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brands4friends: Designerware zum Schleuderpreis soll Online-Handel umkrempeln

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von Oliver Bayer | 17.03.2010 | 21:28

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brands4friends: Designerware zum Schleuderpreis soll Online-Handel umkrempeln

Der Online-Shopping-Club brands4friends bietet nach eigener Angabe Designerwaren namhafter Hersteller um bis zu 70 Prozent günstiger an. Einer der Gründer ist der Österreicher Constantin Bisanz. Das enorme Wachstum des Portals lockt prominente Investoren wie Holtzbrinck und Tengelmann an. WirtschaftsBlatt befragte e-Commerce-Experten, was sie davon halten.

beigestellt

"Die Österreicher sind unsere Vorzeigekunden", sagt Constantin Bisanz, Mitgründer und Geschäftsführer von brands4frieds

Facts

Das Unternehmen
Der Online-Shopping Club brands4friends wurde 2007 in Berlin gegründet. Das Portal verzeichnet derzeit über 2,5 Millionen Mitglieder und hat neben Deutschland länderspezifische Portale in Österreich, Großbritannien und Japan. Geschäftsführer ist der Österreicher Constantin Brisanz, der gemeinsam mit dem CEO Christian Heitmeyer, Nicolas Speeck und Mario Zimmermann das Unternehmen gründete. 2009 erwirtschaftete brands4friends einen Umsatz von 80 Millionen €.

Zitiert

Alexander Zacke, Experte für Social Commerce und Social Shopping Systeme

Scheinbar wird die Ware mit dem Geld der Nutzer bestellt und bezahlt. Dieses Modell gab es auch auf eBay, es ist mitverantwortlich für die schwere Rufschädigung des Auktionshauses

YouTube

Markenartikel zu einem unschlagbaren Preis, so lautet die Devise so genannter Online-Shopping-Clubs, die derzeit im Internet steigende Besucherzahlen verzeichnen. Kleidung, Spielwaren oder Elektrogeräte namhafter Hersteller zu Preisen, die weit unter dem empfohlenen Herstellerpreis liegen, sollen die User zum Kauf animieren. In Foren wird die Seriosität der Shopping-Clubs heftig diskutiert. Die heftigste Kritik richtet sich gegen die langen Lieferzeiten.

Tatsächlich kommt es bei brands4friends, nach eigenen Angaben der Marktführer am deutschsprachigen Markt, zu längeren Lieferzeiten. Die Markenartikel werden während limitierter Aktionszeiträume verkauft. Bestellt ein User einen Artikel, wird er darauf hingewiesen, dass er mit einer Lieferzeit zwischen zwei und vier Wochen rechnen muss. Das hat einen bestimmten Grund: „Wir bestellen die Ware beim Hersteller erst nach Ablauf der Verkaufsaktion“, erklärt Constantin Bisanz, einer der brand4friends-Gründer und Geschäftsführer. Die Ware werde vorab beim Hersteller geblockt, erst nach Ablauf der Aktion in das brands4friends-Logistikercenter überstellt und von dort sofort über Vertriebspartner an die Kunden ausgeliefert. „Dadurch ist unser Lagerbestand immer sehr schlank“, sagt Bisanz.
Bis zu 35.000 verkaufte Artikel einer Marke pro Tag seien keine Seltenheit. „Durch derart große Volumina können wir unser Preisniveau sehr niedrig halten“, erläutert der brands4friends-Chef.

Mitgliedschaft erforderlich

Das Unternehmen wurde im Jahr 2007 in Berlin gegründet und ist in Deutschland sowie Großbritannien, Österreich und Japan mit eigenen Länderportalen vertreten. Die Waren sind nicht wie etwa bei Amazon.com sofort für den User einsehbar. Um einkaufen zu können muss eine Clubmitgliedschaft gelöst werden. Diese kann über zwei Wege erfolgen: Entweder über die Einladung von einem bereits registrierten Mitglied oder über eine Freigabe der Betreiber selbst. Dazu muss man sich auf dem Portal registrieren, kommt danach auf eine Warteliste und wird nach Prüfung freigeschalten. Die Mitgliedschaft ist kostenlos. Überwindet man diese Hürde, darf man einkaufen.

