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Digitale Signatur: Rohrkrepierer mit neuem Potenzial

09.03.2009 | 14:07 | Thomas Jäkle (wirtschaftsblatt.at)

Seit Herbst 2002 wird in Österreich die Signatur für den rechtsgültigen Versand von Dokumenten via E-Mail angeboten. Die Nachfrage nach der elektronischen Unterschrift war bisher miserabel und ist weit entfernt von den einstigen Prognosen.

Die digitale Signatur kommt nicht in Schwung. Im November 2002 wurde die digitale Unterschrift unter dem Namen „Bürgerkarte" eingeführt. Schriftstücke, die via E-Mail verschickt werden, sollen so genauso ihre Rechtsgültigkeit haben, wie eingereichte Papierdokumente mit Unterschrift. Optimistisch waren seinerzeit die Erwartungen und Ziele des Zertifizierungsanbieters A-Trust: Spätestens Mitte dieses Jahrzehnts sollten gut die Hälfte der Österreicher die Signatur nutzen.

Im siebenten Jahr nach ihrer Einführung und nach drei Geschäftsführern, die abgelöst wurden oder in Pension gegangen sind, ist die Bilanz gemessen an den Zielen katastrophal: Die „Digitale Signatur" ist bei den Österreichern alles andere als beliebt, bei Privatnutzern ist sie noch nicht angekommen.

Digitaler Rohrkrepierer

Geschätzte 100.000 Internetnutzer verschicken derzeit mehr oder weniger regelmäßig ihre E-Mails mit der Signatur, wie A-Trust-Geschäftsführer Michael Butz dem WirtschaftsBlatt erklärt. Eingeweihten Kreisen zufolge soll auch diese Zahl optimistisch sein. Obwohl auf jeder Bankomatkarte oder auf der E-Card, die 8,4 Millionen Krankenversicherungspflichtige in Österreich besitzen, die digitale Unterschrift gespeichert ist, aber zur Nutzung erst aktiviert werden muss, gleicht die bisherige Entwicklung einer Bauchlandung.

Genutzt werde die Signatur hauptsächlich von Notaren, Anwälten sowie in der öffentlichen Verwaltung. Wie viele Signaturen regelmäßig genutzt werden, könne man laut A-Trust-Chef Butz nicht sagen. A-Trust, das als Zertifizierungsanbieter der Signatur fungiert, habe keine Informationen darüber, wann eine Signatur auch tatsächlich auf den Bankomatkarten oder der E-Card für die Nutzung freigeschaltet wird. In den Registrierungsstellen, das sind hauptsächlich Österreichs Banken und Sozialversicherungen, wird die elektronische Unterschrift freigeschaltet. Ebenso kann via Internet die Freischaltung erfolgen.

Eigentümer der A-Trust sind UniCredit Bank Austria, Bawag PSK, der Finanzinvestor ECP Capital Partners, Notartreuhandbank, Österreichischer Rechtsanwaltskammertag, Österreichische Volksbanken AG, Raiffeisen Zentralbank AG, Raiffeisen Informatik GmbH, Schoellerbank sowie die Wirtschaftskammer Österreich. Rund die Hälfte der Anteile ist in Händen der Banken. Zweitgrößter Gesellschafter ist Finanzinvestor ECP mit 30 Prozent der Anteile.

Der Missionar und seine Stoßgebete

„Viele Menschen in Österreich wissen bis heute noch nicht, dass sie die digitale Signatur bereits zweifach in der Tasche haben - nämlich auf der Bankomatkarte und der E-Card", erklärt Butz. Es habe sich einfach noch nicht bis „in den letzten Winkel der Republik" durchgesprochen, dass es die Signatur gibt; ebenso wenig, was man damit machen könne.
„Ich bin wie ein Missionar", sagt A-Trust-Chef Butz. "Wir versuchen, wo es nur geht, Werbung zu machen." Aufgrund eines schmalen Marketingbudgets seien ihm aber die Hände gebunden, großflächig das Produkt österreichweit effektiv zu bewerben.

Butz hat im Frühsommer 2006 die Geschäftsführung bei A-Trust übernommen. Trotz bisher schwacher Resonanz gibt sich der IT-Experte optimistisch. „Es geht nun stetig bergauf", glaubt Butz. Er räumt ein, dass die frühen Erwartungen zu optimistisch waren. In den drei Jahren seiner Geschäftsführung wurden die Umsätze verdoppelt. Zahlen zum Ergebnis werden derzeit nicht bekannt gegeben. Die Zahl der Mitarbeiter wurde im selben Zeitraum von 25 auf 17 reduziert. „Wir sind gerade dabei, den Schlammassel mit dem Imageproblem von vor drei Jahren endgültig zu beseitigen und wollen nun durchstarten. Es beginnt für mich nun rund zu werden", meint Butz. Neue Anwendungen würden künftig für den Anwender auch den Nutzen mehr sichtbar machen.

E-Dokumententascherl als Türöffner

Ende Januar hat A-Trust mit dem E-Tresor im Internet eine zusätzliche Anwendung präsentiert. Die Nutzer können in diesen E-Tresor ihre persönlichen elektronischen Unterlagen und Dokumentenkopie (auf Papier) - wie etwa Zeugnisse, Führerschein, Meldezettel, Fahrzeugschein, der elektronischer Strafregisterauszug - als Kopie ablegen. Über "diese elektronsiche Dokumententascherl" könnten die Nutzer jederzeit ihre Daten abrufen und als digitale Dokumente, versehen mit der Signatur, bei Ämtern einreichen, hebt Butz den praktischen Nutzen hervor.

Das anfänglich umständliche Prozedere für die Freischaltung, wenige E-Government-Anwendungen, Sorge der Anwender bezüglich Datenschutz, die Zusatzkosten für das Lesegerät und für die Nutzung der Karte sowie die fragwürdige Sinnhaftigkeit und Unkenntnis seitens der Anwender verhinderten bisher eine flächendeckende Verbreitung der Signatur.


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