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Software-Entwickler machen das Internet begehbar

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von Alexis Johann / apa | 30.01.2010 | 08:20

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Software-Entwickler machen das Internet begehbar

Stellen Sie sich vor, Sie betrachten Ihr Wohnzimmer mit der Handykamera und können plötzlich neue Möbel erscheinen lassen. Willkommen in der Welt von Augmented Reality.

Wikitude ( apa)

Markus Tripp von Mobilizy stellt Wikitude vor

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apa

Markus Tripp (Mobilizy), Chris Budgen (diamond:dogs), Alexis Johann (WirtschaftsBlatt), Thomas Wedl (CELLULAR), Wolfgang Leindecker (NextiraOne) und Thomas Stern (Moderator, Braintrust

Markus Tripp ist einer jener jungen Unternehmer aus Österreich, die mit ihren IT-Entwicklungen den Mobilfunkmarkt aufmischen. Als Mitgründer des Startups Mobilizy entwickelte der Softwareingenieur, der seine Karriere bei Sony Netservices startete, die Handy-Applikation „Wikitude". Die Software ermöglicht es, Umgebungsbilder, die mit der Kamera des Handys betrachtet werden, mit zusätzlichen Datenbankinformationen anzureichern. Konkret werden etwa bei der Betrachtung von Gebäuden, Plätzen und Restaurants diese mit Namen und Informationen angereichert, wenn sie mit der Software Wikitude auf den Handys betrachtet werden. Die Software benötigt zur Bestimmung des Ortes GPS, Kompass und den Neigungswinkel des Handys. Wikitude bindet unter anderem Inhalte von Wikipedia, Youtube und Flickr ein. Dadurch findet ein Salzburg-Besucher am Kapitelplatz beispielsweise Youtube-Videos der berühmten "Jedermann"-Aufführung.

Seit der zweiten Jahreshälfte 2009 setzt ein regelrechter Boom auf die Entwicklung der Österreicher ein, die auf Handys von Apple, Nokia, Sony, Google und anderen Herstellern läuft. Der "Wikitude World Browser" sei inzwischen knapp 500.000-mal aus dem Internet heruntergeladen worden, erzählte Markus Tripp bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der APA-E-Business-Community. Inzwischen habe seine Firma 40 bis 50 neue Info-Quellen hinzugefügt. Zu den Kunden zählt unter anderem Red Bull, das sich von Mobilizy Applikationen entwickeln ließ. Auch ein eigenes Navigationssystem sei "praktisch fertig", mit mehreren Unternehmen würden bereits Gespräche geführt. Allerdings entwickeln sich die Branchengrößen zu einer echten Konkurrenz, "gegen die Großen tun wir uns schwer", so Tripp. Mobilizy-Personalstand beschäftigt sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Die Wirklichkeit erweitern
Wikitude gehört zu den Anwendungen im Bereich "Augmented Reality" (AR). Es geht um die Anreicherung der wahrgenommenen Realität mit digitalen Informationen. Laut Experten könnte Augmented Reality sowohl im Privat- als auch im Geschäftsalltag künftig eine bedeutende Rolle spielen. Wer entsprechende Anwendungen benutzt, kann sich durch die Handykamera die tatsächliche Umgebung ansehen, aber auch Standorte von Bankomaten, Restaurants oder Sehenswürdigkeiten einblenden lassen - gespickt mit weiterführenden Informationen. Und Kunden, die neue Möbel kaufen wollen, überprüfen per Mobiltelefon, ob sie tatsächlich gut ins Wohnzimmer passen. Eine der bekanntesten bestehenden Anwendungen ist die Spielkonsole WII von Nintendo, bei der die Spieler von einer Kamera  gefilmt und Bewegungen von Sensoren gespürt werden.
Augmented Reality sei der logische nächste Schritt in der Interaktion zwischen realen Elementen und dem Cyberspace beziehungsweise den darin enthaltenen und darüber verfügbaren Daten, erklärte Chris Budgen vom Webconsulter diamond:dogs. Die Vorfreude sei aber ein wenig getrübt. Erstens würden sich fast alle verfügbaren Anwendungen noch im Prototyp-Stadium befinden und zweitens müsse die breite Akzeptanz für dermaßen innovative Ansätze eine Weile reifen.
Neben den visuellen gebe es aber auch haptische - etwa das iPhone als Wasserwaage - oder Audio-Anwendungen, wie etwa das Erkennen, welches Lied gerade im Radio gespielt wird. Als mögliche weitere Einsatzbereiche sieht er 3D-Modelle bei Operationen, Autobastler, die eingeblendet bekommen, an welchen Teilen sie gerade herumschrauben, oder Anwendungen, durch die Ornithologen das Gezwitscher den entsprechenden Vogelarten zuordnen können. Im Alltag der breiten Masse werde AR aber in den kommenden fünf Jahren noch nicht ankommen.

Wunsch-Immobilie beim Schlendern finden
"Unsere Gewohnheiten werden durch Augmented Reality in Zukunft verändert", sagte Thomas Wedl von Cellular, einem Anbieter von mobilen Anwendungen. Wer in einer Wohngegend unterwegs sei, die ihm gefällt, und eigentlich umziehen möchte, könnte auch gleich angezeigt bekommen, ob hier eine Immobilie frei ist.
"Der Kunde muss ja nicht wissen, dass es sich dabei um eine AR-Anwendung handelt, sie muss nur hilfreich sein. Im Vordergrund steht die benutzerfreundliche Verwendung von neuen Technologien", so Wedl. AR-Funktionen würden sukzessive in unterschiedliche mobile Applikationen und Geräte Einzug halten und so im Alltag neue Möglichkeiten bieten.

Erweiterte Realität ist verzerrte Realität
Wolfgang Leindecker von NextiraOne Austria sieht durch Augmented Reality neue Lösungen für die bessere Zusammenarbeit über Distanzen. Und AR biete neue Chancen für Werbung. „Der Mega-Markt der umgebungsbasierten, zielgerichteten Werbung ist spannend - man beachte dabei das große Interesse von Google", so Leindecker. iPhone und Google würden aber "nur eine Eisbrecher-Funktion für die breite Masse darstellen, der Tragweite der Veränderung in der Umweltwahrnehmung, die auf uns zukommt, wird der Hype noch nicht gerecht". Allerdings würden die Nutzer mit ihren Datenspuren für die Nutzung der Dienste zahlen. "Sie geben etwas preis, das für andere einen Wert hat", so Leindecker. Die erweiterte Realität sei auch eine verzerrte Realität, "weil möglicherweise wer dafür bezahlt, dass ich das sehe".

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