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Dialog-backdrop ,,Wir müssen die Stärken weiter stärken"Der Wirtschaftsstandort Wien hat international nach wie vor eine gute Position, ist Gerhard Hirczi, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien, überzeugt.
Gerhard Hirczi sieht das Halten des Wachstums als eine der großen Herausforderungen der Zukunft an- um die Jobs der 800.000 Beschäftigten weiter sichern zu können ZitiertGerhard HircziWir versuchen, die Komplexität rauszunehmen und können Unternehmen vieles, was sie kratzt, abnehmen. Zur PersonGerhard Hirczi, Geschäftsführer Wirtschaftsagentur WienSeit September 2009 leitet Gerhard Hirczi die Wirtschaftsagentur Wien. Der studierte Volkswirt begann seine berufliche Laufbahn als Unternehmensberater. Es folgten Stationen im Bundeskanzleramt und als wirtschaftspolitischer Berater im Kabinett des früheren Bundeskanzlers Franz Vranitzky. Seit 1997 war Hirczi in mehreren Funktionen bei der Siemens AG Österreich tätig, zuletzt als Konzernpersonalleiter des Siemens Clusters Zentral- und Osteuropa.
WirtschaftsBlatt: Im ersten Halbjahr hat es in Wien 68 Neuansiedlungen gegeben - wie schätzen Sie generell die Position des Wirtschaftsstandortes Wien ein? Gerhard Hirczi: Gut. Es gibt einige Indikatoren, dass sich Wien sehr gut gehalten hat. Wien ist eine der reichsten und kaufkräftigsten Regionen der Europäischen Union. Wir beobachten seit Jahren, dass die Ansiedlungen konstant verlaufen. Und dass sich die Befürchtungen, dass die östlichen Nachbarhauptstädte an uns vorbeiziehen könnten, nicht bewahrheitet haben. Wien hat auch in der Krise 2009 die Position gehalten. Es hat sich deutlich gezeigt, dass wir einen schwächeren Abschwung verkraften mussten als andere Agglomerationen. Die Wiener Wirtschaft ist extrem krisenresistent. Was sind für Sie die Herausforderungen der nächsten Jahre? Wir müssen das Wachstum schaffen, mit dem wir die Beschäftigung halten können. Heute sind dafür 2,1 Prozent Wachstum nötig. Das ist sehr wichtig, wir wollen schließlich 800.000 Beschäftigte ernähren. Ein weiterer Aspekt ist die Qualität der Infrastruktur, und zwar die materielle sowie die immaterielle. Und wir müssen die Stärkefelder der Wirtschaft weiter ausbauen - da dürfen wir keinesfalls nachlassen. Wir müssen in diesen Stärkefeldern eine Leuchtturmgröße erreichen, um international eine Anziehungskraft zu erreichen-mit einem Wort: Wir müssen die Stärken weiter stärken. An welche Maßnahmen denken Sie? Wir als Wirtschaftsagentur haben dank unseres breiten Portfolios, das von Immobilien über Förderungen bis zu Dienstleistungen reicht, einige Möglichkeiten: Ich denke da beispielsweise an die Cluster. Seit Jahresanfang gibt es drei Cluster, und zwar zu den Themen Mobility, IKT und Umwelttechnologie, und eine eigene Clusterabteilung. Oder an unsere Aktivitäten im Immobilienbereich. Etwa in St. Marx und der Seestadt Aspern? Ja. In St. Marx errichten wir gerade das Media Quarter Marx 3 -in einem Public Private Partnership-Modell. Und in Aspern haben wir vor Kurzem mit dem Bau des Aspern IQ, einem Technologiezentrum, begonnen. Schwerpunkt sollen dort umweltfreundliche Technologien werden. Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf? Beim Humankapital. Wien hat sich zu einer Skill-intensiven Dienstleistungsmetropole entwickelt. Dieser Weg muss weitergegangen werden-aber das geht nur, wenn man Leute mit dem entsprechenden Know-how hat. Im Bereich Ausbildung ist Wien ja gut positioniert, da haben wir eine breite Basis, aber im tertiären Bereich ist sie schmäler. Der Trendforscher Andreas Reiter hat vor Kurzem gesagt, dass die Industrie immer der Motor einer innovationsgetriebenen Standortpolitik sein wird. Und dass diese Metropolen gewinnen, denen es gelingt, Produktion, Forschung und Entwicklung sowie kreative Dienstleistungen zu vernetzen, um damit Talente anzuziehen. Was sagen Sie zu der Einschätzung, was kann man tun, um auch die Produktion in Wien zu stärken? Eine Stadt wie Wien braucht beides. Es geht nicht, dass in Wien nur produziert wird oder nur noch Dienstleistungsbetriebe daheim sind. Ich sehe es nicht als Gott gegeben an, dass es in einer Großstadt keine Produktion geben darf. Man darf nicht vergessen, dass große Produktionsbetriebe ja auch Qualitätsmaßstäbe setzen. Wenn etwa General Motors einem lokalen Maschinenbauer einen Auftrag erteilt, ist das ein Hinweis, dass da die entsprechende Qualität vorhanden ist. Und auch nach Beendigung des Auftrages nicht verloren geht. Wer in Wien Betriebsgrundstücke sucht, klagt immer wieder über die hohen Grundstückspreise... Da können wir nicht mit Niederösterreich oder dem Burgenland konkurrieren, das ist klar. Aber wir können Unternehmen in Aspern auch Flächen anbieten, die sie nach ihren eigenen Bedürfnissen adaptieren können. Dort wird es im Endausbau 20.000 Wohn- und 20.000 Arbeitsplätze geben - und ein respek tabler Anteil davon ist für produzierende Betriebe reserviert. Und ich gehe davon aus, dass das bereits erwähnte Technologiezentrum dem Gewerbe ebenfalls neuen Schwung verleihen wird. Wie wichtig ist Innovation? Innovation ist ein Lebenselixier. Aber es ist wichtig, den Innovationsbegriff nicht zu schmal zu setzen. Die Innovationen im High End-Bereich, an Universitäten und Hochschulen, sind die Spitze, aber ich darf nicht die Innovationen vergessen, die im Handwerk und produzierenden Bereich passieren. Aber gerade Kleinbetriebe scheuen sich angesichts der Bürokratie oft, etwa Anträge auf Förderungen zu stellen. Wir versuchen, die Komplexität rauszunehmen und können Unternehmen vieles, was sie kratzt, abnehmen. Aktuell sind wir dabei, uns so aufzustellen, dass man dem Unternehmer beim Erstkontakt alles aus unserem Portfolio anbietet, was er brauchen könnte - sei es eine Förderung, eine Finanzierung oder eine Immobilie. Also ein One-Stop-Shop? Bei uns heißt das: There ist no wrong door. Wir wollen die Leute nicht mehr im Haus weiterschicken, sondern jener Berater, der den Erstkontakt mit dem Kunden hat, trägt Sorge dafür, dass dieser vom entsprechenden Kollegen kontaktiert wird. Auf welche Länder konzentrieren Sie sich bei der Ansiedlungswerbung? Da überlegen wir, ob wir nicht weg von einer geografischen hin zu einer thematischen Orientierung gehen. Das Interview führte URSULA RISCHANEK mehr Wien…
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