
|
Dialog-backdrop Die spannendste Zeit, die die IT-Branche je hatteDie Budgets für IT schrumpften stärker als befürchtet. Doch IT-Leiter sehen die Krise nicht als großes Problem, sondern auch als Chance, ihr Image im Unternehmen zu verbessern.
Alles schlimmer als gedacht, oder doch eine Chance, die es zu nutzen gilt: Die Krise ist zwar auch in der IT- und Telekombranche angekommen, heimische Betriebe gehen aber durchaus unterschiedlich damit um, wie eine Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community zeigte. Die österreichischen IT-Leiter (CIOs) größerer Unternehmen haben Ende 2008 einen Rückgang ihres heurigen Budgets in Höhe von 10 Prozent prognostiziert, tatsächlich sind es 16 Prozent geworden. "Damit war die Entwicklung schlechter als gedacht", verwies Bernd Bugelnig von Capgemini auf das vorläufige Ergebnis einer Studie des Managementberaters. Rechneten Ende des Vorjahres noch 40 Prozent mit sinkenden Budgets, musste in der Realität die Mehrheit der befragten CIOs sparen: In der Privatwirtschaft waren es laut Erhebung 80 Prozent, im öffentlichen Bereich rund 40 Prozent. Allerdings sehen die IT-Leiter die Krise nicht als "so großes Problem", sondern auch als Chance, ihr Image im Unternehmen zu verbessern. Sie positionieren sich stärker als Partner, der Unterstützung in schwierigen Zeiten bietet, so Bugelnig. Hatten die CIOs im Vorjahr noch erwartet, Projekte verschieben zu müssen (85 Prozent), so sei dies tatsächlich nur im Notfall passiert. Aktuell würde eher auf Neuverhandlungen von Lieferantenverträgen gesetzt (67 Prozent). Pläne für die "Nach-Krisen-Zeit" Manche Unternehmen hätten bereits die Pläne für die "Nach-Krisen-Zeit" in der Schublade und daher auch die IT-Budgets nicht reduziert, um sich nicht "selbst den Hals abzuschnüren". Dadurch könnten sie beim Aufschwung schneller mit neuen Produkten und Services am Markt sein und die derzeit vermehrt verfügbaren hochqualifizierten Mitarbeiter aufsammeln. "Die CIOs sehen die Chance, ihr Image als Kostenverursacher abzuschütteln und als wichtiger Faktor wahrgenommen zu werden", sagte der Experte. Rückläufige Entwicklungen im Telekomsektor, die das Geschäftsfeld IT etwas bremsen, hat die Telekom Austria (TA) zu verzeichnen. Nach einem "punktuell gescheiterten Versuch", mit Themen wie Enterprise Resource Planning in diesen Bereich einzusteigen, sei die Konzentration auf Kommunikationsprozesse bzw. "Telekom-nahe Informationstechnologie" geglückt, so Jürgen Thir von der TA. Dadurch soll "der Verlust an Minuten und Anschlüssen aufgefangen werden". Konvergenzlösungen bei KMU gefragt Generell habe man "keine rosigen, aber auch keine schlechten Zahlen aufzuweisen", erklärte Thir. Auf die Preissensibilität von Kleinkunden und Privaten sei mit Konvergenzlösungen reagiert worden, weshalb sich die TA im KMU-Bereich sehr gut aufgestellt sieht. "Bei den Großunternehmen spüren wir zwar was, aber weniger als erwartet", sagte der Manager. Besonders die öffentliche Hand investiere in Zukunfts-Themen, in der Industrie- und Automobilbranche sei die Situation schwieriger. In einigen Bereichen gebe es massive Einbrüche, im IT-Prozessmanagement sei davon aber nichts zu spüren, erklärte Christian Plaichner von der auf Automatisierung spezialisierten UC4 Software: "Man könnte behaupten, wir profitieren von der Krise." Derzeit würden sich zwei Kategorien von Firmen herauskristallisieren: Unternehmen, die die Krise als Chance sehen und investieren, und andere, die Projekte stoppen und abwarten. Erstaunlich stark sei die Nachfrage aus der Finanzwirtschaft. Erlösquellen splitten sich auf Auch in der Medienbranche steige die Anzahl der IT-Projekte, konstatierte Marcus Hebein von der APA - Austria Presse Agentur. Einen Grund dafür sieht er neben der Wirtschaftskrise in der schon vorher bestehenden Strukturkrise. "Die Erlösquellen splitten sich auf. Das eine und einzige Geschäftsmodell existiert nicht mehr", so Hebein. Von der IT-Branche entwickelte Tools würden von den Konsumenten teilweise gänzlich anders genutzt, als erwartet. "Wir müssen uns Gedanken darüber machen, wie wir daraus Geschäftsmodelle entwickeln. Derzeit ist die Situation schwierig, aber vielleicht blicken wir in ein paar Jahren zurück und sagen: Das war die spannendste Zeit, die die Branche jemals erlebt hat", sagte Hebein. (APA) mehr eBusiness…
|
Meistgelesen ebc
brands4friends: Designerware zum Schleuderpreis soll Online-Handel umkrempelnDer Online-Shopping-Club brands4friends bietet nach eigener Angabe Designerwaren... eBusiness Experten-Chate-Skills: Welche Fähigkeiten sind in der Zukunft gefragt?Die Wirtschaft erneuert sich in rasender Geschwindigkeit. Was gestern noch gelehrt wurde, kann morgen schon wieder obsolet sein. Manager erzählen, wie ihre Mitarbeiter künftig agieren müssen.
