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Lateinamerika gegen Spanien - das heißt Simon Bolivar

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von Herbert Geyer | 02.07.2010 | 10:15

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Lateinamerika gegen Spanien - das heißt Simon Bolivar

Simon Bolivar, der Befreier Lateinamerikas, gilt am ganzen Subkontinent als Nationalheld - obwohl sein Traum einer geeinten südamerikanischen Nation gescheitert ist.

WB/Foltin

Simon Bolivar hat heute noch Fans in aller Welt. Sein Denkmal im Wiener Donaupark wurde von Venezuelas Staatschef Hugo Chavez gestiftet.

Die Viertelfinali, die heute und morgen über die Rasenflächen Südafrikas gehen, bergen eine Menge interessanter Geschichte - man denke nur an die zahlreichen prominenten Deutschen, die ihr Heil in Argentinien gesucht haben (von Adolf Eichmann bis Josef Mengele), oder daran, dass ein nicht geringer Teil der (schwarzen) Bevölkerung Brasiliens ihre Wurzeln in Ghana hat.

Wir haben uns aber dann - weil heuer auch ein runder Jahrestag zu feiern ist - für das Duell Paraguay gegen Spanien entschieden: Jedes lateinamerikanische Team freut sich darauf, den Spaniern zu zeigen, wo Gott wohnt - und das erst recht im 200. Jahr der Unabhängigkeitserkärungen in den meisten lateinamerikanischen Staaten.

Das Jahr der Freiheit

Vor genau 200 Jahren also, am 18. April 1810, rief der in Caracas geborene Simon Bolivar die Selbstverwaltung der damaligen spanischen Kolonie Venezuelas aus und löste damit eine ganze Welle von Unabhängigkeitserklärungen aus: Noch 1810 sagten sich Kolumbien, Chile und Argentinien von Spanien los.

Paraguay selbst, das ursprünglich zum legendären Jesuitenstaat gehört hatte und erst relativ spät (1767) vom spanischen Staat übernommen wurde (der mit den Einnahmen aus der neuen Kolonie wieder einmal seine Staatsfinanzen sanieren wollte), erklärte erst 1811 seine Unabhängigkeit.

Die Spanier schickten Truppen, aber der Widerstand war zu stark: Indios, schwarze Sklaven (auch Haiti, als Republik ehemaliger Sklaven damals ein Hort der Freiheit, schickte Freiwillige) und spanischstämmige Wirtschaftstreibende, denen die spanischen Steuern nicht behagten, erwiesen sich schließlich als stärker. Nach heftigen Kämpfen mussten die Spanier ihre Kolonien räumen. Als Bolivar 1830 starb, stöhnten nur noch Mexiko, Brasilien und Kuba unter europäischem (Spanien bzw. Portugal) Joch.

Bolivarische Republik

Bolivar gilt seither in ganz Lateinamerika als Volksheld, Bolivien wurde gleich ganz nach ihm benannt, Venezuela nennt sich offiziell "Bolivarische Republik" und seine Währung "Bolivar", eine kubanische Zigarrenmarke und zahlreiche Insitutionen in ganz Lateinamerika führen Bolivars Namen, und außerhalb Spaniens stehen allenthalben Denkmäler, die seine Verdienste würdigen - eines auch im Wiener Donaupark.

Dabei ist Bolivar mit vielen seiner Anliegen gescheitert: Er wollte nicht bloß die Unabhängigkeit von Spanien, sondern Vereinigte Staaten von Südamerika, die den Einfluss Europas und der USA draußen halten sollten. Als sich abzeichnete, dass dieser Traum ein Traum bleiben würde, gründete er wenigstens ein Großkolumbien, das die heutigen Staaten Venezuela, Ecuador, Bolivien und Panama umfasste. Aber die zentrifugalen Kräfte waren zu stark, und obwohl sich Bolivar selbst zum Diktator seines Wunsch-Staates ausrief, zerfiel dieser in der Folge.

Von Einigkeit war auch sonst wenig zu spüren: Zwischen Paraguay und seinen Nachbarn Argentinien, Brasilien und Uruguay brach ein langer blutiger Krieg aus, der Paraguay ruinierte.

Gescheitert ist Bolivar auch mit seinem Anliegen der Sklavenbefreiung - die kam erst zu Ende des Jahrhunderts.

Ein Match Lateinamerika gegen Spanien ist also eine emotionale Sache. Auch wenn es um Volkswirtschaft geht. Die Spanier legen gleich mächtig los: Mit einem BIP pro Kopf von nicht einmal 13 Prozent des EU-Schnitts ist Paraguay kein Gegner, Spanien ist stolz, seit der Ost-Erweiterung den EU-Schnitt zu übertreffen - aktuell mit 103 Prozent:

0:1

Beim nächsten Punkt - Wirtschaftswachstum im Vorjahr - wird's schon knapper: Paraguay legt ein Schrumpfen von 3,5 Prozent vor, Spaniens Minus betrug 3,6 Prozent:

1:1

Paraguays Exportquote von 23,0 Prozent des BIP ist für ein kleines Land mager - aber so klein ist Paraguay gar nicht: Es ist etwa so groß wie Deutschland und die Schweiz zusammen. Daneben nehmen sich die 14,7 Prozent des kleineren Spanien mickrig aus:

2:1

Bei der Arbeitslosigkeit hat Spanien mit rekordverdächtigen 18,1 Prozent nicht viel zu melden, diese Hürde schafft Paraguay mit bloß 7,9 Prozent locker:

3:1

Jetzt könnte Spanien auch mit höchster Budgetdisziplin nur noch das Ergebnis verschönern, das Defizit betrug im Vorjahr aber 7,9 Prozent. Paraguay würde sich hingegen mit seinen 0,9 Prozent locker für die Eurozone qualifizieren und erhöht zum Endstand:

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