Donnerstag, 18. März 2010 a  
Dialog-backdrop
Artikel versenden

iPad als Steigbügel zum Medienriesen

Geben Sie hier die E-Mail-Adresse des Empfängers ein (z.B. m.mustermann@wb.com). Mehrere Empfänger werden durch Komma getrennt.

von Thomas Jäkle | 28.01.2010 | 17:25

A- A A+ Drucken Artikel weiterempfehlen zu den Kommentaren

iPad als Steigbügel zum Medienriesen

Analyse: Der neue iPad ist ein Detail in der Strategie von Apple. Der IT-Konzern will die letzte Hürde nehmen, um zum Medienkonzern mit angeschlossener Hardware-Abteilung zu werden.

APA/EPA

Ob Luxusprodukt oder Netbook-Ersatz: In Internetforen wird Steve Jobs' Strategie kritisiert. Apple-Nutzer verstehen indes nicht die Aufregung. Sie haben bisher vom US-Konzern auch ein Lebensgefühl bekommen - und nicht nur dumpfe Technologie.

"Magisch und revolutionär" hat Apple-Vorstandschef Steve Jobs seine neueste Erfindung iPad genannt. „Was ist daran schon revolutionär?", „Was ist an ­einem unfertigen Produkt fortschrittlich?" oder „Ein weiterer Schritt, mit dem Apple den Nutzer in Geiselhaft nimmt", ätzen etliche Internetnutzer in diversen Internetforen. Und dass das Wort "pad" im Englischen auch als Synonym für Damenbinde steht, belustigt bereits wenige Stunden nach der Präsentation des neuen scheibenförmigen Computers im Notizblockformat. Nach der Datenkrake Google, die mit rund 150 Anwendungen die Daten des Internetnutzers abgrast, sowie Microsoft, dessen Programme gut 90 Prozent aller PC steuern, schließt nun der Nischenplayer Apple auf subtile Art und Weise auf zu den beiden Schwergewichten, um ein gewichtiges Wörtchen im Internet mitzureden.

Minimalismus. Kaum ein anderer Unternehmenslenker als Apple-Chef Steve Jobs versteht es, die Welt mit Nischenprodukten zu polarisieren und gleichzeitig omnipräs­­ent zu sein. Und zwar weltweit, bis in den letzten Winkel. Gemessen nach Weltmarktanteilen hat die schlanke Produktpalette von Apple bei PC und dem Handy iPhone (es sind gerade einmal vier Prozent) gerade die Wahrnehmungsgrenze erreicht. Mit minimalen Mitteln könnte sich der Konzern nun aber zum größten Medienkonzern aufblähen. Das iPad ist nur ein Steigbügel dafür. Die Software wird's richten.

Maximalismus. Mit dem Wiedereintritt des Apple-Gründers Steve Jobs im Jahr 1997, der zwölf Jahre zuvor davongejagt wurde, beginnt die Story. Jobs hatte das Unternehmen 1976 mitgegründet. Mit seinem Comback krempelte er in einer fast diktatorisch anmutenden Art den Konzern um: Computertechnologie, Unterhaltungselektronik und Medien sind die drei strategischen Säulen des Konzerns. Das Internet sollte zum wichtigsten Absatzkanal werden. Jobs ließ sich selbst durch den Gegenwind in der Branche nicht erschüttern. Andere Softwarehersteller weigerten sich noch um die Jahrtausend­wende, ihre Software mit Apple-Software anzupassen. Ausgehend von den eigenen Betriebssystemen Tiger und Leopard bis zu den Multimediaprogrammen iPhoto, iDVD, i Movie und Garage Band sowie später mit iTunes schaffte sich das Unternehmen sukzessive sein eigenes Software-Imperium.

Revolutionär war die Gründung der Musikplatform iTunes im Internet, über die Apple seit 2003 zum bedeutendsten Musikhändler aufgestiegen war und die großen Musikkonzerne verblüffte, weil damit richtig Geld zu verdienen war. 2009 überschritt iTunes erstmals die Millionen-Dollar-Marke - beim Tagesumsatz. Mit dem Marktstart des Mobiltelefons iPhone, kombiniert mit dem Internetsoftware-Laden AppStore, wirbelte Apple mit den Handyherstellern die zweite Branche kräftig durcheinander. Im AppStore gibt es 140.000 Programme, die von Drittanbietern für iPhone-Nutzer hergestellt werden und teilweise zu Minitarifen zu beziehen sind.

Protektionismus. Doch genau daran scheiden sich die kritischen Geister. Wer ­Apple kauft, zahlt neben dem Design auch seinen Preis. Geräte sind „teuer", iTunes-Musiktitel haben eigene Dateiformate, die auf anderen Geräten nicht gespielt werden können. Dasselbe wird nun beim iBookStore vermutet, der mit dem iPad für Verlage und Medien eröffnet wird. Exklusivverträge Apples beim iPhone-Verkauf mit nur einem Mobilfunkbetreiber pro Land (außer Österreich), bringen Kritiker wegen fehlender Wahlmöglichkeiten in Wallung.

Futurismus. Befürworter widersprechen. Apple versorgt den Nutzer mit einem Lebensgefühl und nicht mit Technik. Dass man sich nun aufregt, weil Apple mit dem iPad einen nicht ganz so vollwertigen Computer mit kleinen Schwächen auf den Markt bringt, wird sicher zum Amüsement im Headquarter zu Cupertino führen. Denn: Nobody is perfect. Apple ist längst kein PC-Bauer mehr, sondern wird der Medienriese fürs „Internet to go". Heißt: Klare Entscheidung. Good Job!

Kommentare… Kommentar hinzufügen…

mehr IT-News…

Manager präsentieren nützliche Tools auf ihren Smartphones:

Jürgen Müller über die iPhone-Applikation Tweetdeck, eine Software für Facebook und Twitter.

Umfrage

Brauchen wir eine Frauenquote in den Unternehmen?
  • >> Zum Zwischenergebnis
mehr Fotogalerien>

Fotogalerien deluxe

  • beigestellt
    deluxe: Bildschön

    Fotografen definieren Schönheit

    deluxe

    Marc Baptiste