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Der Kampf um den Platz in der Internetwolke beginnt

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von Thomas Jäkle | 23.09.2009 | 16:09

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Der Kampf um den Platz in der Internetwolke beginnt

Netzbusiness Cloud Computing könnte das Ende herkömmlicher Software einläuten, denn IT-Unternehmen verlagern ihr Geschäft ins Netz. Manche Anwendungen gibt es kostenlos. Online-Werbung soll Umsatzausfälle kompensieren

Colourbox

Was der Surfer am PC sieht, ist oft irgendwo in der Welt als Applikation gespeichert, ebenso die Daten. Nicht nur Datenschützer warnen aus Sicherheitsgründen vor der „Cloud“.

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WB/Tanzer

Gerwald Oberleitner - Leiter des Geschäftsbereichs Hosting für Telekom- und Medienunternehmen bei Microsoft Österreich

Zitiert

Partner werden weiterhin sehr gutes Geld verdienen, vielleicht mehr

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Beigestellt

Wolfgang Egger - Leiter für den Bereich Bereich Enterprise Server & Storage bei Hewlett-Packard Österreich

Konsumenten, Webshops und Web 2.0-Applikationen sind die Treiber“

Facts

Private Cloud
Durch gesetzliche Regelungen (Datenschutz) sowie individuelle Sicherheitserwägungen ist es für Unternehmen oder Organisationen in der öffentlichen Verwaltung nicht möglich, ihre Infrastruktur einem Serviceanbieter außerhalb des Unternehmens zu übertragen. Um dennoch Kosten senken zu können, werden die Applikationen in einem eigenen ­Rechenzentrum über eine „Private Cloud“ zur Verfügung gestellt. Vorteil: Das Unternehmen kann die Zuteilung der Applikationen selbst steuern.
Public Cloud
Die Anwendungen kommen von einem IT-Dienstleister. Er stellt über sein Rechenzentrum die ­Anwendungen online als Service zur Verfügung. Der Cloud-Provider ist alleine für die IT-Dienste inklusive Sicherheit zuständig. Unternehmen können so teure Software, die nicht permanent benötigt wird, temporär nutzen, ohne sie anzuschaffen und ohne Lizenzgebühren zahlen zu müssen. Wie beim Strom „aus der Steckdose“ wird also nur die tatsächliche Nutzung verrechnet.
Hybrid Cloud
Die Mischform aus Private und Public Cloud ist die Hybrid Cloud. Das Unternehmen nutzt Dienste vom IT-Dienstleister sowie aus dem eigenen Rechenzentrum. Die verwendeten Häppchen aus der ­Wolke können etwa als Infrastructure as a service (IaaS), Platform as a service (PaaS) oder Software as a ­service (SaaS) von außen sowie zusätzlich vom ­eigenen Rechenzentrum bezogen werden. Anwendungen mit erhöhtem Sicherheitsbedarf werden ausschließlich vom eigenen Rechenzentrum bezogen.

Microsoft auf den Spuren von Google? Noch ist nicht endgültig ­geklärt, was der US-Softwareriese in die „Internetwolke" stellen wird. Manches wird kostenlos angeboten.

Was Microsoft letztendlich ins Internet stellen wird, um in der Internetwolke sein Plätzchen zu vergolden, ist derzeit noch nicht ganz klar. Google hat jedenfalls mit seinen Gratisapplikationen den Softwarekonzern gefordert und angetrieben. Microsoft legt nach, ist aber gleichzeitig daran, das Vertriebs-, Preis- und Channel-Modell auf die geänderten Rahmenbedingungen des Wettbewerbs nachzujustieren. Die wegbrechenden Erlöse, etwa durch die Gratisabgabe der Bürosoftware Web-Office sowie bei Serversoftware, müssen schließlich kompensiert werden. Gleichzeitig will Microsoft seine Partner nicht vergraulen, die bisher am Erfolg des Softwarekonzerns mitverdient haben. Stichwort: ein Euro Umsatz von Microsoft führt zu acht Euro Wertschöpfung.

„Wir werden weiterhin über Partner unsere Produkte verkaufen, unabhängig von Cloud Computing, das hat sich bewährt und wird auch in Zukunft so sein", sagt Gerwald Oberleitner, Leiter des Geschäftsbereichs Hosting für Telekom- und Medienunternehmen bei Microsoft Österreich.

Die Bürosoftware Office „wird in großen Teilen" ab der Version Office 2010 via Internet für Nutzer zur Verfügung gestellt werden - in einer abgespeckten Version sogar gratis. Welche Funktionen der abgespeckten Gratisversion nicht mitgegeben werden, das will Oberleitner nicht sagen. „Wir sind gerade dabei, das noch zu eruieren", sagt Oberleitner. Office 2010 (Webversionen von Word, Excel, Powperpoint und Onenote) ist vergangenen Freitag zu Testzwecken bereits im Internet für eine begrenzte Nutzerzahl freigeschaltet worden. Die Gratisversion wird allerdings nur im Online-Modus verfügbar sein. Das heißt: Nutzer können sie nur online verwenden. Wer auf seinem Laptop entsprechende Dateien bearbeiten will, benötigt die Verbindung zum Internet - oder die bezahlte Originalversion, die auf dem Rechner auch im Offline-Modus genutzt werden kann. „Wir werden beides anbieten, die Box sowie die Online-Verfügbarkeit von Microsoft-Office", sagt Oberleitner.

