Mittwoch, 23. Mai 2012 a  
Dialog-backdrop
Artikel versenden

Deutsche Telekom justiert nach

Geben Sie hier die E-Mail-Adresse des Empfängers ein (z.B. m.mustermann@wb.com). Mehrere Empfänger werden durch Komma getrennt.

von Thomas Jäkle | 05.01.2012 | 07:37

A- A A+ Drucken Artikel weiterempfehlen zu den Kommentaren

Deutsche Telekom justiert nach

Nach dem gepaltzen Verkauf von T-Mobile USA ist die Auslandsstrategie des deutschen Telekomriesen auf dem Prüfstand. Geprüft werden die Beteiligungen der Deutschen - von Österreich bis nach Griechenland.

Wien. Nachdem der 39 Milliarden Dollar schwere Verkauf von T-Mobile USA an AT&T kurz vor Weihnachten am Widerstand der US-Kartellbehörden verhindert wurde, will die Konzernmutter Deutsche Telekom nun auch andere Auslandsbeteiligungen näher unter die Lupe nehmen, heißt es in internen Kreisen. Der geplatzte US-Deal wurde, wie im Fall des Scheiterns vereinbart, mit einen Scheck von AT&T in der Höhe von drei Milliarden Dollar (2,31 Milliarden) abgefedert. In der Konzernzentrale der Deutschen ist man jedoch alles andere als beruhigt über die wirtschaftliche Performance der US-Tochter.

Hohe Investitionen für den Fortbetrieb des viertgrößten und kleinsten US-Netzbetreibers und Abschreibungen im Jahresergebnis 2011 bereiten große Sorgen. Im Februar sollen dazu nähere Zahlen bekannt gegeben werden.

Die Konzernmutter Deutsche Telekom will nun auch weitere Auslandtöchter genauer unter die Lupe nehmen, wie es in Unternehmenskreisen heißt. Sinkende Preise und verschärfte Roaming-Vorgaben knabbern an den Erträgen der europäischen Töchter. "Kein Kommentar", heißt es in der Bonner Konzernzentrale zu "Gerüchten" am Markt.

Partnersuche

In Großbritannien haben die Deutschen bereits 2009 T-Mobile UK mit der France-Télécom-Tochter Orange UK das 50:50-Joint Venture Everything Everywhere gegründet. Infrastruktur, Administration und Einkauf unter einem Dach zu vereinen ist dabei das Ziel, um Kosten zu sparen. Beide Marken werden weiterhin parallel fortgeführt, obwohl die Unternehmen auch den Plan B einer gemeinsamen Marke diskutiert hatten.
Mit gestrigen Tag hat das Everything Everywhere einen starken Partner mit China Telecom bekommen. Die Chinesen wollen die Olympiade in London nutzen, um asiatischen Mobilfunkkunden spezielle Mobilfunkangebote als Mobile Virtual Network Operator (MVNO) anzubieten. Die Chinesen gehen somit erstmals ins Ausland.

Österreich im Fokus

Weitere Kooperationen sind in den vergangenen Monaten auf der Stelle getreten. So wollte T-Mobile mit Orange noch im April so schnell wie möglich eine "Netz-Ehe" eingehen. Zunächst sollten Sendeanlagen geteilt werden. Die gemeinsame Nutzung und Teilung der Mobilfunknetze und ein gemeinsamer Einkauf sollten nach dem britischen Vorbild als zweiter Schritt folgen.

Doch im Sommer 2011 kam alles anders. Orange Austria infolge des Starts von Verkaufsgesprächen mit Hutchison 3G ("3") den Deutschen untreu geworden. Auch tiefer gehenden Verhandlungen bis hin zu Übernahmenverhandlungen wurden abgebrochen.

Der damals für Orange Austria zuständige Orange Europa-Chef Olaf Swantee ist in der Zwischenzeit zu Everything Everywhere nach London gewechselt. T-Mobile hat sich nun mit "3" zu einer "Netz-Ehe" verbündet. T-Mobile Austria kämpft jedenfalls aufgrund des massiven Preiswettbewerbs unverändert mit Umatz- und somit Ertragsrückgängen wie kaum eine andere Deutsche Telekom-Tochter in Europa.

Baustelle Griechenland

Eine weitere Baustelle der Deutschen liegt in Griechenland. Zwar hatte der Konzern bei OTE erst im Vorjahr die Beteiligung von 20 Prozent auf 40 Prozent aufgestockt. Mit dem Rückzug von OTE aus Serbien, wo die Griechen mit 20 Prozent beteiligt waren, wurde eine erste Flurbereinigung vorgenommen, heißt es bei Insidern. Für die Beteiligung an OTE, die wie die Telekom Austria in verschieden Ländern Südosteuropas Beteiligungen und Tochterfirmen hält, hat die Deutsche Telekom seit 2008 in mehreren Etappen 4,2 Milliarden € bezahlt. Zuletzt stockten die Deutschen im Sommer 2011 ihren Anteil von 30 auf 40 Prozent auf. Für diesen Anteil wurden 400 Millionen € überwiesen. Für das Jahr 2011 drohen hohe Abschreibungen. Bisher hatten die Deutschen 1,8 Milliarden € der Investition abschreiben müssen.