Seriöse Sache

„Das Ganze ist zu 100 Prozent seriös“, bestätigt Franz Haslinger vom Internet Ombudsmann. Sein Team hat den Shopping-Club mit mehreren anonymen Testkäufen auf Herz und Nieren untersucht. Diese verliefen einwandfrei und brand4friends wurde vor kurzem das „Euro-Label“, ein europäisches e-Commerce Gütezeichen, verliehen. Für Haslinger hat der „Club-Charakter“ des Portals noch weitere Vorteile: brands4friends garantiere den kooperierenden Herstellern damit eine geschützte Verkaufsumgebung. „Die Preise für die Produkte dürfen ja nicht öffentlich sein. Wenn dem so wäre, wurde dies den klassischen Handel der Hersteller kannibalisieren“, so Haslinger.

Nach Angaben des Portals finden sich Artikel von über 400 Herstellern im Porfolio. Darunter Luxuslabels wie Calvin Klein, Dolce & Gabbana, Joop!, Karl Lagerfeld, Roberto Cavalli oder Jil Sander. Für die jüngere Zielgruppe sind stylische Brands wie Carharrt, G-Star, Eastpak, Diesel, Dickies oder Quicksilver.

Preisvorteil realistisch

Alexander Zacke, Experte für Social Commerce und Social Shopping Systeme, sieht das Geschäftsmodell von brands4friends etwas kritischer: „Scheinbar wird die Ware mit dem Geld der Nutzer bestellt und bezahlt. Dieses Modell gab es auch auf eBay, es ist mitverantwortlich für die schwere Rufschädigung des Auktionshauses“. Von Vorteil sei jedoch, dass aufgrund der hohen Anzahl der Bestellungen hohe Rabatte ausgehandelt werden können, die dem Kunden zugute kämen. „Die Frage ist aber, wie billig ist das wirklich?“, fragt Zacke. Sein Test ergab, dass die Artikel manchmal nur 15 Prozent günstiger sind, als bei herkömmlichen Online-Shops. Auch wenn die von brands4friends verkündete Ansage von einem Preisunterschied von bis zu 70 Prozent damit nicht immer stimmen möge. „Das Portal ist dennoch der günstigste Anbieter“, resümiert Zacke.

Big Business

Die Performance ist allerdings beeindruckend: 2008, nur knapp ein Jahr nach der Gründung, erwirtschaftete brands4friends einen Umsatz von 25 Millionen €. 2009 lag dieser bereits bei über 80 Millionen €. Insgesamt hat das Portal derzeit 2,5 Millionen registrierte Nutzer.

Österreicher bei brands4friends Lieblingskunden

50.000 Kunden kommen aus Österreich. Seit Dezember 2009 hat brands4friends ein eigenes Österreich-Portal am Start. „Österreich hat sich aus Deutschland heraus entwickelt ohne dass wir wirklich aktiv waren“, sagt Bisanz. Bereits vor dem Launch des Österreich-Portals habe man schon einen relativ großen Anteil österreichischer Mitglieder verzeichnet. „Die Österreicher sind unsere Vorzeigekunden. Sie sind weit aktiver als die Deutschen. Daher lag es nahe, ein eigenes Team dafür zu gründen“, schildert Bisanz. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 200 Mitarbeiter, zehn davon sind überwiegend für Österreich zuständig. „Einige weitere sollen in naher Zukunft hinzukommen“, sagt Bisanz. Auch angebotsseitig, soll für den heimischen Markt kräftig aufgestockt werden: Labels wie Palmers und Wolford finden sich bereits im brands4friends-Sortiment. Im Moment gäbe es Gespräche mit mehreren österreichischen Designern über einen Einstieg. „Österreich ist jedenfalls super wichtig für uns. Wir verzeichnen tolle Zuwachsraten“, freut sich Bisanz, selbst gebürtiger Linzer. Für 2010 visiert er 100.000 registrierte Nutzer in Österreich an.

Branche hat Lunte gerochen

Dass das Geschäftsmodell durchaus profitabel ist, haben auch klassische Branchenkollegen bereits verstanden. In der Investorenliste von brands4friends finden sich namhafte Player wie etwa Mangrove Capital Partners, die unter anderem auch beim Internet-Telefonieanbieter Skype investiert haben. Daneben sind auch Holtzbrinck Ventures (StudiVZ, MyHammer, Parship,..) und Partech International (Dailymotion, Qype,..) beteiligt. Neuzugang unter den brands4friends-Geldgebern ist der deutsche Handelsriese Tengelmann, zu dem etwa Ketten wie Obi und Kik gehören, der Anfang Februar 2010 eingestiegen ist und bisher zehn Millionen € in das Web-Unternehmen gesteckt hat.

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