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Dialog-backdrop Dr. Offline kämpft gegen Dr. OnlineDigitale Laborbefunde, E-Medikation oder der Online-Zugriff auf Diagnosen und Krankheitsverläufe: Der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien im heimischen Gesundheitswesen ist umstritten.
"Es ist das Gebot der Stunde, die vorhandene Technologie zu verwenden und nicht mehr lange zu diskutieren"; Alexander Schanner, Programm-Manager der Arbeitsgemeinschaft Elektronische Gesundheitsakte ZitiertWiderstände hat es auch bei der E-Card immer wieder und von allen Seiten gegeben. Letztendlich waren die Leute, die sie benutzt haben, begeistert Vom "Gebot der Stunde" bis zum "bedrohlichen Schritt" reicht die Meinungspalette von Experten, die das Thema vernetzte Datenveraarbeitung im Gesundheitswesen bei einer Veranstaltung der APA-E-Business-Community in Wien diskutierten. Vor allem der Föderalismus und die unterschiedlichen Interessen der Beteiligten dürften für Verzögerungen sorgen. "Es ist das Gebot der Stunde, die vorhandene Technologie zu verwenden und nicht mehr lange zu diskutieren", erklärte Alexander Schanner, Programm-Manager der Arbeitsgemeinschaft Elektronische Gesundheitsakte (ARGE ELGA), die mit der Umsetzung des Projekts beauftragt ist. "Auch mir geht es zu langsam. Ich bin aber in diesem strukturellen Korsett gefangen", verwies er auf die politischen Rahmenbedingungen. Es gebe ein "inhomogenes Spannungsfeld", weshalb zuerst das Misstrauen zwischen den Beteiligten abgebaut werden müsse. Fronten existierten etwa zwischen Sozialversicherung und Bund, aber auch zwischen einzelnen Ländern. "Wenn sich die Politik durchringt, die Finanzierung freizugeben", seien erste ELGA-Pilotprojekte regional allerdings bereits im kommenden Jahr umsetzbar. Entschieden werde über die Freigabe der Gelder voraussichtlich noch im November. Standards statt Insellösungen Die Konzeption und Planung erfolge gemeinsam mit Bund, Ländern und Sozialversicherungen, "weil die ja auch dafür bezahlen, und nicht durch die IT-Branche", reagierte Schanner auf entsprechende Kritik. Durch die konsequente Anwendung internationaler Standards würden Insellösungen einzelner Hersteller vermieden. Damit sei Österreich "bestens gerüstet, einen Datenaustausch im internationalen Umfeld zum Nutzen seiner Bürger, aber auch seiner Gäste, durchführen zu können". IT-Anbieter würden "ihre Chance im Zuge der Umsetzung haben, wenn sie bereit sind, offene Systeme auf Basis internationaler Standards zu liefern", sagte Schanner, der "fiebrige Schübe" bei Lieferanten von proprietären - also "hauseigenen", nicht standardisierten - Lösungen ortet. Der Euphorie durch die erwarteten Umsätze sei ein böses Erwachen gefolgt, da man keinen Wildwuchs von Insellösungen wünsche. Geplant sei auch ein Portal, über das die Bürger auf ihre Daten zugreifen und einsehen könnten, wer wann welche Daten abgerufen hat. Abgewickelt werden soll das über die Bürgerkarte. Diese sei allerdings "nicht wahnsinnig weit verbreitet", weshalb auch andere Technologien - etwa Handy-TANs - in Betracht kämen. "Insgesamt haben wir noch mehrere Triathlons zu absolvieren bis wir am Ziel sind", so Schanner. IKT-Sektor kritisiert Verzögerungen Kritik an der zögerlichen Umsetzung kommt auch von der IKT-Branche: "Seit dem Jahr 2005 haben wir überall brav mitgearbeitet, aber es hat sich wenig getan", erklärte Manfred Rieser von der Telekom Austria. Außerdem sei viel an Innovation verloren gegangen, weil nur große Unternehmen "die Luft dazu haben, so lange mitzumachen". Kleinere würden dadurch ausgeschlossen. Aber auch Branchengrößen könnten sich zurückziehen, "wenn der Public Partner es nicht schafft, österreichweit geltende Rahmenbedingungen und damit auch ein kalkulierbares Risikoszenario zu schaffen". Es könne in einem kleinen Land wie Österreich nicht zugelassen werden, dass jedes Bundesland seine eigene E-Health-Strategie gestalte. "Wir fordern einen starken Public Partner, der zusichern kann, dass in einem Bundesland gemachte Erfahrungen nicht neunmal neu wiederholt werden müssen", so Rieser. Vielmehr sollte man die Grenzen endlich überwinden - egal ob zwischen Kärnten und Slowenien oder der Steiermark und dem Burgenland, "wobei Letzteres anscheinend schwieriger ist." Datensammlung zur Bürgerüberwachung ELGA sei im besten Fall eine Datensammlung zur Bürgerverwaltung, im wahrscheinlichsten Fall zur Bürgerüberwachung, kritisierte hingegen Christian Euler, Präsident des Österreichischen Hausärzteverbands (ÖHV). Schließlich würde der Gesetzgeber immer wieder neu definieren, welche Daten den Behörden zur Verfügung gestellt werden müssten, die sie zur Erfüllung ihrer Aufgaben benötigen.
