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Tradition ist wichtig - aber auch der Mut zur Veränderung

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von Hans Pleininger | 19.02.2008 | 23:47

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Tradition ist wichtig - aber auch der Mut zur Veränderung

Seit 14 Generationen klingen die Glocken bei Grassmayr. Hätte sich der Tiroler Familienbetrieb nicht neu erfunden, wäre es sehr still geworden.

APA

Tradition ist für viele Familienunternehmen eine oft betonte Leidenschaft. Damit aber die eigene Geschichte keine Leiden schafft, müssen sich Unternehmer offensiv und ehrlich mit ihrem Geschäft auseinandersetzen und bei Bedarf den Mut für Veränderung aufbringen - damit Tradition weiterleben kann.

Seit 14 Generationen führt die Innsbrucker Dynastie Grassmayr ihren Glockengiessbetrieb. Die Gründung war 1599. Das Geschäftsfeld wurde nie verlassen. Vor einigen Jahren hatte die Familie Grassmayr aber Handlungsbedarf: "Den alten Betrieb so weiterzuführen wie früher, hätte uns in eine Sackgasse geführt", sagt Johannes Grassmayr, der den Betrieb im Team mit seinem Bruder Peter und Cousin Roland führt.

Die Glockengiesser seien eine aussterbende Zunft. 50 gibt es noch rund in Europa. In 20 Jahren werde es laut Schätzungen von Johannes Grassmayr nur noch zehn geben. "Wir sind erfolgreich - und so wie es ausschaut, werden wir auch in den nächsten 20 Jahren erfolgreich sein."

Dafür hat Grassmayr vor mehr als zehn Jahren einen Veränderungsprozess eingeläutet, bei dem in der Glockenproduktion nach 400 Jahren kein Stein auf dem anderen geblieben ist. Grassmayr hat sich praktisch neu erfunden. "Wir haben der Sehnsucht nach der Stradivari unter den Glocken alles untergeordnet", sagt Grassmayr.

Künftig wolle man nicht mehr die billigste, sondern die schönste Glocke giessen. "Wir starten pro Monat einen Versuch, eine Veränderung, um uns weiterzuentwickeln." Mit Universitäten und Fachhochschulen werde dabei intensiv zusammengearbeitet.

"Vor 14 Jahren haben wir angedacht, überhaupt keine Glocken mehr zu machen, weil die Marktpreise so niedrig waren", sagt Grassmayr. Heute macht der Tiroler Familienbetrieb dreimal so viel Glocken wie damals. "Pro Jahr ein paar hundert grosse und ein paar tausend kleine."

Grassmayr sei ein Wirtschaftsbetrieb. Danach müsse man auch handeln. Tradition bleibt bei Grassmayr aber wichtig: "Nur wer seine Wurzeln kennt, hat Zukunft."

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