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Industriespionage: Firmen unterschätzen die Gefahr

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von Kid Möchel, Evelyn Holley-Spiess | 15.02.2008 | 12:44

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Industriespionage: Firmen unterschätzen die Gefahr

Industriespionage macht auch vor österreichischen Unternehmen nicht halt. Die Verfassungsschützer des Innenministeriums schätzen das wirtschaftliche Gefährdungspotenzial auf fünf Milliarden €. Vor allem Chinesen sollen besonders aktiv sein.

epa

Firmen unterschätzen die Gefahr von Spionage

Vergangenen Montag platzte in den USA eine Spionage-Bombe. Vier Personen wurden wegen nachrichtendienstlicher Tätigkeiten für China verhaftet.

Der erste Fall dreht sich um den Pentagon-Mitarbeiter Gregg William Bergersen und die beiden gebürtigen Chinesen und US-Staatsbürger Yu Xin Kang und Tai Shen Kuo, die geheime militärische Informationen an Peking geliefert haben sollen.

Im zweiten Fall geht es um den US-Staatsbürger Dongfan "Greg" Chung, ein ehemaliger Mitarbeiter von Rockwell bzw. Boeing. Chung wird u. a. in acht Fällen der Industriespionage für China bezichtigt. Laut FBI sollen Mitarbeiter der chinesischen Flugzeugindustrie seit 1979 Informationsbeschaffungsaufträge an Chung erteilt haben. Er soll die Chinesen dann auch fleissig mit Betriebsgeheimnissen von Boeing und dem Space Shuttle beliefert haben.

Zielland Österreich

Auch Österreich ist in Sachen Industriespionage keine Insel der Seligen. Im Gegenteil. "Die Industriespionage nimmt zu. Österreich gilt dabei weltweit als Selbstbedienungsladen", spitzt es Thomas Havranek vom Wiener Unternehmen Corporate Intelligence Network (CIN) zu. "Österreich ist sozusagen der McDonalds unter den Industriespionage-Ländern." Havranek legt aber Wert auf Differenzierung: "Es ist zwar richtig, dass die Chinesen einen Know-how-Nachteil haben, den sie aufholen wollen. Es ist aber falsch, das Thema allein auf China zu reduzieren." Laut Havranek sollen auch die Nachrichtendienste der USA, von Frankreich, Grossbritannien und Russland Industriespionage-Aktivitäten zugunsten nationaler Unternehmen durchführen.

Chinesen am Vormarsch

Die Chinesen fallen aber offenbar immer öfter auf. Laut deutschem Verfassungsschutz führen rund 60 Prozent aller Spionageverdachtsfälle in unserem nördlichen Nachbarland nach China. Die Chinesen sind bekannt als fleissige Informationssammler. "Was wir mitbekommen haben, ist, dass Personen, die ins Ausland fahren dürfen, automatisch auch etwas nach Hause mitbringen", sagt ein österreichischer Spionageabwehr-Experte. "Die saugen ab, was geht. Zuhause gelten sie dann als brave Soldaten." Dem Vernehmen nach soll im Vorjahr ein Mitglied einer offiziellen Wirtschaftsdelegation in Linz im Rahmen eines Industrie-Vortrags sogar einen USBStick an den Computer des Vortragenden angedockt haben, um Informationen abzusaugen. Elektronische Computerattacken durch chinesische Staats-Hacker (Militärischer Nachrichtendienst), wie sie im Vorjahr in Deutschland aufgeflogen sind, sollen in Österreich weder bekannt noch entdeckt worden sein.

In Deutschland hatte der Verfassungsschutz chinesische Computerspähprogramme im Kanzler- und Aussenamt sowie im Wirtschaftsund Forschungsministerium entdeckt. Ein Abfluss von rund 160 Gigabyte an Daten konnte von der Spionageabwehr noch verhindert werden.

Innovative Firmen

"Jede Firma, die einen Knowhow-Vorsprung hat, ist bedroht. Wir haben in Österreich viele kleine und mittlere Betriebe, die auf ihren Spezialsektoren weltweit an der Spitze sind", sagt Max Burger-Scheidlin von der Internationalen Handelskammer (ICC). "Wir waren in einen Fall einer österreichischen Firma mit 150 Mitarbeitern involviert, die einen hohen Weltmarktanteil hat und bei der eine Delegation von 42 Chinesen eine Betriebsbesichtigung machen wollte." Nachsatz: "Wir konnten den Betriebsbesuch stoppen." In einem anderen Fall sollten chinesische Studenten in ein forschungsintensives Unternehmen hineingebracht werden. "Ich habe vermutet, dass diese Studenten zusätzliche Aufträge haben", sagt Burger-Scheidlin. "Wir wissen, dass alle bekannten grossen Mächte Industriespionage betreiben, aber den grössten Zuwachs haben die Chinesen." Bei der Informationsbeschaffung der Chinesen vermische sich oft die legale und illegale Seite. "De facto ist der Übergang fliessend", weiss Burger-Scheidlin.

Know-how-Diebstahl

"Industriespionage bedeutet Know-how-Diebstahl", sagt Havranek. "Am häuftigsten geht es um Einkaufs-, Verkaufs- und Kundendaten." Auf Platz zwei rangiert der Diebstahl von Plänen und Blaupausen von Produkten. Auf Platz drei findet man strategische Informationen wie Expansions- und Übernahmeziele. Havranek: "Die häufigsten Quellen sind Schlüsselmitarbeiter."

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