Auch das beste System sei knackbar, wobei er keine Angst vor der Entblößung von Peinlichkeiten mancher Prominenter habe. "Vielmehr befürchte ich eine vollkommen legale Nutzung der Daten durch die Bürokratie", sagte Euler. Bereits jetzt werde viel elektronisch abgewickelt. "Jeder Schritt mehr ist ein bedrohlicher Schritt." Es werde "für alle Zukunft eine Datenbasis geschaffen, durch die im Laufe der Zeit die fürchterlichsten Dinge passieren können". Die Basis der Reform sei das Misstrauen der Bürokraten gegenüber Ärzten und Patienten, das Ziel der Reform sei Einsparung. "Wer kann zwischen diesen Eckpunkten auf positive Ergebnisse hoffen?", fragte sich der Ärzte-Vertreter. "Durch ELGA werden Krankheiten gut verwaltet und Kranke schlecht behandelt. Da werden Daten mit Informationen und Informationen mit Kommunikation verwechselt", so Euler. "Umsetzen statt diskutieren" Differenziert bewertete Harald Lakatha, Geschäftsführer von IT Solution, die ELGA-Einführung. Einerseits verstehe er nicht, dass wegen einzelner Problemfelder gleich das ganze Projekt abgelehnt werde, andererseits stünden sich Datenschutzinteressen und die Notwendigkeit, einen Gesamtüberblick über den Patienten zu erhalten, gegenüber. Grundsätzlich sei ELGA aber ein Quantensprung, "weil ich Daten abrufen kann, ohne wissen zu müssen, wo sie liegen", strich Lakatha hervor. Ein wichtiger Punkt sei die Selbstbestimmung des Patienten über seine Gesundheitsdaten. "Im Datenschutzgesetz ist das Recht jedes Individuums verankert, die über ihn gespeicherten Daten einzusehen, bei Nichtbedarf zu löschen und bei Fehlerhaftigkeit korrigieren zu lassen. Diese drei Grundsätze müssen auch im Gesundheitsbereich angewandt werden", sagte Lakatha. Um dies effektiv durchführen zu können, sei ein elektronischer Zugriff der Patienten auf die eigenen Daten erforderlich. Fight Dr. Offline vs Dr. Online "Widerstände hat es auch bei der E-Card immer wieder und von allen Seiten gegeben. Letztendlich waren die Leute, die sie benutzt haben, begeistert", ergänzte Thomas Jäkle vom WirtschaftsBlatt. Internet sowie die stärkere Vernetzung und Partizipation der Patienten seien Trends, die sich nicht aufhalten ließen. Allerdings habe die Ärzteschaft derzeit ein massives Problem mit Patienten, die sich online informieren. "Den Fight Dr. Offline vs Dr. Online fürchten die Götter in Weiß wie der Teufel das Weihwasser", so Jäkle. Der mündige Bürger fordere aber Kommunikation sowie Mit- und Ansprache. Bei all diesen Themen stehe die Frage im Vordergrund, "wie diese sensiblen Daten gehandhabt werden. Wer hat Zugang, wer speichert was wo?", gab sich Robert Ludwig vom Systemintegrator NextiraOne überzeugt. Hier seien höchste Ansprüche an Datensicherheit, Verschlüsselung und Performance notwendig. "Wie bei der klassischen Medizin ist immer die richtige Diagnose der Anforderungen und die Dosierung der Medikamente der Schlüssel zur Gesundung", so Ludwig. (APA) Kommentare… Kommentar hinzufügen…mehr eBusiness…
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4 Kommentare
Datenweitergabe?
