von Eva Komarek | 06.02.2012 | 08:56
Intercell will 2014 die schwarze Null erreichen
Interview. Intercell-CEO Thomas Lingelbach will bis 2014 ein sich selbst tragendes Unternehmen geschaffen haben. Bis dahin soll auch ein Investor gefunden worden sein
Intercell-CEO Thomas Lingelbach sucht einen Investor für einen Anteil von 25 Prozent
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Intercell-CEO Thomas Lingelbach
Unser Ziel ist ein Biotech-Unternehmen, das sich selbst trägt
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Intercell-CEO Thomas Lingelbach
Wir gehen davon aus, dass wir noch vor 2014 einen Investor finden
WirtschaftsBlatt: Sie haben letzte Woche den positiven Abschluss der Phase III-Studie an Kindern für den Japanische Enzephalitis-Impfstoff Ixiaro bekannt gegeben. Wie läuft denn der Verkauf jetzt?
Thomas Lingelbach: Intercell hat ein ungewöhnliches Geschäftsmodell im Vergleich zu anderen Biotechfirmen, weil wir ein Hybrid sind. Wir entwickeln nicht nur Impfstoffe, wir haben auch ein Produkt auf dem Markt, das Umsätze und in Zukunft auch Gewinne generiert. Wir haben mittlerweile ein Umsatzlevel von 40 bis 45 Millionen € erreicht, davon sind rund die Hälfte Intercell-Umsätze, die andere Hälfte geht an Novartis. Das ist für das dritte Jahr nicht schlecht.
Sie haben für 2011 eine Guidance von 60 bis 70 Prozent Umsatzplus für Ixiaro gegeben. Ist das im Rahmen?
Wir sind gerade dabei, die Jahresendergebnisse zu konsolidieren. Aber ich kann sagen, wir sind voll in der Guidance. Heuer ist unser Ziel, dass sich das Produkt selbst trägt. Das heißt, dass wir die weiteren Entwicklungskosten, die wir in das Produkt noch investieren müssen, über die Gewinne finanzieren können.
Wie geht es denn generell bei der Restrukturierung voran? Wie lange müssen Investoren noch Verluste akzeptieren?
Wir haben eine genaue Guidance für die Umsätze aus Ixiaro sowie Umsätze aus bestehenden und künftigen Partnerschaften gegeben. Wir haben unser gesamtes Forschungs- und Entwicklungsportfolio neu aufgesetzt und die Kosten um 60 Prozent reduziert.
Was bedeutet das in konkreten Zahlen?
Wir haben für 2011 eine Guidance gegeben, dass wir Verluste von 30 bis 40 Millionen schreiben. Das bedeutet eine Reduktion der Verluste um 60 Prozent. Das werden wir auch erreichen und man kann davon ausgehen, dass wir auf der positiven Seite unserer Guidance sind. In diesen Verlusten stecken noch sehr hohe Anteile an Restrukturierungsaufwendungen, sodass wir in Kombination mit einer weiteren positiven Entwicklung unserer Erträge aus Ixiaro auf dem Weg sind, 2012 die Verluste weiter signifikant zu reduzieren. Unser Ziel ist, ein Biotech-Unternehmen zu werden, das sich selbst tragen kann.
Wann wird es so weit sein?
In drei Jahren ist Ixiaro von den Umsätzen auf einem Niveau, dass wir unsere F&E-Kosten der bestehenden Pipeline finanzieren können. Dann haben wir ein Produkt, das so viel abwirft, dass wir kein zusätzliches Fremdkapital mehr brauchen.
Sie rechnen also 2014 mit einer schwarzen Null?
Ja, 2014 wird das Break-even-Jahr, und das, ohne die Programme, die wir im Moment in der Pipeline haben, zu reduzieren.
Die meisten Analysten befürchten, dass Intercell das Geld ausgehen wird, zumal im März 2014 die Wandelanleihe ausläuft. Wie lange reicht das Cash noch?
Das ist genau der Kritikpunkt, der uns fast täglich erreicht. Fakt ist, wenn wir gemäß unseres Geschäftsplans weiterarbeiten, inklusive einer quartalsweisen Rückzahlung der Wandelanleihe von drei Millionen € - wir haben bereits im dritten und vierten Quartal jeweils drei Millionen € in Cash zurückgezahlt -, würde unser Cash genau bis zum Break-even 2014 reichen.
Wenn alles nach Plan läuft ...
Richtig, aber darf man als Management davon ausgehen, dass alles nach Plan geht? Nein. Deshalb sage ich immer wieder, wenn wir eine interessante Möglichkeit finden, zusätzliches Kapital ins Unternehmen zu bringen, werden wir es tun. Damit würden wir über den notwendigen Puffer verfügen, um sagen zu können, wir sind durchfinanziert. Außerdem wünschen wir uns einen stabilen Kernaktionär. Und der dritte Vorteil wäre, dass wir noch zusätzliche vielversprechende Kandidaten aus der Forschung in die Entwicklung nehmen könnten. Wir haben jetzt beispielsweise einen Kandidaten in der Forschung für einen Borreliose-Impfstoff.
Sie bräuchten also einen Investor noch vor 2014.
Wir gehen davon aus, dass wir noch vor 2014 einen Investor finden. Es ist eine Priorität-1-Aktivität.
Wie viel Prozent würden Sie abgeben?
Die Hauptversammlung hat 16 Millionen Aktien genehmigt. Das heißt, wir könnten einen Anteil von 25 Prozent vergeben.
Wäre auch ein Gesamtverkauf denkbar?
So wie es jetzt aussieht, können wir für die Aktionäre und Mitarbeiter stand-alone mehr Wert generieren als durch eine Übernahme. Wir haben auch keinen Verkaufsprozess angeschoben und kein ernsthaftes Angebot bekommen.
Und wenn Sie keinen Investor finden?
Dann ist noch verstärktes Partnering oder eine Fusion möglich. Bis Mitte 2012 wollen wir entscheiden, welche Variante Sinn ergibt.
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