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„Arbeitsmarkt ist noch zu gut für die Wirtschaftslage"

13.07.2009 | 17:37 | Evelyn Holley-Spiess (Wirtschaftsblatt)

Johannes Kopf, Vorstand des AMS, stellt sich auf „viele schlechte Jahre ein". Lichtblick: Rund 60 Prozent der Unternehmen halten den Arbeitsmarkt zumindest in Bewegung.

Es ist eine unerwartete Hiobsbotschaft mitten in ohnehin äußerst angespannten Zeiten am Arbeitsmarkt: „Wir stehen heuer eigentlich besser da, als es die BIP-Entwicklung erlaubt", sagt Johannes Kopf, Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS) im Gespräch mit dem WirtschaftsBlatt. Konsequenz: Der AMS-Chef will schon jetzt alle Beteiligten darauf vorbereiten, „dass wir uns auf viele Jahre schlechter Arbeitsmarktentwicklung einstellen müssen." Kopf hat zur Jahresmitte aber nicht nur unangenehme Botschaften parat. Die gute lautet: Der Jobmarkt bleibt in Bewegung. Dafür sorgen heuer und im nächsten Jahr rund ein Fünftel der Betriebe, die weiter wachsen oder neu gegründet werden sowie rund 40 Prozent der Unternehmen, die die Beschäftigung stabil halten wollen - und aufgrund von Fluktuation ebenfalls den einen oder anderen neuen Mitarbeiter brauchen.

Zuviele Mitarbeiter

Der Reihe nach: Wenn die Wirtschaft um 3,5 bis vier Prozent schrumpft, das Minus bei der Beschäftigung aber aktuell „nur" 1,6 Prozent ausmacht, ist für den Arbeitsmarktexperten klar: „Die Personenproduktivität sinkt, und zwar massiv. Was nichts anderes bedeutet, als dass die Betriebe eigentlich noch zuviele Leute haben." Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen setzt die Politik Akzente, etwa in Form des Kurzarbeits-Modells. Zum anderen „zeigen die Daten auch, dass sich die Unternehmen bemühen, ihren Personalstand möglichst lange zu halten."

Für 2009 ergibt sich dadurch die erwähnte positive Verzerrung. Und die längerfristige Entwicklung? Kopf: „Wenn die Konjunktur wieder anspringt, wird man das am Arbeitsmarkt lange nicht sehen, da die Betriebe noch genügend Ressourcen haben."
Und nicht nur das: Das AMS hat für das kommende Jahr mittlerweile zwei Szenarien. Ursprünglich wurde davon ausgegangen, dass die Arbeitslosigkeit um 40.000 Personen im Jahresschnitt steigt. Mittlerweile hält man auch bis zu 60.000 für möglich, wenn den Firmen irgendwann doch die Luft ausgeht. Damit wären die Zuwächse zwischen 20 und 30 Prozent im Jahresvergleich ähnlich stark wie heuer.

Große Bugwelle

Last but not least wird auch der Andrang von zusätzlichen Arbeitskräften früher oder später wieder zunehmen. „Wer jetzt kann, geht in Pension. Ausländer bleiben zuhause, weil sie schlechte Jobaussichten haben. Bei Wiedereinsteigerinnen ist es ähnlich. Und Jugendliche, die mit der Ausbildung fertig sind, hängen noch eine andere an", skizziert Kopf, warum das Arbeitskräftepotenzial derzeit eher sinkt. Sobald die Wirtschaft wieder anzieht, wird ein Gutteil dieser Menschen auf Stellensuche gehen. Dann gilt es, diese Bugwelle aufzufangen.


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