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Russland plant einen Internet-Alleingang

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von Stefan Mey | 20.07.2009 | 15:34

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Russland plant einen Internet-Alleingang

Ab 2010 soll es Domains auch in kyrillisch oder mandarin geben. Den Russen geht das zu langsam – sie drohen mit einem Alleingang ab 1. Oktober.

nic.at

nic.at-Geschäftsführer Richard Wein: „Das Ende des globalen Internets“

In Österreich sind rund 900.000 Domains registriert. Die Zahl der im Jahr 2004 eingeführten IDNs – Domains, die auch Sonderzeichen wie Umlaute ermöglichen – beläuft sich hierzulande auf rund 25.000; von den 2006 eingeführten Domains, die nur aus Ziffern bestehen, gibt es rund 1800. Nun steht die nächste Generation an Top-Level-Domains (TLD; die Endungen der Internet-Adressen) an – und das sorgt für Streit.


Denn auf Druck der bevölkerungsreichen Länder Russland, Indien und China soll es möglich sein, Endungen wie „.ru“ demnächst auch in anderen Schriftarten zu schreiben – dadurch soll der nicht-englischsprachigen Bevölkerung der Weg ins Web ermöglicht werden. Nach Vorstellung der ICANN, die die internationale Koordinationsaufgabe für Domains hat, sollen bis Ende 2009 die Bedingungen feststehen, Ende 2010 soll es die ersten TLDs in kyrillisch, mandarin oder hindi geben.


Den Russen geht das aber zu langsam. Folglich drohten sie beim letzten ICANN-Meeting damit, ohne Rücksicht auf die ICANN-Pläne ab 1. Oktober mit eigenen russischen TLDs zu starten. „Technisch ist das machbar“, sagt Richard Wein, Geschäftsführer von nic.at. Die Russen würden dann eine eigene „Root“, also quasi ein eigenes Internet, schaffen, das nur begehbar ist, wenn andere Teile des Systems ebenfalls die kyrillische Schrift beherrschen. Wein: „Dann ist das Internet nicht mehr global“. Auch könnten diktatorische Systeme dann ausländische Inhalte leichter blocken.

Wein: „Für die Russen geht es dabei vor allem um das Zeigen von Macht, um die ICANN zum Handeln zu bewegen.“ Außerdem bedeutet es eine gewisse Lösung von der in den USA positionierten ICANN – die ist nämlich dem US-Wirtschaftsministerium untergeordnet; alle Anträge laufen über US-Schreibtische. „In manchen Fällen, wie während des Irak-Kriegs, haben die Amerikaner es einfach abgedreht“, sagt Wein: „Die USA haben noch immer die Hand auf dem Internet; das sorgt weltweit für starke Kritik“

Wo liegt Paris?

Auch andere geplante neue TLDs sorgen für Diskussionsstoff. Etwa sollen Geo-TLDs wie „.paris“ oder „.berlin“ eingeführt werden – doch gehört diese TLD dann dem französischen Paris oder der gleichnamigen texanischen Kleinstadt? „Auch hier ist es schwierig, eine faire Lösung zu finden“, bedauert Wein.


Für ebenfalls geplante TLDs mit generischen Namen wie „.sport“ gibt es ebenfalls viele Bewerber. Hier gibt es verschiedene Gedanken zur fairen Vergabe; etwa eine Auktion, Lotterie oder ein Schiedsgericht, das über die bessere Rechtslage entscheidet – was schwierig sein dürfte, denn ein generischer Begriff wie „Sport“ kann urheberrechtlich nicht geschützt werden.

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