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Dialog-backdrop Anonymer Blick in fremde WohnungenWie wohnen andere? Wer das wissen will, sollte sich auf einer der gerade online gegangenen Wohnplattform umschauen. Bei der Gelegenheit kann man sich auch gleich Wohntipps holen – und abgeben. Zeige mir, wie du wohnst, und ich sage dir, was ich davon halte: Nach diesem Prinzip funktionieren Wohnportale im Internet, von denen in den vergangenen Monaten gleich drei online gegangen sind. Wer der erste Anbieter der virtuellen Wohnberatung war, darüber streiten die einzelnen Anbieter einstweilen noch. Die Idee, die solebich.de, mynesto.de und zimmerschau.de zugrunde liegt, ist aber gleich: Neugier. „Uns hat interessiert, wie es in den Wohnungen hinter den tollen Fassaden ausschaut“, sagt Daniel Eichhorn, der mit Innenarchitektin Nicole Maalouf im Februar 2007 „so leb’ ich“ ins Leben gerufen hat. Alle drei Webseiten bieten Menschen die Möglichkeit, ihre vier Wände anderen kostenlos und anonym zu präsentieren. Das Prinzip ist simpel: User stellen Bilder ins Netz und lassen sich Tipps und Kommentare zur Einrichtung geben – mit recht unterschiedlicher Resonanz. Während sich beispielsweise unter zimmerschau.de für das Penthouse von „JospehHome“ 160 User interessieren, aber keiner bis jetzt ein paar nette Worte gefunden hat, darf sich „Mitch“ immerhin über 6320 Betrachter und 53 Bewertungen freuen. „Karin38“ will wissen, woher die Lampe ist. „Moppelchen“ attestiert ein „schön aufgeräumt“ und „Oskar“ findet, dass „die Vorhänge hervorragend zum Bettbezug passen“. Studentenbude und Villa Der Nutzen dieser Plattform mag sich angesichts dieser Kommentare nicht jedem erschließen. Der Bedarf scheint aber gegeben sein. Markus Seim von Zimmerschau.de peilt bis Ende des Jahres eine Million Besucher pro Monat an – einstweilen sind es 100.000. Seine Hauptzielgruppe sind Frauen. „Von der kleinen Studentenbude bis zur Villa soll jeder mitmachen“, sagt Seim, der von seiner Plattform noch nicht leben kann. Nicht nur Privatpersonen, sondern auch Gewerbetreibende wollen Iskender Dirik und Raimar von Wienskowski von mynesto ansprechen. „Das Community-Angebot richtet sich auch an Hotels, Gastronomiebetriebe oder Ladengeschäfte, die mit den Bildern ihres Interieurs auf besondere Weise auf sich aufmerksam machen möchten“, sagt Wienskowski. Noch finanziert sich die Plattform über Onlinewerbung und Premium-Mitgliedschaften. Später sollen verschiedene kostenpflichtige Angebote dazukommen. Auch Mitbewerber Daniel Eichhorn ist zuversichtlich, dass seine Wohnplattform, die derzeit täglich 4500 User zählt, sich durchsetzen wird. „Es gibt mehr als 40 Wohn- und Einrichtungszeitschriften in Deutschland, aber kaum etwas zu diesem Thema im Internet.“ Auf eine Abgrenzung zu den Mitbewerbern legt er wert. „Wir sprechen andere Zielgruppen an. Zimmerschau.de – und das ist nicht negativ gemeint – spricht eher den Neckermann-Kunden an. Wir haben einen anderen Anspruch.“ Individuelle Beratung. Eichhorn und Maalouf wollen mit teilweise kostenpflichtigen, aber durchaus sinnvollen Serviceleistungen punkten. Innenarchitekt um drei Euro In den nächsten Wochen geht beispielsweise ihre Einrichtungsberatung online. Vorerst zehn Innenarchitekten liefern hier Interessenten binnen zwei Wochen ein komplettes Einrichtungskonzept: Grundriss der Wohnung inklusive optimale Anordnung der Möbel, Farb- und Materialtipps und eine Einkaufsliste, wo die vorgeschlagenen Sofas, Betten und Lampen zu erwerben sind. Eichhorn: „Wir bieten eine einfache Möglichkeit, sich eine hochwertige und individuelle Beratung durch einen Innenarchitekten zu leisten.“ Um beim Einkauf keine bösen Überraschungen zu erleben, kann der User vorab einen Einkaufsrahmen festlegen. „Wir empfehlen auch Ikea-Produkte“, beruhigt Eichhorn. Kosten für den Service: Drei € pro Quadratmeter Wohnfläche. „Der Kunde kann sich auch vorab die Arbeiten der Innenarchitekten anschauen, um sicherzustellen, dass die auch den Geschmack und Stil treffen, den man sich vorstellt.“ Insider-Kauftipps. Wer nicht gleich seine ganze Wohnung durchstylen lassen will, aber durchaus für den einen oder anderen Kauftipp dankbar ist, wird in Eichhorns kostenloser Produktdatenbank fündig, die gerade online gegangen ist. „Hier findet man Möbel, die wir für gut befinden und empfehlen würden.“ Der User sieht zum Beispiel auch, für welche Produkte sich die Innenarchitekten entschieden haben. „Es gibt viele kleine Shops mit tollen Produkten, aber die findet man über Google oft nicht“, weiss Eichhorn, der derzeit 20.000 Anbieter in seiner Datenbank hat. Auch die Möbelhersteller sehen in den Wohnplattformen neue Vermarktungschancen. Obwohl online gekaufte Möbel nicht angefasst werden können, boomt der Markt: 2006 wurden Schätzungen zufolge Möbel um eine Milliarde € im Internet gekauft. Als billiger Vertriebskanal für Möbelhändler will Eichhorn freilich nicht fungieren. „Man sieht das Feedback von anderen Usern, die das Produkt gekauft haben. Stimmt die Qualität einer Schrankwand nicht, schmeißen wir den Anbieter aus unserer Datenbank auch raus.“ mehr Immobilien…
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