Wolfgang Mayer
Country Manager, Micro Strategy "Ich vermisse bei IT-Entscheidern sehr häufig die Flexibilität, aber auch die Vision, neue Wege aufzuzeigen und diese dann auch zu gehen. Das wird aber in der Zukunft gefordert."
Christian Czaak
Herausgeber, Economy Austria "Digitale Skills sind im modernen Berufsleben notwendig. Bei Mitarbeitern finde ich menschliche Skills allerdings wichtiger. Es geht um die Identifikation mit dem Unternehmen, um soziale Kompetenz und unternehmerisches Einfühlungsvermögen. Neue Medien bieten mehr Freiraum, damit muss man umgehen."
Werner Knoblich
General Manager, EMEA RedHat "Wahltag ist bei uns immer nächstes Jahr. Dann entscheidet der Kunde, ob er unsere Services noch will oder nicht. Wir müssen also stets beweisen, dass wir unser Geld wert sind. Das verlangt technische Kompetenz, aber vor allem auch Ehrlichkeit."
Thomas Kiessling
CIO, Bwin "Das Internet hat unser Geschäftsmodell erst möglich gemacht. Die 1500 Mitarbeiter beweisen täglich E-Skills. Viele davon kann man sich nur bedingt durch Ausbildung aneignen. Wichtiger ist es, sich neuen Entwicklungen, etwa dem Trend zu User Generated Content und Medienkonvergenz, nicht zu verschließen."
Andreas Muther
Geschäftsführer SAP Österreich "Mitarbeiter müssen raus zum Kunden, das Ohr am Kunden haben und neugierig sein. Nur so ist es möglich, zusammen mit dem Kunden die optimale Lösung zu finden. Dafür braucht man vor allem soziale Fähigkeiten."
Thomas Kühlewein
DACH-Chef, VMware "IT ist sehr komplex geworden und oft nicht mehr effizient. Für Neues brauchen wir Leute, die sich in Prozesse vertiefen, dem Kunden neue Wege aufzeigen können. Und dafür ist es nicht notwendig, einen MBA zu haben. Praxis und Gespür, um Innovationen voranzutreiben, ist wichtiger."
Norbert Schöfberger
Direktor Personal Systems Group, HP Österreich "Leben und Arbeiten in der Informationsgesellschaft erfordert die Aneignung von Medien kompetenz. Das ist gleichbedeutend mit lebensbegleitendem Lernen. Das Angebot an mobilen Endgeräten ermöglicht zudem eine immer größere Palette zielgruppenorientierter Bildungsangebote."
Wolfgang Kern
Regional Partner Manager CEE, UC4 Software "Vielen Unternehmen ist nicht bewusst, dass fehlende „Cultural Awareness“ in der Kommunikation die Wettbewerbsfähigkeit dramatisch beeinträchtigen kann. Die besten Mitarbeiter werden neben Branchen-Know-how zunehmend über hohe soziale Kompetenz verfügen müssen."
Achim Kaspar
Country Manager Cisco Austria "Die Österreicher sind etwas bequem, wenn es um die Aneignung neuer Technologien geht. Unternehmen und ihre Mitarbeiter würden sich einfacher tun, nicht erst dann zu agieren, wenn etwas zum Zwang wird." |
Kommentare… Kommentar hinzufügen…