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Kalter Februar bringt Frankreich und Deutschland in Stromnot

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16.02.2012 | 16:18

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Kalter Februar bringt Frankreich und Deutschland in Stromnot

Stromnetz. Ausgerechnet das Atomland Frankreich braucht verstärkt Strom aus dem Ausland, unter anderem vom Atomaussteiger Deutschland.

dpa

Derzeit muss in Frankreich und Deutschland alles ans Netz, was Strom erzeugt

Facts

Stromhändler und Strombörse
Sogenannte Bilanzkreisverantwortliche sind in Deutschland dafür zuständig, dass Stromproduktion und -verbrauch zu jeder Tageszeit möglichst exakt für eine Stromnetzregion prognostiziert werden, um die Lastflüsse stabil zu halten. Sie müssen gemäß ihren Prognosen so viel Strom einkaufen, wie gebraucht wird. Vertraglich sind die Stromhändler verpflichtet, die Prognosen nach besten Wissen und Gewissen zu geben - sonst können sie ihre Lizenz verlieren.

Gehandelt wird Strom unter anderem an der 2002 gegründeten einzigen deutschen Energiebörse EEX in Leipzig. Rund ein Fünftel der deutschen Stromkapazität wird über die EEX gehandelt. Die EEX hält zudem 50 Prozent an der deutsch-französischen Strombörse EPEX SPOT mit Sitz in Paris, die den kurzfristigen Stromhandel (Spotmarkt) für Deutschland, Frankreich, die Schweiz und Österreich abwickelt. Hier sind derzeit 210 Handelsteilnehmer aus 22 Ländern zugelassen.
Hierüber müssen sich viele Stromhändler bei kurzfristig notwendigen Stromzukäufen eindecken. Ist die Nachfrage hoch, steigt entsprechend der Börsen-Strompreis. Um sich gegen Preisschwankungen abzusichern, kaufen viele Großabnehmer einen Grundsockel ihres Bedarfs langfristig ein, teils auf Jahre im Voraus (Terminmarkt).

(APA/dpa)

Paris/Berlin. Bei der Kälte brummen in Frankreich die Stromheizungen, der Verbrauch explodiert. Aber auch in Deutschland bleibt die Situation angespannt: In Baden-Württemberg wurde ein Reservekraftwerk ans Netz genommen, außerdem wurde die Leistung zweier Kraftwerke aus Österreich angefordert, erklärte das Landes-Umweltministerium in Stuttgart zur Wochenmitte.

Wie bekannt hatten sich die österreichischen Versorger Verbund und EVN schon im Herbst zu einer "Strom-Hilfe" für Deutschland über den Winter bereit erklärt und dafür bestimmte thermische Kapazitäten zur Verfügung gestellt.

Rekordverbrauch in Frankreich

Trotz Atomausstiegs und Eiseskälte hat Deutschland derzeit genug Strom, um Frankreich vor einem Energieengpass zu bewahren. Nach Angaben des französischen Netzbetreibers RTE kletterte der Bedarf dort phasenweise bis auf 100.500 Megawattstunden (MWh) - er lag damit so hoch wie nie zuvor. Seit Tagen liefert auch Deutschland trotz nur noch neun Atommeilern viel Strom. "Die Energiewende hat den ersten Härtetest bestanden", sagte der deutsche Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) am Mittwoch im Bundestag.

Deutschland exportiere derzeit täglich netto 150.000 bis 170.000 Megawatt-Stunden Strom.
Der Stromverbrauch war am Mittwoch fast die ganze Zeit doppelt so hoch wie in Deutschland, obwohl hier mehr als 15 Millionen Menschen mehr leben. Ein Grund dafür sind die vielen Elektroheizungen in Frankreich, die bei der anhaltenden Kälte große Mengen Strom fressen. Gerade mittags und abends liegt der Verbrauch seit Wochenbeginn in Frankreich wiederholt bei knapp 100.000 Megawattstunden.

Der französische Verbrauch entsprach der Leistung von mehr als 80 Atomreaktoren mit einer Leistung von 1.200 Megawatt (MW). Da in Frankreich aber derzeit nur 55 Meiler Strom liefern und andere Quellen den Bedarf nicht decken können, muss das Land Strom einführen. Der Börsenstrompreis war am Dienstagabend mit 34 Cent je Kilowattstunde (kWh) in Frankreich wegen der massiven Nachfrage fast dreimal so hoch wie zur selben Zeit in Deutschland, wo nur noch neun AKW laufen.

Die französische Regierung sprach von einer Ausnahmesituation. Auf das Jahr hochgerechnet exportiere Frankreich mehr Strom als es importiere, betonte das zuständige Energieministerium. Ein Atomausstieg wird von Präsident Nicolas Sarkozy kategorisch ausgeschlossen und als viel zu teuer beurteilt.

Erneuerbare kappen Winterspitzen

Teilweise muss Frankreich derzeit mehr als 7.000 MWh Strom importieren, um die Versorgung zu sichern. In Deutschland federt in hohen Verbrauchszeiten zu Mittag wegen der vielen Sonne der oft geschmähte Solarstrom Verbrauchsspitzen ab. Auch der Windstrom hat je nach Wetter einen Anteil daran, dass auch nach Stilllegung von acht AKW größere Probleme bisher ausblieben. Nach der Atomwende wegen der Fukushima-Katastrophe hatten Energiemanager betont, man werde nun dauerhaft von französischem Atomstrom abhängig sein.

RWE-Chef Jürgen Großmann warnte aber vor zu viel Euphorie, denn bei einem größeren Kraftwerksausfall könne die Lage auch schnell wieder ganz anders aussehen und brenzlig werden. Man fahre auf Sicht. "Niemand kann ein Interesse haben an einem großflächigen Blackout, der einen gigantischen volkswirtschaftlichen Schaden verursachen würde", sagte Großmann der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Reservekraftwerke am Netz

Wegen der anhaltenden sibirischen Kälte und geringerer Erdgaslieferungen aus Russland ist in Baden-Württemberg erstmals ein Reservekraftwerk ans Netz gegangen. Die Einschaltung eines Blocks des Großkraftwerks Mannheim (GKM) sei auf Anforderung der Netzbetreiber erfolgt, erklärte der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) am Mittwoch in Stuttgart. "Es bleibt sichergestellt, dass der Strombedarf in Baden-Württemberg nicht nur gesichert ist, sondern selbst beim unerwarteten Ausfall eines Kraftwerks kein Engpass entsteht." Wegen der Kältewelle hat sich der Strombedarf zuletzt deutlich erhöht. Zudem musste wegen zu geringer Gaslieferungen aus Russland ein Gaskraftwerk in Karlsruhe vom Netz genommen werden.

(APA/dpa/Reuters)

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