Das mit den ganzen Patientenakten von der E-Card ist so eine Sache, einerseits ja gut, dass im Notfall der Arzt die Vorgeschichte des Patienten kennt.
Andererseits liegt man wiedermal offen wie ein Buch dar.
D.h sensible Daten können dann wirklich von jedem gelesen werden, der Zugriff darauf hat, auch die It Firma die das Progamm schreibt.
Weiters ist es fraglich ob durch eine neue Regelung in Kraft tritt, das der Arbeitgeber auch Einsicht in die Akten hat, wenn gewünscht.
Ich bin bei dieser Sache halt sehr skeptisch.
Von Gast: Gast: Guest am 09.11.2009 um 12:30
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Ahnungslos
Herr Jäkle hat offenbar keine Ahnung von der Materie. Er sollte in Zukunft vielleicht Kinofilme rezensieren. Dort stört es weniger, wenn er derartigen Schwachsinn verbreitet.
Den "Fight Dr. Offline vs Dr. Online" gibt es nicht und gefürchtet wird er noch weniger von den Ärzten. Allerdings haben die meisten Patienten keine Ahnung, welche Informationen aus dem Internet gut und richtig sind und welche nicht. Fehlinformationen und falsche Medikamente sind häufig:
Z.B. starb eine junge Frau durch eine offensichtliche Überdosis eines Appetitzüglers (der auch als Dopingmittel sehr bekannt ist), den sie aus dem Internet hatte ... Soweit zum "mündigen Patienten".
Die Ängste von Koll. Euler teile auch ich, ebenso viele (erfahrene) Kollegen: im HV vertreten ist schliesslich auch die Wirtschaftskammer, deren Vizepräsident Herr Schelling ist ...
Von Gast: Gast: DOK am 08.11.2009 um 20:54
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Re: Etwas krank ins Spital ... tot raus
weil der Patient dort verhunzt wird. Kommt öfters vor, als DOK glaubt. Aber am besten ist es halt so, dass alles so bleibt wie's ist, dass sich die (Halb-) Götter in weiß ihre Geldbörseln von den Pharmafirmen auffüllen lassen. Schon merkwürdig, wenn ein Arzt nach einem Kongress eines Pharmariesen seinen Patienten nur noch die Medikamente dieses Konzerns verschreibt - obwohl die teurer sind als von der Konkurrenz. Das fällt Apothekern immer wieder auf. Mündige Patienten, die das Gespräch und die Erklärung fordern, die sind den Ärzten wirklich zu viel. Und da unterscheiden sich die Docs nicht von den Verkäufern im ersten Bezirk zu Wien.
Von Gast: Gast: DoX am 09.11.2009 um 12:47
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Re: Re: Man muss unterscheiden können
Das Ärzte mit eigenen Praxen, die z.B von der Firma Bayer ein Honorar bekommen wenn er nur dieses ausgibt ist doch klar und das war schon immer so, das ist ja nix neues.
Wenn du Versicherungsvertreter wärst, würdest du ja auch nur deine Versicherungen abschließen, die für dich als Prämie zählen und net von einer anderen Versicherung wo du nix bekommst, ich denk das ist mal klar und benötigt keine weitere Vertiefung.
Du musst zwischen 1. Klasse und 2ter Klasse Patienten unterscheiden können.
Bist du nr ein einfacher Arbeiter, zählst du als Versuchsobjekt, bist du aber hingegen ein Star oder Politiker oder einfach nur gestopft bis zum geht nimmer, wirst du ganz anders behandelt, das war auch schon immer so und daran wird sich auch nie was ändern.
Von Gast: Gast: Guest am 09.11.2009 um 15:11
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