Re-Check am Balkan und Polen

Weitere Beteiligungen, etwa in Rumänien, Bosnien und Kroatien, sollen bei der Deutschen Telekom ebenso auf dem Prüfstand stehen. In Kroatien halten die Deutschen an Hrvatski Telekom offiziell 51 Prozent der Anteile.

In Polen soll laut Insidern die Kooperation der DT-Tochter PTC ebenso mit der polnischen Orange, an der France Télécom 49 Prozent über TP (Telekomunikacja Polska) hält, intensiviert werden.

Kommentare… Kommentar hinzufügen…

mehr eBusiness…

mehr Fotogalerien>

Fotogalerien 

  • CeBIT 2012

    Trends und Innovationen

    MWC 2012

    Die Neuheiten der Mobilfunkmesse

  • Die größten Exits

    Wie Web-Gründer zu Milliardären...

    CES 2012

    Die Neuheiten der Tech-Branche

Ähnliche Artikel

eBusiness Experten-Chat

e-Skills: Welche Fähigkeiten sind in der Zukunft gefragt?

Die Wirtschaft erneuert sich in rasender Geschwindigkeit. Was gestern noch gelehrt wurde, kann morgen schon wieder obsolet sein. Manager erzählen, wie ihre Mitarbeiter künftig agieren müssen.

Wolfgang Mayer
Country Manager, Micro Strategy

"Ich vermisse bei IT-Entscheidern sehr häufig die Flexibilität, aber auch die Vision, neue Wege aufzuzeigen und diese dann auch zu gehen. Das wird aber in der Zukunft gefordert."
Christian Czaak
Herausgeber, Economy Austria

"Digitale Skills sind im modernen Berufsleben notwendig. Bei Mitarbeitern finde ich menschliche Skills allerdings wichtiger. Es geht um die Identifikation mit dem Unternehmen, um soziale Kompetenz und unternehmerisches Einfühlungsvermögen. Neue Medien bieten mehr Freiraum, damit muss man umgehen."
Werner Knoblich
General Manager, EMEA RedHat

"Wahltag ist bei uns immer nächstes Jahr. Dann entscheidet der Kunde, ob er unsere Services noch will oder nicht. Wir müssen also stets beweisen, dass wir unser Geld wert sind. Das verlangt technische Kompetenz, aber vor allem auch Ehrlichkeit."
Thomas Kiessling
CIO, Bwin

"Das Internet hat unser Geschäftsmodell erst möglich gemacht. Die 1500 Mitarbeiter beweisen täglich E-Skills. Viele davon kann man sich nur bedingt durch Ausbildung aneignen. Wichtiger ist es, sich neuen Entwicklungen, etwa dem Trend zu User Generated Content und Medienkonvergenz, nicht zu verschließen."
Andreas Muther
Geschäftsführer SAP Österreich

"Mitarbeiter müssen raus zum Kunden, das Ohr am Kunden haben und neugierig sein. Nur so ist es möglich, zusammen mit dem Kunden die optimale Lösung zu finden. Dafür braucht man vor allem soziale Fähigkeiten."
Thomas Kühlewein
DACH-Chef, VMware

"IT ist sehr komplex geworden und oft nicht mehr effizient. Für Neues brauchen wir Leute, die sich in Prozesse vertiefen, dem Kunden neue Wege aufzeigen können. Und dafür ist es nicht notwendig, einen MBA zu haben. Praxis und Gespür, um Innovationen voranzutreiben, ist wichtiger."
Norbert Schöfberger
Direktor Personal Systems Group, HP Österreich

"Leben und Arbeiten in der Informationsgesellschaft erfordert die Aneignung von Medien kompetenz. Das ist gleichbedeutend mit lebensbegleitendem Lernen. Das Angebot an mobilen Endgeräten ermöglicht zudem eine immer größere Palette zielgruppenorientierter Bildungsangebote."
Wolfgang Kern
Regional Partner Manager CEE, UC4 Software

"Vielen Unternehmen ist nicht bewusst, dass fehlende „Cultural Awareness“ in der Kommunikation die Wettbewerbsfähigkeit dramatisch beeinträchtigen kann. Die besten Mitarbeiter werden neben Branchen-Know-how zunehmend über hohe soziale Kompetenz verfügen müssen."
Achim Kaspar
Country Manager Cisco Austria

"Die Österreicher sind etwas bequem, wenn es um die Aneignung neuer Technologien geht. Unternehmen und ihre Mitarbeiter würden sich einfacher tun, nicht erst dann zu agieren, wenn etwas zum Zwang wird."