUA) - auf, bei den Fakten zu bleiben. Dazu zählt er auch die im Mediationsverfahren paktierten Lärmschutztunnel für Hofgastein und Badgastein. Beide seien nicht gestrichen. Am UVP-Sieg lässt er keinen Zweifel. „Wir kennen Österreich. Die ÖBB-Verbindungen sind so, dass Unabhängigkeit hier nicht zu erwarten ist", kritisiert LUA-Referent Markus Pointinger.

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