von Michael J. Mayr | 19.12.2011 | 10:50
Die Westbahn ist noch nicht wirklich auf Schiene
Die Westbahn macht neugierig. Bei einer Mystery-Fahrt Salzburg–Wien sieht das WirtschaftsBlatt Neuheiten, aber auch Verbesserungspotenzial.
Eindrücke einer Westbahn-Reise: Die "Stewards" sprühen vor Charme. Freie Plätze gibt es genug, nur mit Gepäck wird es eng. Zur Labung gibt es Automatenkaffee und Ströck-Snacks
Wien. Ehrlichkeit kann man der Westbahn-Crew nicht absprechen; und Bemühen um wohlgesonnene Kundschaft. „Liebe Gäste, jetzt haben wir's bald geschafft. In sieben Minuten erreichen wir Wien-Westbahnhof", meint der „Weststeward" zum Abschied via Lautsprecher. Es klingt wie eine Entschuldigung für bis zu neun Minuten Verspätung, eine unerklärliche Notbremsung inklusive.
Los geht's in Salzburg überpünktlich. Ganze sieben Minuten vor Fahrplanabfahrt rollt die weiß-blau-grüne Triebwagengarnitur aus Freilassing kommend ein. Das Gros der Zusteigenden will ins Obergeschoss - die Neuheit will erlebt sein. Bei den ÖBB gibt es Panoramawaggons allenfalls im Regionalverkehr. „Liebe Gäste!", begrüßt uns eine Frauenstimme über Lautsprecher. „Nach der Abfahrt fangen ma glei an mit dem Ticketverkauf. Donn san ma im Westcafe zu finden." Aha, hier wird gesprochen, wie einem der Schnabel gewachsen ist.
Die Sitzplätze sind lederüberzogen, auch die Beinfreiheit entspricht der ersten ÖBB-Klasse. „Erste Klasse fahren zu Zweite-Klasse-Preisen", lautet ein Versprechen der Haselsteiner-Bahn. Das WLAN funktioniert. Zeitungen werden nicht gereicht, und Snacks nur, „wenn ich Zeit habe", meint die Stewardess. Die junge Dame sprüht vor Charme. „Derf i eana a Kortn verkaufn?", fragt sie zartfühlend, kassiert 23,80 € und wünscht jedem Gast „a schene Fohrt". Anfangs ist rund jeder zehnte Platz besetzt. Ab St. Pölten füllt sich der Zug mit Pendlern. Im Schnitt dürfte die Platzauslastung 15 Prozent erreicht haben. Pensionisten aus Wien sind in der Überzahl. Sie nützen das Sieben-€-Einführungsangebot für einen Salzburg-Ausflug.
Wenig Gepäckablage
Eng wird es, wenn man Gepäck lagern will. In die Ablagen über dem Sitzplatz passen gerade einmal eine dünne Aktentasche oder eine Jacke. Als Kleiderhaken dienen kleine Knöpfe. Meine Jacke bleibt darauf nicht hängen. Für Koffer gibt es ein Regal pro Waggon. Die ÖBB bieten gefühlt die dreifache Ablagefläche. Das sogenannte „Westcafe" ist eine Nische mit Kaffeeautomat und kalten Snacks in der Vitrine. Die „Westbahn-Tarte" und „Dachstein-Tramezzini" liefert Ströck. Der Kaffee ist von Schärf.
„Bremsprobe"
Der Zug bleibt ungewohnt oft stehen. Ein Mal, kurz vor Linz, handelt es sich um besagte Notbremsung bei 200 km/h. Über Lautsprecher wird uns der Zwischenfall freilich launig als „Bremsprobe des Tages" verkauft. Die geschockten Fahrgäste lächeln milde. Ob sie die Westbahn überzeugt hat, ist fraglich.
2 Kommentare
ich hatte vor einigen wochen das € 9.- euro-ticket der öbb....
...von linz nach graz ausprobiert. abfahrt pünktlich, ankunft in selzthal pünktlich, 2 minuten zum umsteigen am gegenüberliegenden bahnsteig. nur, wer nicht kam, war der zug aus salzburg richtung graz.
3 mal verlängerte verspätung wegen eines lokschadens im bahnhof gröbming . nach 45 minuten ging es weiter, mit der "reparierten" alten öbb-lok und einer uralten db-schnellzugsgarnitur, die aussah, als käme sie aus skopije.
fahrzeit linz graz gute 4 stunden (incl verspätung). dafür wars billig!
die mitreisenden slowenen, die von graz aus mit dem zug weiterwollten, hat es weniger gefreut.
Von Gast: Gast: Gast am 22.12.2011 um 14:48
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Re: Und bitte was ...
... hat ihr Beitrag jetzt mit dem Artikel zu tun? Es scheint tatsächlich so zu sein, dass der Inhalt von Texten nicht mehr richtig erfasst wird. Pisa lässt tatsächlich grüssen ...
Von Gast: Gast: Anonym am 22.12.2011 um 21:20
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