Zusätzliche Umsätze mit Online-Werbung
Den drohenden Einnah­men­ausfall, der durch die Online-Gratisversion resultieren kann, will Microsoft mit Online-Werbung „mehr als wettmachen", wie Oberleitner erklärt. Im Gegensatz zu Google wird Microsoft den Anwendungen allerdings keine kontextbezogene Werbung beifügen. „Die Nutzer wollen das nicht", sagt Oberleitner.

Microsoft klotzt mit Zahlen: 350 Millionen aktiven Usern will der Konzern künftig über die Internetwolke spezielle Anwendungen anbieten. Tausende Microsoft-Partner sollen dabei in der Vertriebsstrategie unverändert eingebunden bleiben. Eine Schwächung der Vertriebs- und Service-Partner, wie das vereinzelt durch die Webstrategie Microsofts befürchtet worden ist, sieht Oberleitner nicht: „Partner werden weiterhin sehr gutes Geld verdienen, vielleicht sogar mehr." Für Support, Schulungen sowie die Migration von bestehenden Applikationen und Erweiterungen von Branchenlösungen werden auch weiterhin die Microsoft-Partner ihre Kunden unterstützen.

Vorsicht Hype
Vor allzu großen Erwartungen, den Umstieg von bestehender IT-Architektur auf Cloud-Applikationen betreffend, warnt Gerhard Fröhlich, Management Consultant von Capgemini Austria: „Viele Unternehmen haben sich gerade einmal daran gewöhnt, ihre Software in einer service­orien­tierten Architektur zusammenzufassen." Dabei geht es u.a. um Optimierungen von Softwareanwendungen sowie von Speicher-, Rechner- und Netzwerkkapazitäten in den Unternehmen. Über Jahre hinweg sei teilweise ein Wildwuchs an Software und Servern beseitigt, der unter anderem durch Zusammenlegungen von Firmen entstanden war. Daraus wurden nun kostengünstige Gefüge zusammengefasst. „In Banken und Versicherungen ist Cloud Computing kein Thema", ist Fröhlich daher überzeugt. Außerdem ist man gerade im Finanzbereich ziemlich penibel, was die ­Datensicherheit anbetrifft. Heikel ist dabei besonders die Speicherung zu schützender Daten auf „fremden" Rechenzentren.

Kunde als Treiber
Allerdings kann sich der Capgemini-Manager eine Mischform eines Cloud-Modells vorstellen kann. „Intern ist sicher möglich, dass über eine Private Cloud nachgedacht wird, in dem die Daten in einem eigenen Datenzentrum zusammengefasst werden", sagt Fröhlich. Wolfgang Egger, bei Hewlett-Packard Österreich für den Bereich Enterprise Server & Storage verantwortlich, glaubt, dass Cloud Computing nicht für jedes Unternehmen eine Alternative zu bisherigen IT-Modellen darstellt. Er räumt jedoch ein, dass „Konsumenten, Webshops und unzählige Web 2.0-Anwendungen" als Treiber zu sehen sind.

Ein reines Cloud-Modell, wo die komplette IT-Struktur ausgelagert ist, scheitere derzeit bei vielen Unternehmen schon alleine an der bestehenden, teilweise veralteten IT-Struktur, meint Egger. Es gebe jedoch reizvolle Services, die man über eine Cloud schnüren könnte. Dazu zählt er die Möglichkeit, einzelne Applikationen von ­außen zu beziehen sowie in Spitzenzeiten auf zusätzliche
Rechenkapazitäten den Zugriff zu erhalten.

Kein Mittel gegen die Krise
Egger warnt davor, Cloud Computing als „Krisenthema" zu strapazieren: „Da macht man es sich zu einfach, Cloud Computing zur Kostensenkung einzusetzen. Es könnte genau das Gegenteil passieren." Vielmehr eigne sich Cloud Computing für den Einsatz neuer Produkte in neuen Märkten oder für die flächendeckende Vermarktung via Internet, wo ein Unternehmen sich sonst ­teure IT beschaffen müsste. Miet- und Servicemodelle könnten sichere sowie kostensparende Alternativen zur teuren Anschaffung sein.

Kosteneinsparungen gibt es, wenn man künftiges Wachstum abfangen möchte, etwa bei Anwendungen, bei denen ein Vielzahl von Nutzern gleichzeitig zu erwarten sind, so Alexander Flor, Leiter für Technology Solutions beim Speicherplatzhersteller EMC. Aber auch bei Unternehmen, die bestehende Ressourcen nur wenig nutzen und zu bestimmten Zeiten mehr Rechenkapzitäten benötigen, ist Cloud Computing interessant. „Kunden interessiert im Endeffekt nicht, auf welchen Festplatten die Daten liegen", sagt Flor. „Die wichtigste Anforderung ist, dass sie dort in Sicherheit verwahrt werden."

 

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